Singerfabrik: Doch kein Eintrag in die Denkmalliste

Von: Georg Pinzek
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Das Konzept für die Singer-Höfe will der Investor variieren: Neben Rewe sollen drei weitere Ankermieter Zusagen gegeben haben. Foto: Georg Pinzek
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Sollen erhalten bleiben: Der über 100 Jahre alte Treppenturm und der angrenzende Backsteinbau.

Würselen. Verwunderung und Verärgerung: Der Landschaftsverband Rheinland hat entschieden, dass die Singerfabrik keinen Eintrag in die Denkmalliste erhält, ohne Gründe zu nennen. Tatsächlich hat die Behörde wohl Furcht vor Regressansprüchen.

„Eine denkmalrechtliche Unterschutzstellung kommt nach Auskunft des LVR (Landschaftsverband Rheinland) für das Singer-Gelände nicht in Frage. Der Investor überprüft zurzeit, ob Teile der alten Bausubstanz in das Konzept integriert werden können.“ Die lapidare Mitteilung löste im Ausschuss für Umwelt- und Stadtentwicklung beim FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans Carduck große Verwunderung und nicht minder große Verärgerung aus.

So eine wichtige Sache quasi mit einer Fußnote abzutun: „Das geht so nicht!“ Seit Monaten herrsche bei dem Projekt Stillstand, wetterte der Liberale. Warum, wieso, weshalb die im April von Achim Großmann beantragte Aufnahme in die Denkmalliste von „bedeutenden Gebäuden der Würselener Industriegeschichte“ nicht zustande kam, interessierte den Ausschuss aber nicht.

Unglaublich: So hat das Amt für Denkmalpflege beim LVR nach monatelanger Prüfung sogar noch nicht einmal eine Begründung dafür abgeliefert. Dem Vernehmen nach sieht die Behörde durchaus bei einigen Gebäuden der Nadelfabrik an der Kaiserstraße eine Schutzwürdigkeit. Aber: Weil für das Projekt Singer-Höfe (Gewerbe, Gastronomie, Praxen und Wohnen) schon erhebliche Planungs- und Gutachterkosten entstanden sind, fürchtet der LVR, dass der Investor Regressansprüche geltend machen könnte.

Neue Pläne angekündigt

„Der Investor ist weiter am Ball“, betonte Till von Hoegen. Mittlerweile stünden vier Ankermieter fest, darunter ein Rewe-Markt, informierte der Technische Beigeordnete den Ausschuss. „Da aber die Unterschriften unter den Verträgen noch fehlten, dürfen keine Namen in der Öffentlichkeit genannt werden“, sagte von Hoegen. Wünsche der potenziellen Mieter hätten dazu geführt, dass über Lagen und Größen der Gewerbeeinheiten neu nachgedacht werden müsse.

Er bestätigte, dass die Denkmalschutzprüfung beim Investor zu einem Umdenken geführt habe. Sein Architekt habe sich mit dem Gebäude-Ensemble beschäftigt und wolle es in ein neues Konzept integrieren. „Es wird umgeplant mit dem Ziel, die alten Gebäude zu erhalten. Damit haben sich viele Dinge zum Guten gewendet. Ich bin mir sicher, dass eine städtebaulich gute Lösung dabei herauskommt“, warb der Technische Beigeordnete um weitere Geduld, „damit der Investor in Ruhe daran arbeiten kann“.

Einen Zeitplan mahnte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Knauf, an. Wann das neue Konzept jedoch vorgestellt werden kann, vermochte von Hoegen nicht zu sagen, möglicherweise Anfang März. SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Küppers erklärte: „Wir sind sehr gespannt auf das neue Konzept. Er wäre schön, wenn die alten Gebäude integriert und erhalten werden können.“

Eine aktivere Rolle der Protagonisten im Rathaus in dem Verfahren mahnte unterdessen Achim Großmann an. Er wirbt ausdrücklich darum, „einen Teil der letzten steinernen Zeugnisse des industriellen Würselens stehen zu lassen und in eine neue Bebauung zu integrieren, ob mit oder ohne Denkmalschutz. Das betrifft den wunderschönen Treppenturm und Fassadenteile der früheren Galvanik. Auch für das Backsteingebäude gibt es wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten.

Es wäre wichtig, dass die Politik sich zu diesem Ziel bekennt. Entsprechende Vorgaben sind ohne Weiteres in die Verhandlungen mit Investoren und bei Festlegungen des Bebauungsplanes einzubeziehen“, erklärt Großmann dazu auf Anfrage unserer Zeitung.

Um ein gutes Beispiel für einen gelungenen Umgang mit der Bauhistorie zu finden, müssen die Würselener gar nicht weit reisen. Großmann: „Alsdorf zeigt gerade, dass historische Bausubstanz in der Innenstadt und innovative Stadtentwicklung sehr gut zusammenpassen und zur Identität der Stadt beitragen.“

Auf seine Initiative habe ein Gespräch mit Vertretern der Städtebauministerien des Bundes und des Landes in Würselen stattgefunden. „Eine Förderung der unrentierlichen Kosten bei der Restaurierung der infrage kommenden Gebäude ist unter bestimmten Bedingungen möglich, auch die finanzielle Seite des Erhalts der Gebäude ist also regelbar“, sagte Großmann.

Der derzeitig planende Investor habe nach drei Jahren noch kein überzeugendes städtebauliches Konzept vorgelegt. Renditeerwartungen seien das eine, das andere müsse aber ein zukunftsfähiges urbanes Konzept sein. Bei einer Fortentwicklung der Konzeption für das Singergelände, die wegen des sich ändernden Einkaufverhaltens dringend geboten sei, könnten Förderprogramme der Stadt und damit Investoren sehr helfen.

„Es liegen konkrete Vorschläge vor, auf dem Gelände junge Start-Up-Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft anzusiedeln, auch diese Idee wurde von den Vertretern der Ministerien unterstützt. Pulsierendes Leben im Zentrum braucht einen stärkeren Nutzungsmix“, macht Großmann konstruktive Vorschläge. Und betont: „Es geht nicht ums Verhindern, sondern ums Gestalten. Für die Würselener Innenstadt geht es um das beste Konzept.“ Er fragt: „Warum lässt man sich nicht auf den Wettbewerb der Ideen ein?“

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