Würselen - „Schwarz Auf Weiß”: Ulla Schmidt ganz privat

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„Schwarz Auf Weiß”: Ulla Schmidt ganz privat

Von: ehg
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Vor historischer Kulisse: die
Vor historischer Kulisse: die Radrennfahrer fuhren mit hoher Renngeschwindigkeit durch Herzogenrath. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Zur 19. „Schwarz Auf Weiß”-Veranstaltung hat Hans-Peter Pütz von der Pfarre St. Marien „die allseits bekannte und geschätzte Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt aus der Kaiserstadt Aachen” im Pfarrheim begrüßt.

Wie groß ihre Popularität immer noch ist, dokumentierte sich in der Zahl der Besucher der von Ralf Pütz souverän moderierten Talk-Veranstaltung.

Keine Frage: Ulla Schmidt toppte in dieser Beziehung noch den Europaabgeordneten Martin Schulz und den Humoristen Jürgen Becker. Bevor sich der erste Gast aus der Bundespolitik den bisweilen auch recht persönlichen Fragen stellte, schüttelte sie erst einmal Hände von guten alten Bekannten, unter ihnen die Grande Dame des Öcher Karnevals, Gitta Haller, und ihre ehemalige Schulamtsdirektorin Marianne Schmitt-Degenhardt.

Zu Gast war auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Würselener Stadtrat, Stefan Mix. Sie alle erlebten, wie es Hans-Peter Pütz es ihnen gewünscht hatte, einen informativen und unterhaltsamen Abend. An ihm wurde vor allem der Mensch Ulla Schmidt in den Focus der Betrachtung gerückt. Dabei entpuppte sich der weibliche Interviewgast als ein „Zwilling” - in diesem Sternkreiszeichen ist er 1949 geboren - der über seinen eigenen Schatten springen kann. Der ganze Stolz sind ihre beiden Enkel: „Großmutter zu sein, ist noch schöner als Mutter zu sein.” Da sie in Berlin leben, könne sie ihnen während der Woche nahe sein.

Ulla Schmidt, die 1990 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt wurde, ist waschechte Aachenerin, was nicht nur an ihrem Slang auszumachen ist. Dort besuchte sie die Volksschule und wechselte nach der vierten Klasse zur Realschule und nach deren Abschluss zum Einhard-Gymnasium, wo sie ihr Abitur „baute”. Damals sei es noch nicht so selbstverständlich gewesen, dass Mädchen zur Höheren Schule gingen, erinnert sie sich. Bis zur Geburt ihrer Tochter studierte sie Psychologie bis zum Vorexamen, dann für das Lehramt an Hauptschulen. Nach dem Examen landete sie an der Schule für Lernbehinderte in Stolberg-Mausbach. Die Qualifikation als Sonderschullehrerin erwarb Ulla Schmidt, die 1983 in die SPD eintrat und von 1989 bis 1992 Ratsfrau in Aachen war, über ein Fernstudium in Hagen. „Mit einem guten Freund baute ich die Schule für Erziehungshilfe in Weisweiler auf.”

Rheinische Frohnatur

Was sie sonst noch auszeichne, wollte der Moderator wissen. Die Pädagogin: „Ich gehe gerne auf Menschen zu. Allen Menschen möchte ich die Chance geben, das Beste aus ihrem Leben zu machen.” Wenn es sein müsse, auch eine zweite, dritte und gar vierte Chance. Menschenfreundlichkeit steht dem Interviewgast ins Gesicht geschrieben.

Dass Ulla Schmidt über sich selbst lachen kann, daran ließ die rheinische Frohnatur auch an diesem Abend keine Zweifel aufkommen. Nach Hobbys gefragt, fällt ihr die Antwort nicht leicht. „Als ich noch Ministerin war, bin ich dreimal in der Woche jeden Morgen um sechs Uhr schwimmen gegangen, um den Kopf frei zu bekommen.”

Sie gehe auch gerne in die Oper. Aber: „Meine Enkelkinder könnten mein Hobby sein.” Urlaub mache sie dort, wo sie immer Urlaub gemacht habe, im Süden Spaniens.

Dann die Gretchenfrage: Die Sprecherin ihrer Fraktion im Ausschuss für Kultur und Medien gesteht offen, kein Kirchgänger zu sein. Dennoch glaube sie an den einen Gott. In der Jugend habe sie aktiv in der Pfarre St. Jakob in Aachen mitgearbeitet.

Die Fragen der Ethik beantworte sie „aus unserem christlichen Glauben” heraus. Nach dem Sinn des Lebens gefragt: „Man muss etwas daraus machen.” Schmidt räumt ein: „Ich habe vieles erleben dürfen, was ich mir als Kind so nicht erträumt hätte.” Das liege aber auch daran, dass sie sich auf vielen Ebene engagiert habe. „Wenn ich nichts tue, lasse ich zu, dass andere etwas tun, was mir nicht gefällt.” Wenn man eine Chance habe, müsse man sie ergreifen. „Als ich Ministerin wurde, hatte ich so viele Ahnung von Gesundheitspolitik wie jeder hier im Raum.” Zur Endzeitfrage: „Ich hoffe, dass ich in Würde sterben kann.” Sie werde alles tun, „dass wir zu besseren Lösungen finden”.

Die Frage, ob Politiker sich verbiegen müssen, konnte sich Ralf Pütz nicht verkneifen. Ulla Schmidt, die in Willy Brandt und John F. Kennedy zwei ihrer Vorbilder sieht: „Man muss Kompromisse eingehen, weil es sonst nicht weiter geht.”

Ein Problem sei „die allgegenwärtige Öffentlichkeit”. Wenn man nur ein falsches Wort, das einem nicht so gemeint gewesen ist, sage, werde man durch die ganze Welt gehetzt.

Schmidt brach eine Lanze für die Politiker: „Sie sind keine Übermenschen. Wer etwas tue, darf auch Fehler machen.” Manche Kabarettisten hätten vergessen, wo die Gürtellinie ist.

Für 2013 ließ die Bundestagsabgeordnete alle Optionen offen. Einen Traum möchte sie sich noch erfüllen: Afrika. „Dort ist das Land so weit!”
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