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Qualmfrei das Bier genießen

Von: Holger Bubel
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Verschwinden aus der Kneipe: Wirt Harald Porta entsorgt die Aschenbecher, die er jetzt nicht mehr braucht. Er hofft, dass sich die Stammgäste auch ohne Rauch weiterhin bei ihm wohl fühlen. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Am Mittwoch wird es greifen und soll mit Nachdruck umgesetzt werden: Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz, das es den Rauchern untersagt, in Gaststätten, Restaurants oder bei öffentlichen Veranstaltungen wie etwa in Festezelten zum Glimmstengel zu greifen.

Keine Nischen, keine Ausnahmeregeln soll es in NRW mehr geben, auch die bislang so findigen Wirte müssen sich dem Gesetz beugen, dürfen keine Raucherräume oder -lounges in ihren Etablissements anbieten, Raucherclubs gehören nun der Vergangenheit an. Wer gegen den Regierungswillen verstößt, kann bestraft werden – mit einem Ordnungsgeld, das bis zu 2500 Euro hoch sein kann.

„Warten wir mal ab, was dieser Zirkus bringt“, sagt Erhard Lippek, Inhaber und Wirt der gleichnamigen Gaststätte mit Restaurantbetrieb in Alsdorf-Ost. Er hatte bislang einen hinteren Bereich seines Lokals abgeschottet, wohlgemerkt: für die Nichtraucher unter seinen Gästen. Vorne, im Schankraum, durfte beim Bier an der Theke oder an den Tischen gequalmt werden. „Das Thekengeschäft läuft ohnehin schlecht. Wenn jetzt dieses strikte Rauchverbot kommt, bleibt abzuwarten, wie das weitergeht“, sagt Lippek, der seine Gaststätte seit Jahrzehnten betreibt. Er setzt künftig wohl mehr auf den Restaurantbetrieb.

Neue gastronomische Geschäftsfelder erschließen will Harald Porta, Wirt der Gaststätte „Zum Göbbelsstadion“ in Alsdorf: „Ich habe einen kleinen Saal, der jetzt mehr ausgelastet werden muss. Etwa mit Beerdigungskaffees oder privaten Feiern. Ich hoffe auch, dass der Pizzaverkauf jetzt ansteigt, denn manche Gäste sagten, dass sie nur noch im Sommer kommen, weil sie dann auf der Terrasse ihre Pizza essen können. Der Qualm stört sie.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Wirten hat Harald Porta mit seiner Terrasse hinter dem Haus noch Glück im vermeintlichen Unglück. Dort will er einen Pavillon aufstellen, an den Seiten offen, das sieht das neue Gesetz vor. Vor anderen Kneipen werden sich dann die rauchenden Gäste auf der Straße tummeln. „Ob das dann gut geht mit den Anwohnern?“, zweifelt Porta.

Keine Kontrollen in der Mainacht

Die Ordnungsämter, die für die Durchsetzung des Gesetzes und damit für den Schutz der nicht-rauchenden Kneipengäste verantwortlich sind, sind angehalten, dieses „nicht mit der Brechstange“ zu tun, sondern maßvoll und „feinfühlig“ vorzugehen. So auch zu verfahren, gedenken die Behörden in den Nordkreiskommunen. „Die Gastronomen in Baesweiler sind durch ein Infoblatt über das verschärfte Gesetz in Kenntnis gesetzt worden“, sagt Ordnungsamtsleiter Pierre Froesch. Angst zu haben, in der Mainacht ab 24 Uhr von den Ordnungsamtsmitarbeitern aufgefordert zu werden, die Glimmstengel auszumachen, braucht kein Kneipen- oder Zeltgast beim „Tanz in den Mai“.

In den ersten Tagen nach Inkrafttreten des Rauchverbots wollen die Ordnungsämter nicht in blinden Aktionismus verfallen und durch unangekündigte Kontrollen für unnötige Aufregung sorgen. Auch in Alsdorf wurden die Kneipiers über Verbot und Strafen bei Missachtung des Gesetzes informiert, und zwar durch persönliche Ansprache der Mitarbeiter: „Wir halten uns zurück. Aber bei Drittanzeigen müssen wir reagieren“, sagt Frank Dohms, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes in Alsdorf. Hier können gleich zu Beginn Bußgelder bis 500 Euro fällig werden, sagt Dohms. Für den Wirt und/oder den Gast.

Ganz so heftig wird es anfangs in Herzogenrath und Würselen nicht: „Wir verwarnen zunächst durch Ansprache. Wenn das nichts nutzt, wird es allerdings teuer“, sagt Jürgen Venohr vom Herzogenrather Ordnungsamt. Und Bernd Schaffrath, Sprecher der Stadt Würselen, sagt: „Zurückhaltung. Aber bei Häufung von Anzeigen werden wir eine andere Gangart einschlagen.“

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