Schnupperkurs Dudelsack: So wird richtig gespielt

Von: Elisa Zander
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Gefallen gefunden: Bert Lausch
Gefallen gefunden: Bert Lauscher, Hartmut Malecha und Daniel Lichotka üben gemeinsam das bekannte Lied „Amazing Grace”. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Ohrstöpsel? Die haben die Besucher sicher nicht erwartet. Werner Hoffrichter verteilt sie großzügig, während er nebenbei das Anblasrohr („Blowpipe”) eines Dudelsacks an dem zugehörigen Rückschlagventil befestigt. Sein blau-grün karierter Kilt schließt an die weißen, knielangen Wollsocken an, die in schwarzen Schuhen, den sogenannten „Ghillie Brogues” stecken.

Im rechten Strumpf trägt der Dudelsackspieler traditionell das „Sgian Dubh”, ein kleines Messer, welches heute aber nur noch rein dekorativen Charakter besitzt. Die Ärmel am blauen Hemd von Werner Hoffrichter sind hochgekrempelt, die Krawatte sitzt fest am Hals. „Die werden Sie gleich brauchen”, sagt Werner Hoffrichter mit einem Kopfnicken in Richtung Gehörschutz. Er wird Recht behalten, aber dazu später mehr.

Es war eine spontane Idee, die Daniel Lichotka, Geschäftsführer der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Herzogenrather CDU, vor einigen Wochen hatte. „Wenn man heute etwas bieten will, dann muss man sich schon etwas Außergewöhnliches überlegen.” Sein Einfall findet Anklang: Zehn Spielfreudige sind gekommen, um am Kurs „Dudelsackspielen für Anfänger” teilzunehmen. Weitaus mehr Interessenten hatte es gegeben, doch die Gruppe darf nicht zu groß sein, wenn das Ziel, nach drei Stunden eigenständig ein Lied auf dem Dudelsack spielen zu können, erreicht werden will.

Bevor es losgehen kann, trifft Werner Hoffrichter noch einige Vorbereitungen. Dazu gehört unter anderem, das Instrument „so einzustellen, dass man mit dem Druck, den man in der Lage ist zu blasen, auch musizieren kann”, erklärt der passionierte Dudelsackspieler. Seit 20 Jahren lehrt er den Zusammenhang zwischen Lungenkapazität und Musiktönen.

Den wollen auch Christa Frohn und Heike Schreiber lernen. Die beiden Freundinnen hatten aus dieser Zeitung vom Workshop erfahren und sich, frei nach dem Motto „Das muss man mal gemacht haben”, angemeldet. Christa Frohn hofft, durch ihr Flötenspiel-Wissen einen Vorteil zu haben. Eine Illusion, wie sich im Verlauf des Abends herausstellt. Denn: „Man hört den Ton nicht, wenn man pustet, sondern wenn man mit dem Arm auf den Luftsack Druck ausübt”, erklärt Werner Hoffrichter.

Und so pusten die Teilnehmer in den Luftsack. Drei kräftige Luftstöße braucht es, bis der Windsack voll ist. Das Instrument verlangt eine andere Koordination von Pusten, Drücken und Fingerfertigkeit, als die Flötistinnen unter den Teilnehmern es gewohnt sind. Das ist - zumindest am Anfang - noch ganz schön anstrengend und schwer. Und so werden die Wangen rot und die Augen weiten sich. Ausreden wie „Ich bin erkältet” zählen nicht.

Am Anfang bekommen einige nur ein leichtes Brummen aus dem Instrument. Aber Werner Hoffrichter ist zuversichtlich: „Man kommt ganz schnell zum Erfolg.” Es werden noch einige Trockenübungen auf der eigentlichen Flöte gemacht, bevor jeder seinen eigenen Dudelsack für diesen Abend bekommt. Spätestens jetzt ist es Zeit, die Ohrstöpsel auszupacken. Zehn Dudelsäcke auf einmal, aus denen mehr oder weniger gerade Töne herauskommen und die, aufgrund der teilweise noch mit Korken verschlossenen Bordunpfeifen („Drones”) und des fehlenden Luftdrucks noch nicht ganz so knackig klingen, lassen auch beim Verlassen des Raumes noch die Ohren klingen.

Also wird geübt. „Amazing Grace” wollen alle in knapp zwei Stunden gemeinsam auf den Dudelsäcken spielen können. „Das sieht einfacher aus, als es ist”, findet Daniel Lichotka. „Weiter pusten”, ruft Werner Hoffrichter von links. Hartmut Malecha, Vorsitzender der Herzogenrather MIT gelingt es mittlerweile, die Luft einzuteilen und die Töne sauber zu erzeugen. „Ich hatte mal eine Übungsflöte in der Hand”, erzählt er. „Aber das ist dann doch etwas anderes.” Einmal ist er bislang in Schottland gewesen, sein Interesse für die Kultur war geweckt. Aber einen Kilt tragen? Das muss nicht sein. „Traditionell”, so erklärt Werner Hoffrichter, „tragen die Spieler nichts unter ihrem Kilt. Aber man ist in der Handhabung frei und passt es den Situationen an.”

Für solche Spitzfindigkeiten haben die Schüler allerdings weder Blick noch Gehör. Das abschließende gemeinsame Spiel von „Amazing Grace” steht an. Alle setzen an und tatsächlich: Zumindest in Teilen klingt es harmonisch. Einige können bereits mehr umsetzen als andere. „Die Schwierigkeit ist, dass man das Lied auswendig spielen muss”, betont Werner Hoffrichter. Doch er sieht Land für seine Zöglinge, die sichtlich Spaß an dem haben, was sie machen.

Ob sie das noch einmal machen würden? „Vielleicht” ist der durchgängige Tenor. Nicht gerade professionell, aber eventuell und mit der ein oder anderen Zusatzstunde könnte daraus ein Hobby werden.
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