Sehbehinderte Malerin: „Meine Bilder sind auch zum Fühlen da”

Von: Anja Klingbeil
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Immer noch künstlerisch aktiv: Ingeburg Aigner lässt sich auch von ihrer Sehbehinderung nicht aufhalten. Sie malt weiter. Foto: Anja Klingbeil

Herzogenrath. Der volle Mond erleuchtet hell das Meer, spiegelt sich auf der rauen Wasseroberfläche wider. Die Wellen brechen sich an den aus dem Wasser herausragenden Felsbrocken. Das Gemälde ist eines der aktuellsten Bilder von Ingeburg Aigner.

Die Herzogenrather Künstlerin leidet an einer schweren Augenkrankheit. Auf einem Auge ist sie vollkommen blind, auf dem anderen besitzt sie nur noch eine 20-prozentige Sehkraft. Schuld daran ist ein so genanntes Pseudo-Glaukom.

Bei dieser Erbkrankheit wächst das Auge immer weiter, zerstört dadurch Netzhaut und Sehnerv. Ingeburg Aigner kennt das Gefühl, in völliger Dunkelheit zu leben. Vor einiger Zeit war sie durch den Grauen Star völlig erblindet.

Nach einer Operation an der Linse erlangte sie 70 Prozent ihrer Sehkraft zurück. „Das war Wahnsinn - ein enormes Glücksgefühl. Ich konnte mein eigenes Gesicht sehen, das war wirklich irre, weil ich es jahrelang nicht mehr so klar erkannt hatte. Ich konnte wieder sehen, wie die Blumen im Garten wachsen”, sagt Ingeburg Aigner.

Kreativität nie aufgegeben

Doch nach kurzer Zeit verschlechterte sich ihre Sehkraft wieder. „Es macht mir Angst, wieder in die Dunkelheit zu gehen, alles nur noch durch Fühlen, Hören und Tasten zu sehen.”

Ihre Kreativität und ihr künstlerisches Engagement hat sie trotz ihrer Sehbehinderung nie aufgegeben. „Wenn ich nicht mehr malen könnte, wäre das für mich eine Tragödie”, sagt Ingeburg Aigner. Denn in ihren Bildern drückt sie ihre Gefühle und Emotionen aus. Will zugleich anderen sehbehinderten Menschen Mut machen, sich trotz ihres Handicaps nicht von ihrer Kreativität abhalten zu lassen.

Für so manchen normal Sehenden scheint es unvorstellbar, dass jemand, der fast gänzlich erblindet ist, überhaupt noch solche Bilder malen kann. Kräftige Farben wie Rot oder Indigoblau in Kontrast zu Weiß erkennt Ingeburg Aigner. Aber es sind vor allen Dingen die Fühlbilder, die ihre Arbeit ausmachen. Gemälde, teilweise geschaffen aus Materialien, die sie etwa bei Spaziergängen gefunden hat: Sand, Blätter, Muscheln. „Diese Bilder sollen die Menschen sogar anfassen. Sie sind zum Sehen und zum Fühlen da. Auch die Sehenden sollen fühlen, die Bilder mit ihren Fingern erkunden” , betont die Merksteinerin.

Gerne hätte sie einen künstlerischen Beruf ergriffen. Doch das war ihr aufgrund ihrer Sehbehinderung verwehrt. Stattdessen wurde sie Säuglingspflegerin. „Ich bin in diesem Beruf auch voll und ganz aufgegangen”, erzählt Ingeburg Aigner. In der Zeit, als sie dann gar nichts sehen konnte, hat Ingeburg Aigner weiter gemalt. „Ich habe dann vorwiegend mit Wachs gemalt, denn den Wachs konnte ich auf der Leinwand fühlen.”

Mit Hilfe eines Vergrößerungsgerätes, dass die Buchseiten auf den Fernseher projiziert, kann Ingeburg Aigner noch ihrem zweiten Hobby neben der Malerei nachgehen. Zudem betreibt sie Thai Chi. Ihre positive Lebenseinstellung hat Ingeburg Aigner trotz ihrer Sehbehinderung nie verloren. „Positiv denken”, lautet ihr Leitspruch.
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