Nordkreis - Psychologen stehen auf dem Wunschzettel

Psychologen stehen auf dem Wunschzettel

Von: Anna Schniedermeier
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Individuelle Betreuung auch bei der Berufsvorbereitung: Darauf setzt die Gehart-Hauptmann-Schule in Alsdorf, damit Schulmüdigkeit erst gar nicht aufkommt. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Das Ziel ist ehrgeizig. Geht es nach Bundesbildungsministerin Annette Schavan, soll künftig kein Schüler ohne Schulabschluss bleiben. Aber ist es auch ein realistisches Ziel? Axel Ehl, Leiter der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule in Alsdorf-Ost, ist da skeptisch.

Um so etwas umsetzen zu können, müssten die Schulen schon Unterstützung bekommen. So fordert er, dass Schulpsychologen und Sozialarbeiter die Schüler vor Ort betreuen, damit der „Gesamtapperat aus Familie und Schule” funktionieren könne.

„Oft lässt die Motivation der Schüler einfach nach, und dann muss man zusammenarbeiten, um es doch zu schaffen”, betont Ehl. An seiner Hauptschule ist die Anzahl der Abgänger ohne Abschluss in den vergangenen Jahren jedoch tatsächlich gesunken.

„Im vergangenen Jahr haben von 350 Schülern nur drei die Schule ohne Abschluss verlassen. Es gab nur zehn, die eine Klasse wiederholen mussten.” Auch dank eines Konzeptes einer integrativen Ganztagsschule, wie sie an der Gerhart-Hauptmann-Schule derzeit im Aufbau ist.

Diese Planung biete neue Möglichkeiten, weil sich individuelle Förderung und Unterricht besser miteinander kombinieren ließen. Zwölf Schüler sind es pro Jahrgang mit Lern- oder Sprachbehinderungen oder sozialen Auffälligkeiten. Sechs Sonderschullehrer und fünf Lehrer für Integrationsschüler gibt es in Alsdorf-Ost.

Genug, um sich intensiv um jeden Einzelnen zu kümmern. Ehl: „So werden die schwächeren Hauptschüler mitgefördert, es entsteht ein Sogeffekt.” Doch jeden könne man auch damit nicht erreichen. „Wenn einer partout den Unterricht verweigert, sind wir Lehrer machtlos.”

Daher seine Forderung, den Schulen auch Psychologen und andere Berater zur Seite zu stellen. Ehl: „Fragt sich nur, wer die bezahlen soll?”

Mit speziellen Förderkursen versucht man an der Lessing-Hauptschule in Baesweiler, die Zahl der Schüler ohne Schulabschluss zu reduzieren. „Vor allem in Deutsch und Mathematik versuchen wir, Defizite früh auszugleichen”, sagt Christoph Gärtner, Mitglied der Schulleitung. Damit erst gar kein Frust bei schlechten Leistungen aufkommt, der eine Schulmüdigkeit verursachen könnte.

Norbert Steffens, Rektor der Europahauptschule in Alsdorf, findet die Forderung von Annette Schavan sehr positiv. „Um die Zahl der Sitzenbleiber zu senken, nimmt die Schule seit einem Jahr an dem Netzwerk âKomm mit´ teil”, erklärt er.

„Dieses Projekt hat das Ziel, die Zahl der Wiederholer deutlich zu reduzieren ohne das Leistungsniveau zu senken.” Desweiteren habe die Schule bei der Düsseldorfer Landesregierung ein Konzept eingereicht, welches den Schülern größere Chancen eröffnen soll.

Durch individuelle Förderung und eine so genannte „Doppelstufen-Differenzierung”. „Die Lerngruppen werden dabei nicht leistungshomogen zusammengesetzt, um den Jugendlichen die Gelegenheit zu geben, ihrem individuellen Entwicklungsstand entsprechend Lernfortschritte zu machen.” Erwartet einen Schüler dabei in einem Kurs eine schlechte Note, kann er sich durch Teilnahme in einem anderen Kurs aufbessern.

Doch fordert auch er Sozialpädagogen und mehr Lehrkräfte an den Schulen. Zudem müsse das Arbeitsmaterial aufgestockt werden. „Wenn in vier Jahren tatsächlich jeder Schüler einen Abschluss bekommen soll, wird auch investiert werden müssen”, sagt Norbert Steffens.

Und was kommt dann? Schulleiter Axel Ehl blickt nämlich gern über die Schulzeit hinaus: „Selbst wenn alle Schüler einen Abschluss haben, wo sind dann die Lehrstellen?” Von 64 Schülern, die im vergangenen Jahr seine Schule mit Abschluss verlassen haben, haben ganze zehn eine Lehrstelle bekommen.
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