Salimans Leidenszeit hat ein Ende

Von: Nina Krüsmann
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Glückliche Gesichter: (v.l.) Gertrud Vögeli (Friedensdorf Oberhausen),ÊDr. med. Markus Graf (MZ),ÊSalimanÊSaliman und Pfleger Matthias Hofmann. Foto: Nina Krüsmann

Würselen. „Für uns ist das wie ein Wunder, dass Saliman heute beinahe wieder ganz normal gehen kann”, freut sich Gertrud Vögeli, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Friedensdorf Oberhausen. Die erfolgreich verlaufene Operation des Sprunggelenkes hätte sie so nie für möglich gehalten.

Beim Friedensdorf handelt es sich um einen Verein, der sich seit 42 Jahren dafür einsetzt, dass ein- bis 14-jährige Kinder aus Kriegsgebieten, die in ihrer Heimat nicht ausreichend medizinisch versorgt werden, in deutschen Krankenhäusern operiert werden können. Transport und Behandlung ermöglicht der Verein durch Spenden beziehungsweise kostenfreie Kooperationen mit Ärzten.

Für den zwölfjährigen Saliman Saliman aus Afghanistan bedeutete die Hilfe des Friedensdorfes eine Chance auf ein neues Leben. Ein ganzes Jahr lang wurde er im Medizinischen Zentrum (MZ) Marienhöhe betreut. „2005 zog sich der Junge bei einem Sprengstoffunfall in Kabul einen Bruch des linken Unterschenkels und Knöchelbereichs zu, hinzu kamen starke Verbrennungen”, erklärt Dr. Markus Graf, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

Eine dreidimensionale Korrektur, die Verlängerung und Stabilisierung des Schienbeinknochens und die Rekonstruktion des Sprunggelenkes seien erforderlich gewesen. „Saliman war nach acht Vorbehandlungen gehunfähig, das Gelenk zu 90 Grad abgeklappt, Muskeln und Sehnen waren verkürzt”, sagt Graf. Nun sind die Originallänge und die vollständige Belastbarkeit wieder hergestellt. „Überall hat man den Jungen weggeschickt. Seit Jahren konnte er nur noch mit Krücken gehen. Als am Freitag die letzten Schrauben und Stangen entfernt wurden, waren wir alle überglücklich”, erzählt Vögeli.

„Für uns ist es Tradition, Kinder aus Kriegsgebieten im MZ zu behandeln. Saliman ist in diesem Jahr bereits das dritte und insgesamt das 15. Kind, das wir bei uns aufgenommen haben”, betont MZ-Verwaltungsdirektor Franz Klein, der stolz ist auf diese humanitäre Aufgabe.

„Mit gesponserten Orthopädieschuhen kann Saliman sich nun langsam daran gewöhnen, dass sein Bein wieder funktioniert und mit täglichem Training die Muskeln neu aufbauen”, sagt Graf. Vier Jahre lang sei das Bein wie „abgeschaltet” gewesen, nun müssten Vertrauen und Sicherheit zurückkehren. Über Weihnachten soll der Junge in einer Familie Gastfreundschaft erfahren, bevor es zu einer Reha-Maßnahme ins Friedensdorf nach Oberhausen und im Februar zurück in seine Heimat geht.

„Viele unserer ehemaligen kleinen Patienten haben einen Langzeitaufenthalt in Deutschland hinter sich und in dieser Zeit unsere Sprache gelernt”, erzählt Vögeli. Auch Saliman habe Deutsch gelernt. „Vielleicht nutzt er diese Fähigkeit und arbeitet später mal als Übersetzer”, hofft Vögeli. Den jungen Patienten zu zeigen, dass es eine Welt ohne Krieg gibt, in der man in Frieden miteinander leben kann, sei neben der medizinischen Versorgung die größte Aufgabe des Friedensdorfes.
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