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Reinigung: Arbeit, die sich kaum lohnt

Von: Holger Bubel
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Reinigungskraft im Einsatz: Au
Reinigungskraft im Einsatz: Auf wessen Kosten gehen die Kosteneinsparungen beim Wischen der Flure und Ausleeren der Mülleimer? Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo gespart wird, purzeln die Löhne. So geschieht es auch in der Pleite-Kommune Alsdorf, die sich bekanntlich im unangenehmen Bewusstsein befindet, die städtischen Belange im Range einer Nothaushaltskommune regeln zu müssen.

Das bekommen auch diejenigen zu spüren, die für Alsdorf arbeiten. Zu viel Geld gab die Stadt für die Gebäudereiniger aus, monierte etwa nach einer Untersuchung dieser Kosten die Gemeindeprüfungsanstalt NRW und forderte die Stadtväter auf, dort das Sparschwein aufzustellen, auf dass es sich durch Einsparungen ordentlich fülle.

„Wir mussten die Aufträge für die Reinigung öffentlicher Gebäude in städtischem Besitz neu ausschreiben. Und das europaweit”, erklärt Stephan Spaltner, Schuldezernent und gleichzeitig Geschäftsführer der IGA GmbH (Industrie- und Gewerbepark Alsdorf), die im städtischen Auftrag das Auschreibungsverfahren auf den Weg gebracht hatte. „Dabei haben wir großen Wert darauf gelegt, dass das zukünftig beauftragte Unternehmen seine Mitarbeiter in einem sozialverträglichen Kontext beschäftigt”, erklärt Spaltner. Vor diesem Hintergrund seien während des Ausschreibungsverfahrens einige Bewerber ausgeschlossen worden.

Seit dem 1. Mai sind nun drei neue Firmen für saubere Flure und Zimmer in städtischem Besitz beziehungsweise Trägerschaft zuständig. Die Firma, die das 20 Jahre lang erledigt hatte, war aus dem Rennen. Über 100 Mitarbeiter mussten aus wirtschaftlichen Gründen - ein „fetter Auftrag” war dahin - entlassen werden. Immerhin: Abfindungen in unterschiedlicher Höhe wurden zugesagt, auf dem letzten Gehaltsstreifen sollen sie zu finden sein. „Eine Übernahmebedingung ist in einem Auschreibungsverfahren nicht zulässig, doch wir haben der Firma signalisiert, dass wir dies sehr begrüßen würden”, betont Spaltner.

Gertrud Kempf ist eine der ausgeschiedenen Damen, eine Weiterbeschäftigung beim neuen Dienstleister aus dem Gebäudereinigungsgewerbe wäre möglich gewesen, schließlich ist die Hoengenerin noch nicht im Rentenalter. Doch: „Die Konditionen in der neuen Firma wären so schlecht gewesen, dass sich das einfach nicht mehr gelohnt hätte”, sagt sie. Bei der Vorgängerfirma sei sie auf „400-Euro-Basis” beschäftigt gewesen, zum Mindesttariflohn von 8,55 Euro, was das neue Unternehmen auch zahle - allerdings als sozialversicherungspflichtige Anstellung, mit allen Abgaben und voll versteuert. „Das ist dann ein Hungerlohn, der am Ende rauskommt.” So sahen das wohl auch die meisten ihrer ehemaligen Kolleginnen. Aus ihrer Kolonne, die für die Reinheit an der Grundschule Poststraße Sorge trug, ist nach ihrem Kenntnisstand jedenfalls keine zum neuen Unternehmen gewechselt. Ein weiterer Umstand schreckte wohl ab: „Vor dem 1. Mai haben vier Damen täglich zwei Stunden sauber gemacht, plus eine Kollegin für das Lehrschwimmbecken. Jetzt müssen zwei Frauen täglich drei Stunden reinigen.” Gleicher Aufwand bei weniger Zeit, denn täglich werden auf diese Weise zwei Stunden eingespart, wohlgemerkt bei gleichem Pensum und weniger „Man-Power”.

Stundenzahlen nicht verändert

„Diese sehr fragwürdige Art, Kosten beim Personal zu sparen, beobachten wir sehr genau”, heißt es von der IGBAU (Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt) in Aachen. Zwar hielten sich die meisten Firmen an den gesetzlichen Mindestlohn von 8,55 Euro, doch gingen Stundenreduzierung bei gleichen Anforderungen auf die Kappe der Arbeitnehmer. Allerdings sind der IGBAU (noch) die Hände gebunden: „Die Konditionen werden durch Verträge zwischen der Kommune und der Reinigungsfirma geregelt. Solange sich beide an die gesetzlichen Vorgaben halten, kann man im Nachhinein nichts daran ändern”, sagt IGBAU-Organisationssekretär Güngar Öezkul, der im Bereich Gebäudereinigung „zu Hause” ist.

Das ist auch Jörg Bastian, Geschäftsführer der SI Consult GmbH, der am Ausschreibunsgsverfahren der Stadt Alsdorf maßgeblich beratend beteiligt war. Er hat fachlich eingeschätzt, was leistbar ist. „Die Stundenzahlen für die Objekte haben sich eigentlich nicht verändert. Aber”, räumt Jörg Bastian ein, „es ist natürlich ein physischer Unterschied, ob man zwei oder drei Stunden täglich reinigt. Putzen ist eine sehr anstrengende Angelegenheit.” Ein Hausmeister einer städtischen Schule in Alsdorf wird deutlicher: „Wenn die Damen nach getaner Arbeit nach Hause gehen, gehen sie auf dem Zahnfleisch.”

Jörg Bastian ist derzeit unterwegs an den Schulen, spricht mit Reinigungskräften, Schulleitungen und Hausmeistern. „Wenn hier und da noch nachjustiert werden muss, werde ich das auch weitermelden”, sagt er.
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