Alsdorf - Rasante Sprints und Kombinationen

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Rasante Sprints und Kombinationen

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
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Hoch fliegt der Ball und tief spielen die Sportler der Behindertengemeinschaft.

Alsdorf. „Sitzball hat nichts mit Sitzen auf dem Ball zu tun. Sitzball heißt auch nicht, dass man während des Spiels viel sitzt”, erklärt Jürgen Müller von der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Alsdorf.

Bei den Endrundspielen der Oberliga im Sitzball kann man sich am vergangenen Samstag in der Gustav-Heinemann-Gesamtschule ein Bild von dieser überaus spannenden und temporeichen Sportart machen.

Zum ersten Mal überhaupt in ihrer 50-jährigen Geschichte veranstaltet die BSG Alsdorf ein Endrundenturnier der Oberliga Nordrhein-Westfalens. Es ist das letzte der drei Turniere in dieser Saison. „In unserem Jubiläumsjahr ist das natürlich ein ganz besonderes Highlight, das uns sehr stolz macht”, freut sich Müller.

„Sitzball ist eine Sportart, die Anfang der 50er Jahre von und für Behinderte konzipiert wurde. Zielgruppe waren damals die kriegsversehrten”, erklärt Hubert Bürschgens, der erste Vorsitzende der BSG. Sein Verein habe deshalb in den Anfängen auch Versehrtensportgemeinschaft (VSG) geheißen. Seit ab dem Jahr 1978 immer mehr „zivile Behinderte” beitraten, wurde der Name in BSG geändert.

Zurück zum Endrundenturnier: Zwölf Mannschaften sind in der nordrhein-westfälischen Oberliga im Sitzball. Elf sind in Alsdorf angetreten, unter anderem zwei Teams aus Gelsenkirchen und eine Mannschaft aus Lippstadt. Letztere legt sich im Spiel gegen Alsdorf so richtig ins Zeug.

Mit rasanten Sprints, schnellen Kombinationen und Zweikämpfen versuchen die beiden gegnerischen Teams, Punkte zu sammeln. Da kommen die Spieler ganz schön ins Schwitzen und auch bei den Zuschauern steigt die Spannung.

„Schade, dass wir nicht mehr interessierte Besucher haben, meist kommen nur Angehörige und Freunde zu den Spielen”, beklagt Müller, der die Sportart gerne populärer machen würde. „Das wäre verdient, denn wir haben viel zu bieten und betreiben richtigen Leistungssport.”

Wer die Sportler in ihren gepolsterten Hosen über das Spielfeld und darüber hinaus rutschen, springen und fliegen sieht, muss mit großem Erstaunen zugeben, dass die Bezeichnung „Sitzball” ziemlich trügerisch ist. Es handelt sich beileibe nicht um einen geruhsamen Sport. Im Prinzip unterscheidet sich Sitzball nicht wesentlich vom üblichen Hallenfußball. Größter Unterschied ist, dass sich die Feldspieler nur in einer sitzenden Haltung am Boden rutschend fortbewegen dürfen. Dadurch ist Sitzball natürlich besonders für Beinamputierte geeignet. „Es können aber auch Leute mit jeglichen anderen Behinderungen mitmachen. Das Alter spielt keine Rolle, genau wie auch Frauen jederzeit willkommen sind”, betont Bürschgens.

Fünf Spieler gibt es pro Mannschaft, die reguläre Spielzeit besteht aus zwei Halbzeiten von je sieben Minuten Dauer. Gespielt wird mit einem Volleyball. Bein- oder Armprothesen, Stützapparate oder ähnliches dürfen während des Spiels nicht getragen werden.

„Sport ist mein Leben”, sagt der 66-jährige Bürschgens, der seit knapp 50 Jahren bei der BSG ist. Von seiner Kindheit an war er begeisterter Handballer. Bei einem Arbeitsunfall geriet er unter einen Zug und verlor beide Unterschenkel.

In den 70er Jahren trat er dann der VSG Alsdorf bei. Parallel dazu begann er mit dem Kugelstoßen, Speerwerfen und Diskuswerfen, wurde unzählige Male Deutscher Meister und Europameister. Dreimal war er ab 1984 bei den Paralympics und holte vielfach Gold, Silber oder Bronze.

„Für uns ist das hier ein ganz normaler Sport, der uns großen Spaß bringt und uns fit hält”, sagt Bürschgens, der in der BSG eine sportliche Heimat gefunden hat.

„Unser Verein zeigt, dass eine Behinderung kein Handicap sein muss”, betont Müller. In der Gemeinschaft der BSG fühle man sich schnell wohl und könne ganz normal Sport treiben. Ziel sei natürlich auch die Erhaltung und Steigerung der verbliebenen körperlichen Leistungsfähigkeit.

Das Turnierergebnis ist da eher zweitrangig: Alsdorf belegte am Ende den zehnten Platz. Rheinhausen/Moers und Paderborn steigen als Erstplatzierte in die Landesliga auf. Für die neue Saison wünscht sich die BSG Verstärkung.

Neue Mitspieler sind jederzeit willkommen. „Leider hat unsere 15-köpfige Mannschaft mit einem Altersschnitt von 68 Jahren zu wenig Nachwuchs. Das wollen wir gerne ändern”, sagt Geschäftsführer Heinz Mareck. Trainiert wird immer einmal pro Woche dienstags.
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