Rüdiger Staron: 35 Jahre lang 150-prozentig im Einsatz

Von: Beatrix Oprée
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Der Technische Dezernent Rüdiger Staron hinterlässt viele markante Spuren in Herzogenrath. Am Mittwoch nimmt er Abschied. Foto: Beatrix Oprée
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So soll es aussehen: Das Umfeld der Herzogenrather Burg Rode im Zuge der Euregionale zur attraktiven Veranstaltungsfläche zu verwandeln, war eine Idee des Technischen Dezernenten Rüdiger Staron. Der dann eng mit dem Aachener Landschaftsarchitekten Professor Norbert Kloeters zusammenarbeitete. Die Betonbänke als grafische Landschaftsmarke gehören zum Konzept, zurzeit sind sie jedoch zur Seite geräumt ... Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. In seinem Büro geben sich Planer und Mitarbeiter die Klinke in die Hand. Wie immer. Einen Gang zurückschalten mit Blick auf den Vorruhestand? Fehlanzeige. „Stress ist normal“, sagt er. Heute aber hat Rüdiger Staron seinen Letzten, nach 35 Jahren im Dauereinsatz für die Stadt Herzogenrath. Zumindest als Technischer Dezernent verabschiedet er sich.

Denn noch überlegt er, die Geschäfte der Grundstücksentwicklung Herzogenrath GmbH (GEG/Gesellschafter Stadt Herzogenrath und Sparkasse Aachen) weiterzuführen. Und sich auch hier weiter hineinzuknien, 150-prozentig – oder vielleicht doch an die Gesundheit zu denken? Workaholic nennt man solche Leute. Sprich: Auch nach Feierabend hat Rüdiger Staron seinen Job selten losgelassen.

Extras wie eine NRW-weit erste Dienstvereinbarung über die Einführung von EDV in der Verwaltung oder die deutschlandweit erste digitalisierte Friedhofsdatenbank, die mit allen Friedhofsplänen verbunden war – noch auf MS DOS geschrieben – waren der Output. „Heute ist das Standard, wir hatten das damals schon“, erinnert er sich an seine Zeit als Leiter des städtischen Bauhofs. Entwickelt hat er damals auch ein anwenderfreundliches Kosten-/Leistungs-Rechnungsprogramm.

Erst Jahre später kamen ähnliche Produkte auf den Markt. Von Hause aus Baubetriebs-Ingenieur war das Tiefbauamt seine erste Station in Rodas Rathaus. Als stellvertretender Amtsleiter übernahm er zusätzlich die Wegebaukolonne – und nach sechs Jahren den kompletten Bauhof mit 86 Leuten. „Damals war es eigentlich nicht üblich, dass Ingenieure Bauhöfe leiten“, erzählt er. Sonderaufgaben kamen dazu, schon bald war Staron stellvertretender Technischer Dezernent.

Nach dem Weggang des Technischen Beigeordneten Miebach übernahm er die Vollendung des 3. TPH-Abschnitts, des Heizkraftwerks sowie die Sanierung des Laurweg-Areals – 10.000 Kubikmeter hochkontaminierter Boden. Noch heute erfüllt es ihn mit Genugtuung, die Entsorgung des belasteten Materials zu einem Zehntel der üblichen Kosten über die Bühne gebracht zu haben – als Bauschutt in einer Sondermülldeponie.

Zu Zeiten, als die Privatisierung städtischer Abteilungen en vogue, Rodas Bauhof als Anstalt öffentlichen Rechts diskutiert wurde und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft deutschlandweit 100 Bauämter und -höfe auf die pekuniäre Sinnhaftigkeit solcher Rechtsformänderungen hin untersuchte, reichten Staron und sein Team ganze sieben Ordner mit Unterlagen für das entsprechende Gutachten ein. Fazit der Wirtschaftsexperten: eine Privatisierung lohne nicht. Herzogenrath wagte stattdessen ein Pilotprojekt: die Zusammenlegung des Bauhofs mit dem Hoch- und Tiefbauamt zum Fachbereich 4 im selbst gebauten Verwaltungsgebäude an der Nordsternstraße.

An die sehr gute Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister Gerd Zimmermann, den er schon als Hauptamtsleiter kannte, erinnert Staron sich besonders gerne. Einen Zettel mit der Frage: „Warum können wir das nicht selbst?“, habe Zimmermann ihm einmal bei einer planerischen Besprechung verstohlen hinübergeschoben. Auf Postergröße kopiert hängt der damalige „Kassiber“ seither im Verwaltungsgebäude an der Nordsternstraße. Zur Maxime erhoben.

Eine weitere Devise Starons, der auch mal Personalratsvorsitzender war: „Als Vorgesetzter müssen Sie dafür sorgen, dass die Leute sich wohl fühlen.“ Er selbst habe immer gerne für die Stadt gearbeitet, sagt er mit breitem Lächeln. Selbst als die Politik ihn seinerzeit nicht zum Beigeordneten wählte. „Ich war einigen Roten zu schwarz und für die Grünen ein rotes Tuch. Einzig die FDP hat damals nicht den politischen Staron gesehen, sondern das Arbeitstier“, sagt das SPD-Mitglied. Die Folge des politischen Hin und Her um den Technischen Beigeordneten, den laut einstigem schwarz-grünen Kooperationsvertrag die Grünen bestimmen durften: Die Stelle blieb vakant, und Bürgermeister Zimmermann ernannte Rüdiger Staron zum Technischen Dezernenten.

Gerne erzählt Staron von unzähligen, letztlich aber erfolgreichen Verhandlungen, die Gewünschtes plötzlich möglich machen, etwa die langersehnte Markttangente in Kohlscheid. Zufrieden kann der computeraffine Verwaltungs-Ingenieur daher auf sein „Erbe“ blicken: etwa das Gewerbegebiet Merkstein-Süd, Dornkaul, die Sanierung und Beplanung des Vetrotex-Geländes – und die Neugestaltung des Außengeländes der Burg Rode im Zuge der Euregionale, auf die er stolz ist.

Doch nun fordert eine jahrzehntelange Raucherkarriere ihren Tribut, wie der 59-Jährige frank und frei zugibt. Nach vielen Versuchen hat er vor fünf Jahren zwar den Absprung geschafft, die Lunge macht dennoch nicht mehr mit, fordert die langsamere Gangart jetzt ein. Zum eigenen Bedauern musste er im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss gesundheitsbedingt fehlen, als die Bebauungsgebiete Kämpchenstraße, Ruifer Straße und Am Maar auf den Weg gebracht wurden ...

Von seinem niederländischen Heim aus wird Rüdiger Staron das Geschehen in Roda fest im Blick behalten, keine Frage. Ehefrau Ria („auch arbeitswütig“), Sohn David (34) und Tochter Rachel (31) sind Niederländer, Zweisprachigkeit gehörte stets zur Familienpolitik.

„Kein Mensch kann sich vorstellen, dass ich zu Hause bin – außer mir selbst“, lacht er. Seiner großen Leidenschaft will er sich fortan verstärkt widmen, der Musik samt Digitalisierung der gigantischen Plattensammlung (Klassik und Jazz) sowie der intensiven Lektüre von Fachzeitschriften jedweder Art, im Abo auf dem iPad („als User der ersten Stunde“). „Zu Hause mit Blick auf den Gartenteich – das ist doch wie im Paradies.“

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