Baesweiler - Settericher Nachbarschaftstreff bietet Deutschkurs für Asylbewerber

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Settericher Nachbarschaftstreff bietet Deutschkurs für Asylbewerber

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Viele Muttersprachen, ein Ziel: Ein wenig Deutsch zu lernen: Der ehemalige Schulleiter Volker Klüppel (3.v.l.) übt mit Asylbewerbern. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Dass Lehrer nicht nur auf Unterrichtsmaterial aus Büchern vertrauen sollten, damit ihre Schüler etwas lernen, ist Volker Klüppel nicht neu.

Schließlich war der Mann noch vor zwei Jahren der Leiter der Alsdorfer Gesamtschule. Aber jetzt, im Ruhestand, ist völlig neue Kreativität gefragt. Denn plötzlich sitzen Schüler vor ihm, die ein völlig anderes Kaliber sind: Asylbewerber, die mit einem Sack voller Probleme in Baesweiler gelandet sind und kaum zwei Wörter Deutsch verstehen. Um sie zu unterstützen, muss der Pädagoge ganz neue Wege gehen.

Sprachkurse sind für diese Menschen eigentlich gar nicht vorgesehen. Da braucht es schon solche Ehrenamtler wie Klüppel, um ihnen ein wenig Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, damit sich in dem fremden Land besser orientieren können. Vor zwei Monaten hat im Nachbarschaftstreff in Setterich der Kurs begonnen, der in so ziemlich jeder Beziehung aus dem Boden gestampft werden musste. „Die Zahl der Flüchtlinge hat auch in Baesweiler deutlich zugenommen“, sagt Jorge Trigoso vom Team des Nachbarschaftstreffs. „Das sind alles Menschen, denen wir helfen wollen.“

Kein gemeinsamer Nenner

Doch der Wille allein bringt keine Vokabeln bei. Und passende zweisprachige Lehrbücher gibt es nicht. Wie auch? Schließlich bringen diese Schüler nicht bloß eine Muttersprache mit, sondern gleich einen ganzen Haufen. Englisch sprechen einige, auch Französisch oder Russisch. Afrikanische Dialekte finden sich ebenfalls. Viel zu viel, um das auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Also hat Volker Klüppel sich erst einmal hingesetzt, und sein ganz eigenes „Schatzkästchen“ gebastelt. In einer Schatulle liegen Wortkärtchen, auf die er Symbole gemalt und das dazugehörige deutsche Wort geschrieben hat. Auch Unterrichtsblätter mit Fotos und Skizzen bringt er zu jeder neuen Lerneinheit mit. Schritt für Schritt tastet sich die Gruppe so an einfache deutsche Sätze heran. Ach was, tasten – da wird auch mal mit Händen und Füßen hantiert. Hier und da hat es schon was von Kindergarten, was da passiert, aber es ist ein Kindergarten für Erwachsene.

Das Tolle an der Sache: Sie alle lernen etwas dabei. Klüppel lernt, ausgiebig zu improvisieren, und seine Schüler finden trotz der babylonischen Sprachverwirrung so langsam ins Deutsche hinein. „Das ist gut. Unser Lehrer ist gut“, sagt Heny Sawiris. 40 Jahre alt ist der Ägypter, 20 davon hat er als Optiker Brillengläser in zwei eigenen Läden in Kairo eingepasst. Vorbei. Das Land hat er mit Familie fluchtartig verlassen. „Viel Streit“, sagt er und erklärt dann auf Englisch, wie seine Familie bedroht worden ist und er selbst wiederholt zusammengeschlagen. „Hier sicher“, sagt er und denkt nach. „Hier sind wir sicher. Richtig?“

Erik Mkhitaryan hat ein deutsches Wort gelernt, das ihm besonders wichtig ist: Rennfahrer. „Das bin ich“, sagt er und zeigt auf ein Foto von sich in voller Montur. In Georgien hat er gut von Autorennen gelebt, in Deutschland will er jetzt Tempo machen, um mehr Wörter sprechen zu können. Lernen will er jedenfalls gern, wie alle hier im Kurs. Zwei Monate wollen sie noch weitermachen. Womöglich beginnt dann sogar ein weiterer Kurs. Auf dieser Erfahrung lässt sich schließlich aufbauen. Auch ohne Lehrbuch.

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