Schnitzeljagd mit Suchtfaktor

Von: Katrin Maiwald
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Moderne Schnitzeljagd: (v.l.) Henry Engel und Norbert Nelsen sind stolz - sie haben den Schatz im Carl-Alexander-Park gefunden. Foto: Katrin Maiwald

Baesweiler. Sie sind überall. Schätze, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Doch die meisten Menschen laufen einfach daran vorbei. Unwissend, dass ein weltweit verbreitetes Netzwerk vielerorts kleine Gegenstände hinterlegt. Wären die versteckten Dinge rote Punkte auf einer Weltkarte - sie wäre übersät mit ihnen. Mehr als vier Millionen Menschen jagen international an die 1,5 Millionen „Schätze”.

Auch Henry Engel und Norbert Nelsen sind auf der Suche nach einem Schatz. Sie sind leidenschaftliche „Geocacher”. Im Carl-Alexander Park liegt ein Zielobjekt versteckt. Ein GPS-Gerät zeigt ihnen an, wohin sie gehen müssen. Am Versteck angekommen, fangen sie an zu suchen, tasten unter Mülleimern und schauen in Gebüschen nach.

„Es ist aufregend, so nah dran zu sein. Außerdem muss man immer darauf achten, dass die Muggel einen nicht sehen”, sagt Engel. Muggel sind - in Anlehnung an die „Harry Potter”-Bücher - diejenigen, die nichts von der Existenz dieses Spiels wissen und es nicht unmittelbar nachvollziehen können, warum Menschen auf Bäume klettern oder Mülleimer abtasten.

Ohne Internet geht nichts

Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd. Kerngedanke: Irgendwo auf der Welt wird eine Dose versteckt, der so genannte Cache. Dieser ist gefüllt mit beliebigen kleinen Gegenständen sowie mit einem Notizbüchlein. Das Versteck wird dann in Form von Koordinaten im Internet veröffentlicht. Anhand dieser Koordinaten wird der Standort von Geocachern ausfindig gemacht.

Sie verwenden für die Jagd entweder Google-Maps oder - besser - ein satellitengestütztes Navigationssystem wie ein GPS-Gerät oder ein Handy mit GPS-Funktion. Im Internet sind weltweit alle aktiven Caches angezeigt. Wer den Cache findet, trägt sich in das Notizbuch ein, nimmt sich eine Kleinigkeit aus der Dose und fügt etwas Neues hinzu. Versteckt wird alles wieder an derselben Stelle.

Fragen und Denkaufgaben

Henry Engel und Norbert Nelsen finden ein Katzenauge fürs Fahrrad und einige Anstecker. Sie nehmen sich ein kleines Fahrrad als Anhänger raus und tun dafür ein Glücksschwein hinein. „Meistens findet man wertlose Dinge. Lebensmittel sollte man nicht hineintun oder alles, was für Kinder schädlich sein kann.”

Die Suche erweist sich jedoch nicht immer als leicht: Verschiedene „Cache-Typen” bestimmen den Schwierigkeitsgrad. Es gibt Rätselcaches, die vor Ort oder im Vorfeld eine Denkaufgabe beinhalten. Bei Multi-Caches führen die Koordinaten beispielsweise zu einem anderen Standort, der Hinweise auf die richtigen Daten verbirgt.

Besonders herausfordernd wird es bei Schätzen, die nur mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung gefunden werden können. „Ein Problem ist die GPS-Ungenauigkeit beim Geocaching. Das Versteck kann in einem Radius von sechs Metern liegen. In einem Wald ist das gar nicht so einfach”, sagt Engel.

Beim zweiten Cache, den die beiden suchen, müssen sie an der Settericher Burg Fragen beantworten, um die Koordinaten zu bekommen. Nach einigen Such- und Rechenaufgaben sowie misstrauischen Blicken von Muggeln findet sich ein Cache mit Figuren aus Überraschungseiern.

Was ist der Reiz an dem Spiel? Henry Engel fühlt sich vor allem in die Kindheit zurückversetzt: „Ich verbinde mit dem Geocaching drei Komponenten: Erstens bin ich EDV-Fan, zweitens bin ich gerne draußen in der Natur und drittens bin ich immer noch nicht erwachsen und spiele gerne.”

Von Familien mit Kindern über Rentner bis hin zu Abenteuerlustigen sind alle Altersgruppen vertreten. Für jeden gibt es einen passenden Schwierigkeitsgrad. Norbert Nelsen verbindet mit dem Spiel abenteuerliche Wochenenden: „Wenn ich meinem Sohn sage, dass wir wandern gehen, gibt es Protest. Wenn ich sage, dass wir Geocaching machen, ist er begeistert.”

Geocaching ist zu einem weltweiten Phänomen geworden: In Baesweiler, wo Henry Engel und Norbert Nelsen unterwegs sind, wimmelt es von Verstecken. Durch Geocaching sollen Menschen ihre Umwelt aufmerksamer wahrnehmen und einen schärferen Blick für die Dinge bekommen, an denen man sonst vorbei läuft.

Henry Engel ist Leiter der VHS Alsdorf und hat vor wenigen Monaten die Leidenschaft für Geocaching entdeckt. „Ich habe schon viele schöne Plätze gefunden, und man lernt auch oft etwas über die Geschichte des Ortes kennen. Das hat bei mir einen Suchtfaktor ausgelöst.” Mittlerweile hat der 59-Jährige 159 Caches aufgespürt. „Einen richtig tollen habe ich auf der Gurtisspitze in Österreich gefunden. In 1800 Metern Höhe.”
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