Würselen - Risiko des Plötzlichen Kindstods soll gesenkt werden

Risiko des Plötzlichen Kindstods soll gesenkt werden

Von: Hanna Sturm
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Der neue Schlafsack kommt gut an: Der gerade einmal zwei Tage alte Ermin entspannt sich offensichtlich richtig gut darin, seiner Mutter Irma Sadikovic freut sich darüber. Foto: Hanna Sturm

Würselen. „Der Plötzliche Kindstod ist die häufigste Todesursache bei Kindern bis zum zweiten Lebensjahr”, sagte Hildegard Joch, Präsidentin des Vereins „Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Deutschland” (GEPS) und Landesbeauftragte der „Babyschlafsack-Kampagne an den Kliniken in NRW”.

Auch das Medizinische Zentrum (MZ) in Würselen nimmt an dieser Kampagne zur Prävention vom Plötzlichen Kindstod teil. Denn insgesamt sterben in Deutschland weniger Kinder bis zum ihrem 15. Lebensjahr an Krebs und Unfällen, als Kleinkinder am Plötzlichem Kindstod.

Obwohl die genauen Ursachen immer noch unbekannt sind, wurden in zahlreichen Studien verschiedene Faktoren entdeckt, die das Risiko deutlich erhöhen. Eltern und Ärzte können dieses Risiko so weit wie möglich senken, aber leider nicht völlig ausschließen. Einer dieser Indikatoren sei die Schlafsituation, betonte Gertrud Altenkamp, Stationsleiterin der Säuglingsstation im MZ-Betriebsteil Marienhöhe.

Schon seit Jahren klären sie und ihr Mitarbeiter frisch gebackene Eltern über die Gefahren des Plötzlichen Kindstods und über bekannt Risikofaktoren auf. Seit Beginn dieses Jahres geht man im MZ noch einen Schritt weiter. „Wir wollen die Eltern nicht nur theoretisch informieren, sondern ihnen auch ein praktisches Vorbild sein. Deshalb erhält jeder Säugling von uns einen Schlafsack als erstes Hilfsmittel zur Prävention”, erklärte Ion-Andrei Müller-Funogea, Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Die Schlafsäcke wurden sorgfältig von allen Beteiligten aus verschiedenen Modellen und Anbietern ausgesucht. Eine kleine Halsöffnung und möglichst kleine Armlöcher seien genauso wichtig wie ein strapazierfähiger Verschluss und eine gute Passform, betonte Hildegard Jorch. Nur mit einem genau passenden Schlafsack lasse sich das Risiko für einen Plötzlichen Kindstod deutlich senken.

Nicht zu warm einpacken

Zuerst wurde das Personal am MZ geschult, um die Eltern kompetent beraten und anleiten zu können. Bereits im November hatte eine große Schulung für 60 Hebammen und Kinderkrankenschwestern aus dem ganzen Kreis Aachen stattgefunden, in der die neuesten Erkenntnisse über Risikofaktoren und Präventivmaßnahmen vorgestellt wurden.

„Der klassische Fehler ist meist, dass Eltern die Kinder zum Schlafen zu warm mit Decken und Kleidung einpacken. Grundsätzlich sollen Säuglinge ohne Decke, Kuschelnest oder Kissen auf dem Rücken in einem rauchfreien Zimmer bei 16 bis 18 Grad schlafen”, rät Gertrud Altenkamp. In mehreren Studien ist erwiesen, dass Schlafen mit Decken und Kissen das Risiko drastisch erhöht, weil die Kinder während der Nacht darunter rutschen und so überwärmen.

Aber auch das Rauchen ist ein kritischer Punkt. Raucht der Vater etwa 15 bis 20 Zigaretten am Tag, verdoppelt sich durch das Passivrauchen des Säuglings die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Plötzlichen Kindstod stirbt. „Schon jede Zigarette weniger senkt das Risiko”, betonte Hildegard Jorch.
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