Nordkreis - Selbsthilfegruppe: Würselener „Bechtis” betreiben Reha-Sport

AN App

Selbsthilfegruppe: Würselener „Bechtis” betreiben Reha-Sport

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
wue-selbsth_becht_bu
Bewegung tut gut: Speziellen Reha-Sport bietet die Bechterew-Selbsthilfegruppe einmal in der Woche an.

Nordkreis. „Die Bechtis” nennen sie sich. Eine Gruppe von Bechterew-Patienten, die jeden Montagabend zusammen sportlich aktiv sind. Gemeinsam treten sie in der Selbsthilfegruppe gegen eine Krankheit an, die für einen Laien rein äußerlich nicht unbedingt erkennbar ist.

Es ist eine überwiegend chronische, entzündliche Wirbelsäulenerkrankung, die zum Feld des Rheumas gehört. Auch Schultergelenke, Hüfte und innere Organe können davon betroffen sein. Schätzungen zufolge sind circa 400.000 Deutsche an Bechterew erkrankt, zwölf davon treffen sich in der Selbsthilfegruppe in Würselen.

Locker machen sie sich unter fachmännischen Blicken von Übungsleiterin Gabriele Mertes warm. Dabei erklärt sie ausführlich jede einzelne Übung, und jeder macht so gut und schnell er kann mit. Währenddessen ist die Atmosphäre entspannt. Mal wird über die Krankheit gesprochen, dann über das Haus und den Garten oder einen Film vom vergangenen Abend im Fernsehen.

Edmund Juchems ist der Leiter der Bechterew-Selbsthilfegruppe. Seit seinem 23. Lebensjahr lebt der heute 59-Jährige mit der Diagnose Bechterew. Es geht ihm gut damit, auch, weil ihm der Besuch in die Gruppe Kraft gibt. Es ist eine andere Art der Selbsthilfe. „Bei uns wird nicht nur gejammert”, stellt Edmund Juchems zufrieden fest.

„Wir sind aktiv, damit es uns besser geht.” Natürlich wird in der Gruppe auch mal geklönt, der Austausch untereinander kommt nicht zu kurz. Ebenfalls stehen gemeinsame Unternehmungen und Wochenendfahrten auf dem Programm. Doch im Fokus steht die physikalische Therapie, und die wird in der Gruppe eben mit speziellem Reha-Sport umgesetzt.

Die Bewegung ist wichtig, um beispielsweise eine zu erstarren beginnende Wirbelsäule weitestgehend geschmeidig zu halten. „Wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird, ist das kein Problem”, erklärt Edmund Juchems. Als er mit 23 Jahren die Diagnose Bechterew gestellt bekam, konnte er nicht mehr laufen. Heute geht er täglich stundenlang mit Hund Merlin spazieren. Doch in der Selbsthilfegruppe gibt es auch Patienten, bei denen die Diagnose zu spät kam, erzählt er. Aber auch dann ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben.

Kaum junge Leute

Eine Heilung der Krankheit gibt es nicht, nur schmerzlindernde und entzündungshemmende Präparate schaffen Abhilfe. Doch die Forschung geht rapide voran, „man kann gut mit der Krankheit leben und alt werden, man muss nur etwas dafür tun, vor allem physikalisch”, so Juchems.

Aufgrund der geringen Gruppengröße geht Edmund Juchems jedoch davon aus, dass viele Betroffene sich nicht mit der Möglichkeit Selbsthilfe auseinandersetzen. „Dabei ist es eine wirklich gute Sache, kostet nichts und ist wenig zeitintensiv.” Auffällig sei, dass vor allem junge Leute fehlten. Juchems schätzt, dass diese eher in Fitnessstudios gingen anstelle zu einem ausgebildeten Therapeuten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das vernünftig ist”, meint Edmund Juchems. Die Kosten für den Reha-Sport übernimmt die Krankenkasse, Interessenten sollten ihren Arzt auf diese Möglichkeit ansprechen.

Angebot steht allen offen

Das Sportangebot der Selbsthilfegruppe steht allen Interessenten offen. Wer möchte, kann unverbindlich zu einer der Stunden kommen. Weitere Informationen erteilt Edmund Juchems unter Telefon 02405/91129.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert