Rückschritt für Barrierefreiheit im Zugverkehr

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
5560171.jpg
Fährt die RB 33 den Kohlscheidern davon? Parteiübergreifend setzen sich jetzt die Politiker für den Erhalt des Stopps der Regionalbahn auch nach dem Fahrplanwechsel am 9. Juni ein. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Zahlen wollten die Verantwortlichen hinter der Regionalbahn 33, kurz RB 33, der grünen Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius nicht auf den Tisch legen. Da zählten sie und ihre Mitarbeiter kurzerhand selbst, um einen Eindruck davon zu haben, wie viele Menschen täglich die Zugverbindungen vom Haltepunkt Kohlscheid aus nutzen.

 „Wir kamen bei einer Zählung Ende November 2012 an einem Mittwoch auf 1276 Fahrgäste“, berichtet sie, „das ist viel für einen Halt.“ Grünen-Ratsvertreter Dr. Bernd Fasel fordert sie die Bahn auf, endlich Zahlen auf den Tisch zu legen, damit über den geplanten Entfall des RB 33-Stopps in Kohlscheid zum anstehenden Fahrplanwechsel noch einmal diskutiert werden könne. „Der Bahnhof Kohlscheid hat für die Menschen hier eine zentrale Bedeutung“, ergänzt Dr. Fasel, „dass so ein bedeutender Punkt so beschnitten wird, kann nicht sein.“ Bedeutung trägt diese Zugverbindung an der Hauptstrecke Aachen-Mönchengladbach durch die Taktung und die barrierefreien Zugangsmöglichkeiten.

„Wer sich unsere Zählung einmal ansieht, bemerkt, dass durch die Taktung jeweils elf Minuten vor der vollen Stunde die RB 33 besonders beliebt ist“, unterstreicht Herlitzius. Dazu sei der barrierefreie Zugang dank der auf dieser Linie eingesetzten Züge immer gewährleistet, was besonders am Bahnhof Kohlscheid eine nicht zu unterschätzende Hürde für Menschen mit Behinderung darstelle. „Wir haben vor Jahren für den Erhalt des allgemeinen Bahnhalts in Kohlscheid gekämpft, und den Bahnhof für viel Geld barrierefrei umbauen lassen“, erinnert sich Fasel. Doch neben Tunnel und Rampen und stufenfreien Gleiszugängen sei nicht darauf geachtet worden, dass auch alle hier haltenden Züge durch technische Möglichkeiten einen barrierefreien Zugang ermöglichen. „Durch die von der RB 33 genutzten Züge ist nur dort ein durchgehend behindertengerechter Ein- und Ausstieg in Kohlscheid möglich“, weiß Fasel. Die sonst hier eingesetzten Züge der RB 20 böten diese Möglichkeit nicht, hier gebe es Stufen und eine gefährliche Lücke zwischen Bahnsteig und Wagen.

Über die Lücke, die sonst schon mal zwischen den Parteien besteht, springen auch Lokalpolitiker anderer Couleur und zeigen sich im Schulterschluss für den RB-33-Halt in Kohlscheid einmütig.

„Großer Nachteil für Pendler“

So auch Bundestagsabgeordneter Helmut Brandt und Landtagsabgeordneter Hendrik Schmitz (beide CDU), die sich in einer gemeinsamen Erklärung „besorgt über die jüngst bekannt gewordene Absicht der Deutschen Bahn“ zeigen, den Bahnhof Kohlscheid ab 9. Juni nicht mehr anzufahren. „Wir können nachvollziehen, dass der Wegfall dieses Haltepunktes insbesondere für Pendler einen großen Nachteil bedeutet“, sagen Brandt und Schmitz. Sie wollen den Dialog mit der Bahn und den zuständigen Verkehrsverbünden suchen, um eine Lösung für das Problem zu finden.

Die Herzogenrather „Gestaltungsmehrheit“ aus SPD, Grünen und Linke hatte schon am 26. März 2012 einen entsprechenden Antrag bei der Verwaltung gestellt, die RB 33 aufrecht zu erhalten. Darin wurde auch der wirtschaftliche Zusammenhang eines RB-33-Haltes und der Betriebe im TPH hergestellt. „In Kohlscheid sind in und um den TPH Unternehmen angesiedelt, deren Bedeutung und Arbeitnehmer-Einzugsbereich über den Aachener Raum hinaus geht“, machten die Antragsteller klar. Ein Punkt, auf den Bürgermeister Christoph von den Driesch beharrt: „Gerade vor dem Hintergrund, dass wir uns in der Stadt Herzogenrath zum Ziel gesetzt haben, auch weitere Verbindungsmöglichkeiten zu fördern, wäre das ein echter Rückschritt“, sagte er zu unserer Zeitung und kündigte Gegenwehr gegen die Bahnpläne an. Auch CDU-Fraktionschef Reimund Billmann äußerte im Verkehrsausschuss seinen Unmut über die Pläne der Bahn: „Wir sind es langsam leid, dass Kohlscheid verzichten muss!“

Eine Alternative, die Wiedereinführung des Regionalexpress 4 (RE 4), den Rot-Grün-Rot in ihrem Antrag ebenfalls gefordert hatten, ist aber auch nicht in Sicht. Wie der Nahverkehr Rheinland (NVR), in dessen Auftrag die Mitarbeiter und Fahrzeuge der DB Regio unterwegs sind und die für Planung, Betrieb und Finanzierung der in den Verkehrsverbünden Rhein-Sieg (VRS) und Aachener Verkehrsverbund (AVV) zuständig sind, schon am 15. August 2012 mitteilte, sei das Fahrgastaufkommen nicht so hoch, das der RE 4 gerechtfertigt sei. „Zumal mit jedem zusätzlichen Halt des RE 4 dieser seinen Charakter als schnelle Verbindung von Aachen in Richtung Düsseldorf verlöre...“

Bleibt die Forderung nach Zahlenmaterial – wohl das wichtigste Argument aller, die für den Erhalt der RB 33 in Kohlscheid zusammenstehen. „Wir wollen, dass hier die Karten auf den Tisch gelegt werden, denn es sind zu viele, die betroffen sind“, sagt Bettina Herlitzius.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert