Alsdorf - Ringe erinnern nach 60 Jahren an toten Vater

Ringe erinnern nach 60 Jahren an toten Vater

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Spätes Andenken an den Gefallenen: Fred Alles spürt eine besondere Bindung zu dem Ring des Vaters. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die Vergangenheit ist in einem braunen Umschlag zu Fred Alles gekommen. Ganz plötzlich war sie da. Mit einem behördlichen Stempel auf dem Kuvert, von der Auskunftsstelle für Wehrmachtsnachweise in Berlin. „Nanu, wie seltsam”, hat der 67-jährige Alsdorfer da gedacht, „was können die bloß von mir wollen?”

Als er den Umschlag geöffnet und zwei Ringe in einem Plastikbeutelchen herausgefingert hatte, war er auch nicht schlauer. Bis er den beigefügten Brief der Behörde las, dessen Inhalt ihn erzittern ließ: Diese verwitterten Ringe sollen seinem Vater gehört haben! Einem Mann, den er nie kennengelernt hatte. Denn Alfred Alles war am 7. März 1943 kurz nach der Geburt seines Sohnes in Russland gefallen.

„Wahnsinn, oder?” Vorsichtig dreht der Sohn einen der Ringe zwischen den Fingern, beäugt ihn ganz genau, wie schon so oft seit diesem Tag vor ein paar Wochen. „Der hat 60 Jahre lang in der Erde gelegen und mich jetzt gefunden.”

Ans Tageslicht kamen die beiden Ringe, als der Friedhof, auf dem der Vater bestattet worden war, umgegraben wurde. Die Gebeine sind auf den Deutschen Soldatenfriedhof im russischen Sebesh verlegt worden, die Ringe gingen auf eine lange Reise. Obwohl er den Ring in seiner Hand nie zuvor gesehen hat, kennt er dessen Geschichte.

Seine mittlerweile verstorbene Mutter hatte sie ihm einst erzählt. „Das ist ein ganz dünnes Blechding, dass mein Vater selbst vielleicht aus irgendeiner Kanne hergestellt hat. Damit hat er meine Mutter während eines Heimaturlaubs geheiratet.”

Es ist nicht so, dass Fred Alles die Spur des Vaters je genau verfolgt hat. Ein paar Dinge wusste er zwar. Aus Erzählungen. Auch gibt es drei, vier Fotos, auf denen der Vater in Uniform und mit Kameraden posiert und dem Sohn verblüffend ähnlich sieht. Es gibt auch ein Foto, das sein Grab zeigt, irgendwo auf einem Soldatenfriedhof weit, weit weg im Osten. Ein Soldat hatte der Familie dieses Bild einst geschickt. Mehr gab es nicht, das an den Vater erinnerte. „Es war für mich irgendwann ganz normal, ohne Vater aufzuwachsen”, sagt Fred Alles, „in meiner Schulklasse waren ja sehr viele, die keinen mehr hatten.”

Die Gefühle sortieren

Was also bedeuten ihm nun die Ringe? Jetzt, nach all der Zeit? So genau kann Fred Alles das nicht sagen. Er hat seine Gefühle noch nicht so ganz wieder sortiert, seitdem sie durcheinander geraten sind. „Das ist auf jeden Fall ein besonderer ideeller Wert. Ein ganz besonderer.” Irgendwann einmal möchte er zumindest einen der beiden Ringe tragen, ihn vielleicht von einem Goldschmied ein wenig aufarbeiten lassen. Noch ist er nicht so weit. Doch angezogen hat er ihn bereits. Probeweise. Und er war erschrocken. „Der Ring passt mir haargenau. Es ist, als ob das alles genau so passieren musste.”
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