Schüler des Berufskollegs gestalten das „Expo-Mobil”

Von: Anja Klingbeil
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Hoffen auf viele Hinweise: Das Mobil, das die Schüler des Berufskollegs umgestaltet haben, soll Aufmerksamkeit schaffen. Foto: Anja Klingbeil

Alsdorf. Weiß rein, schwarz raus: So kennt das Ahmet Türkkan aus den Erzählungen seines Vaters und Großvaters. „Das war schon schwere körperliche Arbeit, die unter Tage geleistet werden musste.” Arbeit, die sich heute kaum einer mehr vorstellen.

Und auch dass einst die Grube der Mittelpunkt Alsdorfs war, daran kann sich der 18-Jährige nicht mehr erinnern. Nicht anders geht das seinen Mitschülern des Berufskollegs Alsdorfs. Auch sie kennen die „Kull” nur noch aus den Geschichten von Familienangehörigen.

„Mein Vater, mein Onkel und mein Opa haben alle im Bergbau gearbeitet”, sagt Sven Miller. Ein Besuch der Waschkaue auf dem Gelände des Energeticons gewährte den Schülern einen lebendigen Eindruck von den damaligen Arbeitsbedingungen.

Ein Experiment

Gemeinsam mit dem belgischen Künstler Paul Boutsen sowie Lehrern des Berufskollegs haben die Schüler eine rollende Ausstellung geschaffen, die in den kommenden Wochen in Alsdorf unterwegs sein wird.

Ein kleiner Lkw, der bis dato der niederländischen Theatertruppe „Het Vervolg” als mobile Bühne diente, wurde zum beweglichen Ausstellungsraum umfunktioniert. Das „Expo-Mobil” macht Station an zentralen Orten der Bergbaugeschichte in Alsdorf und in Stadtteilen ehemaliger Bergarbeitersiedlungen.

Das knallrote Gefährt wird mit Sicherheit für Aufmerksamkeit sorgen. Aufmerksamkeit, die sich vor allen Dingen Paul Boutsen wünscht, der mit der Ausstellung dazu beitragen will, dass die Bergbau-Geschichte nicht verloren geht: „Die Vergangenheit muss in Erinnerung bleiben. Dabei geht es besonders um die Menschen, die unter Tage gearbeitet haben. Sie haben die Geschichte mitgeschrieben.” Aus dem Fundus des Eschweiler Bergwerk Vereins (EBV) werden in dem Mobil historische Fotos gezeigt mit den Gesichtern von Menschen, die einst im Bergbau ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Gesichter sind schwarz vor Kohle. Und sie sind unbekannt. Es ist nicht überliefert, wer auf diesen Bildern zu sehen ist. Auch das soll mit der Ausstellung herausgefunden werden.

„Wer bist Du?”, fragt das Energeticon. „Bisher haben wir schon zwei Hinweise bekommen, wer das auf den Fotos sein könnte”, sagt Birgit Godehardt, Geschäftsführerin des Energeticon-Vereins. Im Inneren des Expo-Mobils hängen die Originalbilder.

Diese sind auf großen Stellwänden, deren Stahlrahmen auch die Schüler des Berufskollegs hergestellt haben, noch einmal großformatig aufgezogen. „Wir haben den Hintergrund mehr verschwimmen lassen, um die Personen auf den Fotos noch mehr ins Auge springen zu lassen.

Denn es geht schließlich um sie”, betont Paul Boutsen. Wenn es gelingt, herauszufinden, um wen es sich auf den Fotografien handelt, dann soll die Geschichte der Arbeiter dokumentiert und aufgeschrieben werden.

„Erst einmal bin ich gespannt, ob das mit dieser rollenden Ausstellung funktioniert. Das ist ein Experiment”, sagt Boutsen. Der Lkw bringt die Geschichte, das Museum, direkt zu den Menschen. Mitten in die Bergbausiedlungen.

„Ich denke, allein schon wegen der Farbe des Mobils wird bei den Leuten Aufmerksamkeit entstehen. Man kann in den Bus hineingehen, sich die Bilder ansehen. Das ist schon sehr interessant”, meint Berufskolleg-Schüler Dennis Breuer, der an den Stellwänden mitgearbeitet hat.

Im Inneren des Lkw befinden sich neben den aufgehängten Fotos im Übrigen nur noch ein Tisch und zwei Stühle. „Das ist natürlich auch als Symbol zu verstehen, dass wir gerne mit den Leuten ins Gespräch kommen wollen”, sagt Paul Boutsen, der auch selbst an einigen Standorten des Expo-Mobils mit vor Ort sein wird.
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