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Sammlerin liebt starken Stoff

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Die tägliche Lektüre: Mehr als 250 Briefe hat Sabine Scheithauer bislang für ihr Buchprojekt bekommen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Es ist starker Stoff, den Sabine Scheithauer im Koffer hat. So hat eine Frau ihr geschrieben, die ihren Mann umgebracht haben will. „Ein paar Schlaftabletten ins Glas als er wieder mal besoffen in der Badewanne lag. Dann ein harter Schlag auf den Kopf und er ging unter. Das war´s.”

Die anonyme Schreiberin sei ebenfalls tot, einem Krebsleiden erlegen. Eine Freundin soll den Brief erst nach ihrem Tod abgeschickt haben. Es ist nur eine von vielen Geschichten, die die 35-Jährige in den vergangenen Monaten erreicht haben. Geschichten, aus denen sie bald ein Buch machen wird.

„Schweigeschluss” heißt das Projekt, das die Wardenerin seit gut einem Jahr ehrgeizig verfolgt. „Ich sammle Dinge, die Menschen vielleicht noch nie einem anderen anvertraut haben, die sie nicht aussprechen konnten.” Unter dem Deckmantel der Anonymität können sie sich solche Dinge nun von der Seele schreiben - auf dass die zweifache Mutter sie veröffentlicht und sie so gewissermaßen in der Welt sind. „Das kann doch einen therapeutischen Effekt haben”, sagt sie.

Gute Portion Neugier

Eine gute Portion Neugier steckt wohl ebenfalls hinter dem Vorhaben, in das Innerste wildfremder Menschen zu blicken. „Klar. Ich will wissen, was in den Köpfen der Leute steckt und nicht ausgesprochen wird.” Vieles davon kennt sie nun, denn sie hat nicht gerade wenige Zuschriften erhalten. Ein Homosexueller hat sich ihr gegenüber geoutet, ein Alkoholsüchtiger seinen Alltag mit der Sucht beschrieben.

Wahrheit oder Fantasie?

Es sind harte Geschichten. Traurige, verzweifelte, erschütternde. Auch immer wahre? Das weiß die Alsdorferin freilich nicht. Doch ob nun Wahrheit oder bloß übersprudelnde Fantasie - „so lange es sich jemand von der Seele schreibt, ist es doch gut”.

Gut 250 Briefe hat sie bereits, weitere erwartet sie und hat deshalb den Einsendeschluss verlängert. Doch nur 100 werden es in das Buch schaffen. Die besten, wenn man so will. „Es soll ja möglichst facettenreich sein.” Wie es ihr dabei wohl ergeht? Schließlich hat sie es nicht gerade mit leichter Kost zu tun. Es gehe ihr gut. „Es war jedenfalls noch nichts dabei, das mich denken ließ: Was ist das bloß für eine kranke Welt?”

Die persönlichen Geschichten sollten nicht länger als fünf DIN-A4-Seiten sein. Eine Altersangabe und der Vermerk, ob es sich um einen Schreiber oder eine Schreiberin handelt, sollten ebenfalls dazu gehören.

Bis zum 30. Juni können Texte eingesandt werden unter dem Stichwort „Schweigeschluss”, Postfach 2171, 52468 Alsdorf. Gut ein halbes Jahr später will Sabine Scheithauer ausgewählte Geschichten in einem Buch veröffentlichen.

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