Rhenania: Straßenname erinnert an legendäre Zeiten des Vereins

Von: Karl Stüber
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„Am Rhenania Platz”: Wo eins
„Am Rhenania Platz”: Wo einst die Kicker des Alsdorfer Traditionsvereins die Gegner vom Platz fegten, legen jetzt Bauarbeiter Hand an, um Wohnhäuser zu errichten. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. „Namen sind Schall und Rauch”, heißt es im Volksmund, der sich auf Goethe beruft. Bei Goethe ging es um die sprichwörtliche Gretchenfrage. Die Dame Margarethe ließ besagter Goethe im Faust I. einen gewissen Heinrich fragen, wie es dieser denn mit der Religion halte. Der schoss Nebel, wollte sich nicht so recht festlegen: „Name ist Schall und Rauch.”

Wollte sagen, hat keine besondere Bedeutung, ist vergänglich. Gemessen an mancher Diskussion um die Bennung von Straßen heute wird nachträglich umso deutlicher, dass Namen eben nicht Schall und Rauch sind. Sie haben Bedeutung, sind geradezu bedeutungsschwer.

Stramme Waden und kurze Hosen

Unsere kleine Geschichte spielt in Alsdorf. Es geht zunächst „nur” um eine ebenso kleine Straße, eine Stichstraße. Bauunternehmer Franz-Josef Kochs will auf dem ehemaligen Fußballplatz des guten alten Traditionsvereins SV Rhenania Alsdorf 1910 Zug um Zug sieben Sechsfamilienhäuser mit insgesamt 42 Wohnungen errichten, 24 Miet- und 18 Eigentumswohnungen. Das wird allgemein als gut anerkannt. Der Wohnraum wird benötigt, außerdem ist das Terrain an der Franzstraße mittlerweile ein echter Schandfleck geworden. Nichts erinnert mehr an die glorreichen Zeiten, als Rhenania-Kicker mit Blut, Schweiß und Tränen in kurzen Hosen, aber mit strammen Waden wichtige Punkte erkämpften. Nun muss besagte kleine Stichstraße angelegt werden, um einen Teil der geplanten Wohnhäuser erschließen, sprich auch mit dem Auto erreichen zu können. Die baut und bezahlt der Unternehmer, eine Privatstraße also. Und da ist es nachvollziehbar, dass der auch Einfluss auf die Namensgebung haben möchte. „Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird”, weiß der Volksmund ebenfalls zu berichten. Und: Eine Straße will schließlich einen Namen haben, damit man weiß, wo man wohnt, der Briefträger einen findet und das Navigationsgerät des Besuchers erst recht Bescheid weiß. Dem Vernehmen nach sollte die Straße aus persönlichen Gründen eigentlich Gerta heißen. Letztlich wurde Gertrud draus. So steht es jedenfalls im Antrag der Bauunternehmung an die Stadt Alsdorf. Denn die ist für die Straßenbenennung zuständig.

Der mit dem Ansinnen befasste Ausschuss für Stadtentwicklung hatte aber plötzlich einen zweiten Antrag auf dem Tisch, unterzeichnet von Hans-Rainer Steinbusch, Vorsitzender der SPD Schaufenberg, und Manfred Rohr, ehemaliger CDU-Stadtverordneter. Die Zwei schlugen ergänzend vor, ein Teilstück der Franzstraße zwischen der Eschweiler Straße und der Gleiwitzer Straße „Am Rhenania Platz” zu benennen, um an den Traditionsverein zu erinnern.

Ein Zusatzschild, das Rohr aus eigener Tasche bezahlen will, soll Informationen über die Geschichte, den Platz und den Verein enthalten. „In der Siedlung Ost und in Schaufenberg habe ich für diesen Vorschlag geworben und 100-prozentige Zustimmung erfahren”, fügte Rohr in der Antragsbegründung hinzu.

Gemischte Mannschaft

Rohr griff in seiner Argumentation tief in die mit Erinnerungen gut gefüllte Kiste. Dorfkirmes, Integration („Wir waren die ersten, die eine gemischte Mannschaft aus Italienern und Spaniern” bildeten), Martinsfeier, Pfarrfest und anderes mehr.

Der Platz der Rhenania stand laut Rohr für Gemeinschaftssinn und -leben. Und es gab bleibende Eindrücke auch an Schienbeinen von Ratsmitgliedern. „Keiner blieb auf unserem Aschenplatz ohne Blessuren, weder wir noch unsere Gegenmannschaften!”, rief Rohr schmerzhaft in Erinnerung.

Dieser geballten Nostalgie konnten sich die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung nicht entziehen. Dem Zusatzantrag wurde entsprochen. So bleibt die Erinnerung an die Rhenania - per Straßenzug. Goethe hätte die Stirne gerunzelt - und dann gelächelt.
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