Herzogenrath - Schmolz+Bickenbach Guss: Betriebsrat spricht von „Hinhaltetaktik“

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Schmolz+Bickenbach Guss: Betriebsrat spricht von „Hinhaltetaktik“

Von: Beatrix Oprée
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Sehen sich einem „falschen Spiel“ ausgesetzt: Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Dreßen (r.) und seine Kollegen Heinz Adam und Dieter Jansen (v.l.) kämpfen für die Übernahme der Kohlscheider Gießerei durch einen Interessenten. Doch der derzeitige Geschäftsführer möchte schließen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Der Ausverkauf der Schmolz+Bickenbach Guss GmbH in Kohlscheid scheint begonnen. Gußformen werden bereits in andere Betriebe in der Region abgezogen. „Offenbar hat der neue geschäftsführende Gesellschafter Steffen Liebich die Kunden über die vom ihm beabsichtigte Schließung informiert“, mutmaßt Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Dreßen.

Und die reagieren mit der Sicherung ihres Eigentums. Die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter rufen nun zum Protestmarsch auf – und werden von Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch unterstützt. „Wir lassen uns nicht zum Narren halten“, sagt Dreßen kämpferisch.

Kaufinteressent stünde bereit

Sanierungstarifverträge für die beiden anderen Werke der Schmolz+Bickenbach Guss-Gruppe in Krefeld und Ennepetal seien mittlerweile unter Dach und Fach, vom Gesamtbetriebsrat abgesegnet, wie Dreßen darlegt.

Das Kohlscheider Werk mit seinen bis dato noch 52 Mitarbeitern soll hingegen abgewickelt werden, so sehen es die Pläne des Sanierers vor. Die wegrationalisierten Mitarbeiter aller drei Werke sollen für sechs Monate in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft übergehen, „geparkt“ werden, wie es der Betriebsrat beurteilt.

Dabei stehe nach wie vor ein potenter und branchenerfahrener Kaufinteressent für die Gießerei in Kohlscheid zur Übernahme bereit, wie Dreßen und seine Betriebsratskollegen, der stellvertretende Vorsitzende Dieter Jansen sowie Heinz Adam, betonen. Ins Spiel gebracht durch den Dürener Rechtsanwalt Jörg Zumbaum, der die Kohlscheider Gießerei schon einmal gerettet und als Geschäftsführer von 1997 bis 2001 geleitet hat, bis sie von der Schmolz+Bickenbach Guss GmbH übernommen wurde. Seit 6. Januar 2014 hat Steffen Liebich die Firmenleitung inne. „Wie ein Mann“ hat sich die Belegschaft zum Protest gegen dessen Schließungspläne formiert. Und das habe der Geschäftsführer auch bei der jüngst einberufenen Mitarbeiterversammlung erfahren müssen, die der Einführung der Qualifizierungsfirma dienen sollte. Rund 40 Mitarbeiter seien dabei gewesen, als die Beauftragte der Augsburger Projekt- und Transfergesellschaft das Portfolio ihres Unternehmens vorstellt habe. Als der Betriebsratschef bei der Aufzählung der bisher betreuten Firmen keine Gießerei entdecken konnte, habe er kurzerhand eingehakt und dem anwesenden Firmenchef klargemacht: „Herr Liebich, wir zeigen Ihnen, was wir von der ganzen Veranstaltung hier halten!“ Bis auf einen seien die versammelten Mitarbeiter daraufhin aufgestanden und hätten demonstrativ den Raum verlassen. Sehr zum Ärger des Firmenchefs, der den Betriebsratsvertretern daraufhin gedroht habe, die Belegschaft am 16. September einfach ohne Lohn nach Hause zu schicken, wie Dreßen, Jansen und Adam darlegen. „Unter Missachtung jeglicher Kündigungsfristen, was völlig rechtswidrig wäre. Auch das ist eines der Beispiele, wie der Herr Liebich versucht, uns unter Druck zu setzen. Das lassen wir aber nicht zu.“

Vorwürfe, die Steffen Liebich auf Anfrage unserer Zeitung mit Verweis auf einen „alternativlosen“ Restrukturierungsprozess der Schmolz+Bickenbach Guss GmbH entschieden zurückweist: „Gehen Sie davon aus, es handelt sich hier um einen ganz normalen Prozess.“ Im übrigen gebe es kein „Werk Kohlscheid“, sondern eine Guss GmbH mit drei Standorten. Und in den anderen beiden Werken würden weitaus mehr Menschen entlassen, als die Kohlscheider Belegschaft in Gänze zähle. Jedes einzelne Schicksal mache betroffen (siehe auch Box unten).

Brief an Insolvenzgericht

Die Kohlscheider Mitarbeitervertreter haben sich jetzt unmittelbar an das mit der Guss GmbH befasste Krefelder Insolvenzgericht gewandt. Sich „ab sofort mit allen Mitteln“ gegen ein „falsches Spiel der Geschäftsleitung“ zu wehren, die sie einer „Hinhaltetaktik“ bezüglich der Verhandlungen des Kaufinteressenten bezichtigen, haben sie der zuständigen Richterin in einem Brief unterbreitet. Denn der Kaufinteressent halte sein Angebot nur solange aufrecht, wie die Auftragsbücher gefüllt seien, Sanierer Liebich indessen sorge dafür, dass dies nicht mehr der Fall sei.

Zur Sanierung der Schmolz+Bickenbach Guss ist unter Sachwaltung des Düsseldorfer Rechtsanwalts Dr. Frank Kebekus ein so genanntes Schutzschirmverfahren eingeleitet worden, wie es der Gesetzgeber im März 2012 ins Insolvenzgesetz aufgenommen hat. Dieses Planverfahren stellt für Unternehmen eine Möglichkeit dar, in Eigenverantwortung einen Insolvenzplan auszuarbeiten und ist mit dem Vollstreckungsstopp eines vorläufigen Insolvenzverfahrens kombiniert.

Keinesfalls aber beraubt es die betroffenen Angestellten ihrer bisherigen Rechte. Diese sehen Betriebsrat und Belegschaft aber durch die vorliegenden Pläne beeinträchtigt, wie sie in einem ergänzenden Schreiben an die Richterin als Aufsichtsorgan darlegen. Sie weisen darauf hin, dass das derzeitige Planverfahren eine „massive Benachteiligung der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Ansprüche (Kündigungsfristen, Abfindungen, sozialer Besitzstand)“ bedeute. Zudem schreiben sie, dass eine Rettung des Kohlscheider Werks immer noch möglich sei, „wenn die Geschäftsführung dies will“. Dieser Rettungsanker müsse bei der Planung durch Geschäftsführung und Sachwalter mit berücksichtigt werden, „zumal diese Möglichkeit frühzeitig bekannt war“.

„Missbrauch des Planverfahrens“

Der Betriebsrat stellt unverhohlen fest: „Wir sind hier das Bauernopfer!“ Deswegen habe man Rechtsanwalt Zumbaum nun beauftragt, „endgültig unsere Interessen wahrzunehmen, damit er unser Störgefühl in die richtigen juristischen Bahnen lenkt“. Höchste Eile sei geboten.

Für Wolfgang Dreßen und seine Betriebsratskollegen ist klar: „Hier soll ein Schutzschirmverfahren in einer Form missbraucht werden, wie es der Gesetzgeber nicht vorgesehen hat!“ Um dies öffentlich zu machen, wird der Kampf um das Traditionswerk nun auf die Straße getragen. Infobox

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