Würselen - Singergelände: Was geschieht mit der Industriebrache?

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Singergelände: Was geschieht mit der Industriebrache?

Von: Georg Pinzek
Letzte Aktualisierung:
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Herzensanliegen: Achim Großmann macht sich für den Erhalt von Gebäudeteilen der ehemaligen Singerfabrik stark, der Treppenturm (mit den spitzen Fenstern) zählt dazu. Foto: W. Sevenich

Würselen. Es tut sich etwas in der Frage, was mit dem Singergelände geschehen soll. Endlich. Fest steht: Die Würselener Stadtentwicklung kann durch einen guten Wurf enorm profitieren. Große Potentiale bietet da die zentrale Lage der Immobilie.<br />

Eine Stärkung der Geschäftswelt durch attraktive Gewerbeflächen, eine Steigerung der Kaufkraft durch gefragte Wohnbebauung, eine Bereicherung der kulturellen Szene durch ergänzende Veranstaltungsräume und Gastronomie: Das alles und noch viel mehr steht auf der Würselener Wunschliste.

Die Industriebrache im Herzen der Stadt fristet seit Jahren ein unansehnliches Dasein. Erst kürzlich wurden zwecks besseren Einblicks auf das Gelände mit den dem Abriss geweihten verfallenen und verwüsteten Gebäude Rodungsarbeiten vorgenommen. Die Ruinen der einst blühenden Nadelfabrik wurden immer mehr zur Belastung für das Stadtbild. Bislang umstrittene Nutzungskonzepte drohten derweil für Stadtplaner zu einer schweren Hypothek zu werden.

Bei den Haushaltsberatungen berichtete CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz unlängst, dass „ein privater Investor die ersten Pläne für eine zukünftige Bebauung vorgestellt hat”. Jetzt gelte es, die Pläne mit den Bedürfnissen und dem Bedarf der Stadt abzustimmen. SPD-Fraktionschef Stefan Mix zeigte sich gar „zuversichtlich, im April im Stadtentwicklungsausschuss notwendige Grundsatzentscheidungen treffen zu können”. Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Hans Carduck (FDP), gab sich ebenfalls betont optimistisch, „mit Eigentümer und Investor die Brache zu einem blühenden Mittelpunkt unserer Stadt gestalten zu können”.

Eine gesunde Mischung

Einen bemerkenswerten Beitrag in der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Singergeländes leistete jetzt der Vorsitzende der Würselener Kulturstiftung, Achim Großmann. Mit der Materie vertraut, hat er sich als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung elf Jahre intensiv mit den Fragen des Städtebaus auseinandergesetzt. Die Gründung der Stiftung Baukultur hat er stark vorangetrieben.

Über seinen großen Erfahrungsschatz hinaus nimmt man Großmann zweifellos ab, dass das Großprojekt in seiner Heimatstadt Würselen ihm ein Herzensanliegen ist. In einem Schreiben an die Fraktionen macht Großmann deutlich: „Die Entwicklung des Singergeländes kann die urbane Entwicklung Würselens sehr stark positiv prägen. Das bedeutet aber auch: Fehler können genau zum Gegenteil führen.”

Eine gesunde Mischung bei der Nutzung rückt Großmann in den Fokus: „Notwendig ist sicher mehr Wohnungsbau im Zentrum, und zwar hochwertige Stadthausbebaung mit Nutzungsmöglichkeiten auch für Familien. Der Gewerbeanteil sollte die Zusammensetzung in der Kaiserstraße nicht schädigen, die Gewerbe- und Handelsinhalte sollten ergänzen, neue Anker setzen und nicht die vorhandene Struktur schädigen. Der Wohnanteil sollte höher liegen als der Gewerbeanteil.”

Als ganz wichtig erachtetet Großmann: „Neben dem Wohnen und dem Gewerbe gehören zu einer urbanen Erschließung weitere Nutzungsmöglichkeiten, die tagsüber, vor allem aber auch in den Abendstunden für eine Belebung des Gewerbebereiches sorgen. Hier schlage ich eine kulturelle und kulturwirtschaftliche Nutzung vor. Der Vorstand der Kulturstiftung hat sich mit diesen Fragen sehr intensiv befasst und viele Gespräche auch mit potentiellen Nutzern geführt.”

Unter dem Leitgedanken „Identität macht Urbanität” gibt Großmann zu bedenken: „Zur Identität einer Stadt gehören auch baukulturell und bauhistorisch prägende Gebäude und Ensembles. Aus der Industriegeschichte unserer Stadt hat so gut wie kein Gebäude den Krieg oder die weitere Modernisierung überlebt. Gerade deshalb ist es so wichtig, markante Gebäude beziehungsweise Gebäudeteile zu erhalten. Auf dem Singergelände gibt es einen Treppenturm und Fassadenteile, die dringend in eine Erschließung integriert werden müssten. Sie erst schaffen den Erkennungswert eines Atriums oder eines Zentrums, das sonst ohne eigenen Charakter mit einer anderenorts schon vervielfältigten Auswechselarchitektur jedes Flair und jede Unverwechselbarkeit vermissen lassen würde. Nur mit einem solchen baukulturellen Anker könnte sich auch ein stadtspezifischer und emotionaler Name - Singerhöfe, Singeratrium - legitimieren und durchsetzen lassen, der an die Geschichte der Stadt anschließt.”

Großmann signalisiert den Fraktion die Bereitschaft zu intensiveren Gesprächen. Es gelte, auch die Situationen der Kulturspielstätten in Würselen in die Diskussion über die neue zentrumsnahe Entwicklung mit einzubeziehen.

Die Parkflächen sollten integriert werden

Die städtebauliche Anbindung an die umliegende Stadt ist laut Großmann entscheidend: „Die Bahnhofstraße braucht ein städtebauliches Band sowohl zwischen dem Möbelhaus und der Kaiserstraße wie auch zwischen der Teilbebauung der Bahnhofstraße bis zur Kreuzstraße.

Vor dem neuen Singerbereich dürfen an der Bahnhofstraße keine Parkflächenbänder entstehen. Die Parkflächen müssen in den Bereich integriert sein und zur Bahnhofstraße ein Ensemble mit der Bebauung bilden. Also keine Klosterstraße, das Parkhaus dort hat keinerlei städtebauliche und architektonische Qualität. In Deutschland gibt es viele bessere Beispiele, die sich auch wirtschaftlich beweisen.

Auch die Anbindung an die Elchenrather Straße ist wichtig, will man die dort entstandenen oder gerade entstehenden Wohnbereiche besser an das Zentrum anschließen. Hier fehlt bisher jede Urbanität, und die defizitär entwickelten Flächen im Bereich des Kalkhaldenparks müssten sicher neu geordnet werden.”

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