Solidarität im Sinne von Maria Grönefeld

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
4862672.jpg
Für die heutige Tagung alles vorbereitet: Heinz Hahnbück, Geschäftsführer und Vorsitzender des Fördervereins der Maria-Grönefeld-Stiftung, und Leo Jansen vom Nell-Breuning-Haus. Foto: Krüsmann

Herzogenrath. Maria Grönefeld lebte und inspirierte Solidarität und provozierte mit ihren kritischen Sozialanalysen und politischen Zeitdiagnosen. Die nach ihr benannte und in Herzogenrath beheimatete Stiftung feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.

Die Namensgeberin steht mit ihrer ungewöhnlichen Biografie für leidenschaftliches Engagement und soziale Freiheit. 1941 geboren in einer Textilarbeiterfamilie des Münsterlandes, arbeitete Grönefeld ab 1955 in der Fabrik. Gleichzeitig engagierte sie sich in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). Dieses Engagement konnte sie schließlich zum Beruf machen, nahm nationale und internationale Aufgaben wahr. Schließlich absolvierte sie ein Studium der Erziehungswissenschaften.

1978 wurde sie Gestalterin und Leiterin der Bildungs- und Begegnungsstätte von KAB und CAJ im Bistum Aachen. Grönefeld arbeitete als Beraterin, hielt Vorträge, vermittelte in sozialen Konflikten, baute Brücken zwischen Kirchen, Gewerkschaften und Betrieben, förderte den Praxisbezug von Wissenschaft und fundierte die Erwachsenenbildung theoretisch; sie war eine Mittlerin befreiungstheologischen Denkens in Deutschland und gab wichtige Impulse für Sozialverbände und Frauenbewegung. Grönefeld war 1992 die Initiatorin der Umbenennung der Bildungsstätte der KAB und CAJ im Bistum Aachen in Oswald-von-Nell-Breuning-Haus.

Gestorben ist sie am 1. Januar 1993 viel zu früh in Herzogenrath. Die streitbare Arbeiterin, Pädagogin und Wissenschaftlerin engagierte sich zuletzt für eine menschenwürdige Arbeitswelt, eine sozial gerechte und demokratische Ordnung und ein christliches Zeugnis, das gesellschaftspolitisch wirkt.

Am 3. November 2011 wäre Maria Grönefeld 70 Jahre alt geworden, und am 1. Januar 2013 war ihr 20. Todestag.

„Deshalb wollen wir einladen, das Projekt des Erinnerns und des Aufbrechens mit einem weiteren Meilenstein fortzusetzen“, sagt Heinz Hahnbück, Geschäftsführer und Vorsitzender des Fördervereins der Maria-Grönefeld-Stiftung. Mit Aktivitäten geht er an die Öffentlichkeit: ein neuer Internetauftritt, eine passende aktualisierter Infobroschüre sowie der neue Werbeslogan „Teilen tut gut” sind die äußeren Markenzeichen.

Die im Januar 2003 gegründete Maria-Grönefeld-Stiftung für christliche Sozialethik und Sozialpraxis fördert und unterstützt unter anderem Bildungsprojekte und Sozialrecherchen mit Interventionscharakter, Projekte der Betriebs- und Sozialpastoral und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Maßnahmen zur Entwicklung internationaler Zusammenarbeit und Solidarität sowie wissenschaftliche Arbeiten, Tagungen und Seminare zu sozialethischen Fragen.

Initiatoren und Stiftungsgründer sind das Herzogenrather Nell-Breuning-Haus, die KAB Aachen und die CAJ. Prominentes Kuratoriumsmitglied ist zum Beispiel Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales. „Neben dem Seminarbetrieb im Nell-Breuning-Haus unterstützen wir zum Beispiel die Mobbing-Kontakt-Stelle und die Wanderausstellung „face to face“, sagt Hahnbück.

„Seminare für Familien oder finanziell Benachteiligte, die nicht anderweitig gefördert werden, können nur durch solche Zuwendungen angeboten werden“, unterstreicht Leo Jansen vom Nell-Breuning-Haus, der auch Kuratoriumsmitglied der Stiftung ist.

Die Mobbing-Kontakt-Stelle besteht seit 2001 und wird getragen von der Arbeiter- und Betriebspastoral (Bischöfliches Generalvikariat, Aachen), der KAB, dem Nell-Breuning-Haus und dem Deutschen Gewerkschaftsbund Region NRW Süd-West.

„Ziel der Mobbing-Kontakt-Stelle ist die Mitwirkung an einer humanen Arbeitswelt durch Mobbingintervention und –Prävention“, erklärt Hahnbück. Die Wanderausstellung „face to face – Gesichter & Geschichten & Hartz IV“ ist eine von der Foto-Künstlerin Agnes Bläsen konzipierte und von der Maria-Grönefeld-Stiftung geförderte Werkschau, die derzeit auf Tourneee durch Deutschland im öffentlichen Raum gezeigt wird. Ziel ist es, Denk- und Diskussionsprozesse zu initiieren, Vorurteile abzubauen und politische Bildungsarbeit zu fördern.

In diesem Jahr ist zum Abschluss der Wanderausstellung ein Abschluss-Event geplant. Besonders am Herzen liegt Hahnbück das Biografieprojekt: Im Rahmen dieses größeren Vorhabens in Zusammenarbeit mit der Historikerin Sabine Heise wurden bislang 15 Interviews mit Grönefelds Weggefährten geführt. Die Ergebnisse dieser umfangreichen qualitativen Zeitzeugenbefragung sollen demnächst in einer Publikation veröffentlicht werden. „Es geht um spannende Geschichten von Begegnungen mit Maria Grönefeld, Impressionen aus ihrer Arbeit in verschiedenen Praxisfeldern.

Anekdoten und Bewegendes haben wir wie Schätze in 2012 gehoben“, sagt Hahnbück.

Unter dem Titel „Zeitdiagnosen – Aufbruch oder Rückzug? Maria Grönefeld – unbequem, solidarisch, visionär: Engagement für soziale Freiheit“, findet am heutigen Samstag, ab 14 Uhr eine Tagung im Nell-Breuning-Haus statt, bei der es um Erinnerung, Begegnung und Aufbruch geht. Im Mittelpunkt steht der Vortrag „Aufbruch oder Rückzug? Christliches Engagement in Gesellschaft und Kirche“ von Prof. Dr. Krockauer aus Aachen.

Weggefährten von Maria Grönefeld erinnern sich im Rahmen eines Erzählcafés. Ein Ausblick thematisiert die Publikation zum Biografieprojekt über Maria Grönefeld und weitere Pläne der Stiftung zur Aktualisierung des Lebenswerks von Maria Grönefeld. Interessierte sind willkommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert