Würselen - Rentner vermitteln Begeisterung für das Handwerk

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Rentner vermitteln Begeisterung für das Handwerk

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Senioren begeistern Jugendliche für das handwerk. Foto: Bubel

Würselen. Die Kinder der Kita St. Sebastian sind begeistert. Kurz entschlossen waren sie mit ihrer Erzieherin Claudia Pütz zum Tag der offenen Tür gekommen, und jetzt stehen sie mit Peter Ortmanns, der sie in die Kunst der Laubsägearbeiten einweist, an der Werkbank.

Besuch aus dem Kindergarten haben die rüstigen Rentner der Seniorenwerkstatt Würselen häufig im Keller des ehemaligen Schwesternwohnheims am Mauerfeldchen 29 - und das auch äußerst gerne: „Es ist sehr schön, die Begeisterung für das Werkeln in den Augen der Kinder zu lesen”, sagt Ortmanns. Die jungen Gäste sind eingeladen, mitzumachen beim Sägen, Hämmern und Kleben. Und die Resultate, die mit eigenen Händen gefertigten kleinen Holzarbeiten, erfüllen die Kinder mit Stolz - erst recht, wenn sie diese mit nach Hause nehmen und Mama, Papa und den Großeltern präsentieren können.

Der 72-jährige Tischlermeister Peter Ortmanns ist Vorsitzender und Mitbegründer der Seniorenwerkstatt, die vor elf Jahren ins Leben gerufen wurde und seitdem allerlei Kunstvolles, aber auch Praktisches - vornehmlich aus Holz - produziert und im Sinne des guten Zweckes verkauft.

Klettergerüst mit Wasserlauf

„Der Erlös”, sagt der Vorsitzende, „wird in Material und Werkzeug, aber hauptsächlich in Projekte investiert, vornehmlich für die Kindergärten.”

So konnte die Seniorenwerkstatt beispielsweise einem Kindergarten ein Klettergerüst mit Wasserlauf spendieren, „Bau und Aufbau inklusive”, sagt Peter Offermanns.

Ihm zur Seite stehen in Würselen derzeit zehn weitere Ruheständler im Alter von 60 bis 83 Jahren, die keineswegs alle handwerklich „vorbelastet” sind.

„Ich habe einen kaufmännischen Beruf erlernt, war Abteilungsleiter in einer Versicherungsgesellschaft”, erzählt Heribert Reuters. Einfach mal ausprobieren, ob er handwerkliches Geschick habe, war seine Intention, in der Werkstatt vorbei zu schauen. Und siehe da: Er hatte durchaus Talent. „Jeder kann bei uns mitmachen. Durchs Machen lernt manÔs”, sagt Tischlermeister Ortmanns, der übrigens selbst nie in seinem eigentlichen Beruf als Tischler gearbeitet hat. „Das habe ich mir fürs Rentenalter aufbewahrt”, schmunzelt Ortmanns, der mit Tischlerbedarf und -werkzeug sein Geld verdient hatte.

Ganz anders als Josef Göbbels: Der Modellschreiner bringt seine Berufserfahrung in die Werkstatt ein. Und das nicht zu knapp, schließlich verfügt er neben dem handwerklichen Geschick auch über künstlerisches Verständnis. So ist etwa die knapp einen Meter große Barbarastatue in der Kirche St. Balbina in Morsbach aus seinen Händen entstanden.

So hoch hinaus oder tief in die Materie geht es am Mauerfeldchen nicht zu, aber was die Senioren für den guten Zweck erschaffen, kann sich wahrlich sehen lassen: Holzspielzeug, Nistkästen, Dekorationen für Haus und Garten... Ihre Erzeugnisse verkaufen die Männer auf Pfarrfesten oder dem Stadtfest. Dort „gewinnen” sie auch häufig neue Mitglieder.

Neben dem Motiv, etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun, treibt die Senioren ein weiteres Motiv, sich einmal wöchentlich zum kreativen Werken zusammen zu finden: „Das Gesellschaftliche kommt neben dem sozialen Aspekt bei uns nicht zu kurz”, verrät Heribert Reuters.

Ein Beispiel dafür ist, dass Bürgermeister Werner Breuer ganz inoffiziell zum Tag der offenen Tür erscheint - und zwar mit einem in der Würselener Partnerstadt Hildburghausen gebrannten Birnenschnaps. Gläser - auch wenn sie nicht aus Holz sind - sind in einem solchen Fall schnell zur Hand...

Die Kinder von St. Sebastian sitzen derweil bereits zusammen mit dem Besuch aus der Baesweiler Seniorenwerkstatt, der sich ebenfalls mit ihrem Vorsitzenden Günter Waschbüsch eingefunden hat, essen Kekse und erholen sich mit Holzspielzeug vom „Arbeiten”.
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