Schöffen sind das Bauchgefühl der Justiz

Von: Stefan Schaum
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Richter ohne Robe: Das Urteilsvermögen der Alsdorfer Hilfsschöffen Rosemarie Steiner und Manfred Ophoven ist bei manchem Gerichtstermin gefragt. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Manfred Ophoven hält viel auf seinen gesunden Menschenverstand. 64 Jahre ist er alt, ehemaliger Kfz-Elektrikermeister, heute Rentner. Kinder hat er erzogen, so manchen Lehrling hat er ausgebildet und auch als stellvertretender Prüfungsvorsitzender der Handwerkskammer Aachen begleitet. „Ich weiß ganz gut, wie Jugendliche ticken“, sagt er.

Seit vier Jahren hat er häufiger mit denen zu tun, die ausgetickt sind, die richtig großen Mist gebaut haben. Als Jugendschöffe durfte der Alsdorfer schon oft über Schuld oder Unschuld und ein angemessenes Strafmaß mitentschieden. Auch für die jetzt beginnende Schöffenwahl will er sich bewerben. Von seiner Sorte gibt es nicht mehr allzu viele.

Jeweils 27 Namen

Die Namen von 27 Frauen und von 27 Männer sollten bis zum 30. April auf der Vorschlagsliste der Alsdorfer Jugendamtsmitarbeiterin Rosemarie Steiner stehen. Davon ist sie noch weit entfernt. „Das kann wieder eng werden“, sagt sie, zumal sie mehr Kandidaten braucht, als für die vergangene Amtsperiode. Damals waren es je 20, die hat sie gerade so zusammenbekommen. Parteien, Vereine und Wohlfahrtsverbände wird sie auch jetzt wieder anschreiben und hoffen, dass sich genug Freiwillige melden. „Ich klappere hier im Rathaus zusätzlich meine Kollegen ab, das hat schon öfter geholfen“, sagt sie, die selbst als Hilfs-Jugendschöffin aktiv ist.

Eine knifflige Aufgabe

Sie weiß, dass ihre Aufgabe knifflig ist. Denn einfach nur vollmundig anpreisen kann sie das Amt nicht. „Man muss schon wissen, worauf man sich da einlässt. Das ist anspruchsvoll und kann richtig belastend sein.“ Schließlich entscheiden die Schöffen – je zwei pro Gerichtstermin – mit dem hauptamtlichen Richter gemeinsam. Ihr Wort hat Gewicht, kann Leben verändern, Schicksale bestimmen. „Der Richter hat das fundierte Wissen, wir vor allem die Lebenserfahrung“, sagt Manfred Ophoven. Ob man sagen kann, dass Schöffen das Bauchgefühl der Justiz sind? Er lacht. „Ja, das trifft es irgendwie.“

Mit Erwachsenen würde Ophoven weniger gern vor Gericht zu tun haben. Jugendschöffe will er auch in der Zeit von 2014 bis 2018 sein. „Die Jugend von heute hat es nötiger denn je, dass man ihr hilft“, sagt er. Zur Not vor Gericht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Es ist möglich, Straftäter auf den richtigen Weg zurückzubringen, davon ist er überzeugt. Sonst würde er es nicht machen. „Durch meine Urteilskraft will ich gerne dazu beitragen.“

<b><i>Ansprechpartner in den Nordkreis-Kommunen</b>

Für das Schöffenamt können sich Männer und Frauen ab 25 Jahren und bis 70 Jahre bewerben.

Über die Vorschlagslisten stimmt für Jugendschöffen der Jugendausschuss der Kommune ab, bei den Hauptschöffen ist es der Rat. Anschließend entscheidet sich der Schöffenwahlausschuss des Amtsgerichts für die Hälfte der Kandidaten.

In Alsdorf werden 92 Kandidaten für das Hauptschöffenamt benötigt. Informationen dazu gibt es unter Telefon 02404/50273, für die Jugendschöffen unter Telefon 02404/50412. In Herzogenrath informiert Norbert Latz Interessierte über das Jugendschöffenamt unter Telefon 02406/83507. Hier werden 56 Kandidaten benötigt. 48 sind es in Roda für die Hauptschöffen.

In Würselen liegen 36 Bewerbungen für Hauptschöffen vor, benötigt werden 76. Hierzu berät Melissa Aretz, Telefon 02405/67457. Für Jugendschöffen ist Petra Maubach Ansprechpartnerin, Telefon 02405/67354. Für benötige 44 Kandidaten sind 21 Vorschläge eingegangen.

In Baesweiler sammelt Simone Wetzel die Vorschläge. Für die Strafkammer werden acht Hauptschöffen und zwölf Hilfsschöffen benötigt, für das Schöffengericht vier Haupt- und fünf Hilfsschöffen. Infos gibt sie unter Telefon 02401/800208. Bewerbungen sollten bis Ende April vorliegen.</i>

www.schoeffen-nrw.de

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