Rauchfreie Kneipe: Hausverbot für die Landesregierung

Von: Holger Bubel
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Personae non gratae: Während die Gäste um Wirt Carlos Pinillos (2.v.l.) nur zum Rauchen auf die Straße gehen, sagen aufgehängte Plakate, dass Landespolitiker der Parteien Die Grünen und der SPD grundsätzlich draußen bleiben müssen. Bei „Carlos“ haben sie Hausverbot. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Seit gut zwei Wochen ist es rechtskräftig, das von der rot-grünen Landesregierung durchgebrachte verschärfte Nichtraucherschutz-Gesetz, das ein Rauchverbot in Gaststätten, Restaurants, Festzelten und vielen weiteren Orten mehr, an denen die Menschen zusammenkommen, beinhaltet. Und die Raucherseele schreit auf bei dieser Anordnung.

„Mit dieser Diskriminierung stirbt die Ortskultur. Die Kneipe ist der Platz, an dem sich die Seele einer Dorfgemeinschaft widerspiegelt. Die Kneipen werden sterben und die Vereine auch“, ist Manfred Rohr, der viele Jahre Mitglied im Alsdorfer Stadtrat und im Rat des Kreises Aachen für die CDU politisch aktiv war, empört.

20 Prozent weniger Gäste

Dass dieser prognostizierte Trend sich durchaus bereits abzeichnet, bestätigt Carlos Pinillos, der seit fünf Jahren die Gaststätte „Bei Carlos“ in Alsdorf betreibt. „Es ist für jeden Wirt ohnehin schwer genug, eine Stammkundschaft aufzubauen und zu halten. Knapp 20 Prozent meiner Gäste kommen aber seit dem 1. Mai nicht mehr. Sie wollen zum Bier rauchen“, sagt er und kündigt an: „Wenn das so weitergeht, mache ich den Laden spätestens zum Jahresende dicht.“ Er spüre bereits jetzt, dass er nicht durchhalten werde, die Folgen belasteten ihn, nicht nur finanziell, auch psychisch „Es spukt in meinem Kopf herum, dass ich Leute entlassen muss und die Tür für immer schließe.“

Sorgen macht sich auch Achim Roeser. „Ich bin als selbstständiger Kältebautechniker abhängig von der Gastronomie. Wenn die Gäste ausbleiben, die Kneipen schließen, verliere auch ich meine Kunden.“

Auch der kommende Alsdorfer Karnevalsprinz Frank Breuer (Nichtraucher) denkt mit Grausen an die Folgen des Gesetzes für die kommende närrische Session: „Wenn der Sitzungskarneval rauchfrei ist, schlägt sich das auf die Besucherzahlen nieder. Und als Prinz mit Gefolge in halbvolle Säle oder leere Kneipen einzumarschieren, das ist auch nicht sonderlich spaßig“, befürchtet er.

Entspannter sehen die Folgen des neuen Gesetzes die Leiter der Ordnungsämter im Nordkreis. Zwar haben diese bislang auf Kontrollgänge durch die Gaststätten verzichtet, und auch Drittanzeigen hat es in allen vier Kommunen noch nicht gegeben, doch sind die Verwaltungen aufgestellt, um konsequent auf die Einhaltung der Vorschriften zu achten. „Aber ich glaube, dass sich das alles ganz unproblematisch einspielen wird“, ist Ordnungsamtsleiter Jürgen Venohr aus Herzogenrath für die Zukunft rauchfreier Gastronomiebetriebe zuversichtlich. So auch Piere Froesch, Ordnungsamtsleiter aus Baesweiler: „Wenn ich durch die Stadt fahre, sehe ich die Raucher vor den Gaststätten. Ich habe den Eindruck dass bei Wirten und Gästen die Einsicht vorhanden ist.“

Einsicht ja, Durchblick nein. Denn alle Ordnungsämter vermelden gerade zu Beginn des Monats viele Rückfragen seitens der Gastronomen. „In einem Punkt herrscht große Irritation“, sagt Bernd Schaffrath, Sprecher der Stadt Würselen. Und zwar bei den sogenannten „Geschlossenen Gesellschaften“. Eine Weihnachtsfeier, bei der nur Betriebsangehörige zugegen sind, andere Gäste jedoch ausschließt, ist eine solche Gesellschaft, ein offenes Skatturnier etwa allerdings nicht, klärt Schaffrath auf.

Während es in der Städteregion eine einheitliche Regelung bei der Bußgeldvergabe gibt, ist der Umgang mit potenzieller Lärmbelästigung durch rauchende Kneipengäste vor den Gaststätten noch nicht geklärt. Mit solchen Störungen für Anwohner rechnet nämlich nicht nur Jürgen Venohr: „Das ist etwas kompliziert. Aber als Konzessionär hat in der Regel der Wirt auch ein Auge darauf zu werfen, was vor seiner Gaststätte geschieht.“

In Alsdorf wollen die Mitarbeiter von Ordnungsamtsleiter Jürgen Kochs dazu beraten satt strafen: „Vor Ort zeigen wir den Wirten gerne auf, was möglich ist und was nicht, damit die Gäste außerhalb der Gaststätte ohne Störung der Anwohner rauchen können.“ Carlos Pinillos wird schwerlich zu helfen sein. Er hat seine kleine Kneipe direkt an der vielbefahrenen Luisenstraße, in dichter Bebauung. „Jetzt im Sommer kann man noch draußen sitzen und den vorbeifahrenden Autos nachschauen. Aber im Winter wird dazu keiner Lust haben und zu Hause bleiben“, sieht er Schwarz für seine Bierkneipe. Apropos draußen: Die NRW-Landespolitiker von SPD und den Grünen kommen erst gar nicht herein in die Gaststätte. Als personae non gratae haben diese Hausverbot bei Carlos Pinillos. Auf Plakaten macht der Wirt dies deutlich.

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