Alsdorf - Projekt am Dalton-Gymnasium: Neue Wege, Schüler zu fördern

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Projekt am Dalton-Gymnasium: Neue Wege, Schüler zu fördern

Von: Verena Müller
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Nicole Schneider im Gespräch mit ihrem Mentor Martin Wüller. Einmal die Woche tauschen sich Lehrer und Schüler der Mittelstufe am Dalton-Gymnasium aus. Ein Modell, das bundesweit Schule machen könnte. Foto: vm

Alsdorf. Wie kann man Schüler fördern – nicht nur die, denen eine „Ehrenrunde“ droht und nicht nur die, die zu den Hochbegabten gerechnet werden, sondern alle? Und wie erkennt man Talente? Um diese zentralen Fragen dreht sich derzeit vieles am Alsdorfer Dalton-Gymnasium. In diesem Kontext ist die Schule im Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) in zwei Programme eingebunden. Eines auf Landes- und eines auf Bundesebene.

Alles begann mit einem Dreh des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) über Begabungsförderung an (fast ausschließlich) Dalton-Schulen für das NRW-Bildungsministerium. Darüber rutschte die Alsdorfer Schule in die Gruppe der 24 NRW-Schulen, die als „Zentren für Begabungsförderung“ eng mit Hochschulen zusammenarbeiten. Aus drei der Schulen trifft sich der stellvertretende Schulleiter Martin Wüller mit seinen Kollegen Dr. Mathais Ebel und Charlotte Adam regelmäßig, um voneinander zu lernen und „Hausaufgaben zu machen“.

Diagnose schwierig

Ziel des Ganzen ist es, fachliche, diagnostische, didaktische, kommunikative und strukturelle Kompetenzen zu erwerben und später an Dritte zu vermitteln. „Frustrierend war zu erkennen, dass es kein verlässliches Diagnoseverfahren gibt, um Begabungen herauszufiltern“, sagt Wüller und meint damit etwa einen regelmäßig abgerufenen Fragenkatalog. Auf der anderen Seite sei aber der Ansatz, der Klassenlehrer werde im laufenden Unterricht bei seinen Pappenheimern schon Talente entdecken, „reine Selbstüberschätzung“. Ein anderes Modell musste also her. Das Dalton-Gymnasium fand eines, aber dazu später.

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt, gerade ist die Hälfte der Laufzeit erreicht. Am Ende sollen die Schulen als Multiplikatoren arbeiten und als Anlaufstelle für andere dienen.

In die „1. Liga der Bildungswelt“ aufgestiegen war das Dalton-Gymnasium dann Ende Januar dieses Jahres, als 300 Schulen bundesweit auserkoren wurden, am Programm „Leistung macht Schule“ teilzunehmen. Klingt im Vergleich zum ersten Ansatz elitär(er), verfolgt aber die gleichen Ziele. Also die Förderung der Begabung(en) aller Schüler. Fünf Jahre dauert hier die erste Phase, die Multiplikatorenphase im Anschluss ebenso lange. 125 Millionen Euro werden investiert.

Schön und gut, aber was hat der normale Alsdorfer Schüler davon? Mehr Lehrer oder eine bessere technische Ausstattung jedenfalls nicht, denn Gelder fließen nicht.

Wüller läuft an der Stelle trotzdem zur Hochform auf, schließlich kann er erste Erfolge vorweisen. Die Überschrift lautet „Lernbegleitung“, und dies ist auch der fürs Bundesprogramm gewählte Schwerpunkt, den sich das Gymnasium selbst gesetzt hat. Zufällig korreliert dieser ganz gut mit den Zielen des „Vierer-Clubs“ auf Landesebene. Hinter Lernbegleitung verbirgt sich keine Hausaufgabenbetreuung oder dergleichen, sondern ein Feedback-Gespräch. Ein Mentor, also ein Lehrer, setzt sich im Vier-Augen-Prinzip wöchentlich mit Schülern zusammen, um über Probleme, Wünsche, Ziele und Vereinbarungen zu sprechen. Ähnlich wie in Quartalsgesprächen in großen Unternehmen. Schulisches kann hier ebenso thematisiert werden wie Privates.

Vorangegangen waren dem Modell zwei Aspekte: Erkenntnisse aus einer Lernstandserhebung (was wissen die Schüler und welches Wissen können sie anwenden?) einschließlich der Frage, ob die Lerninhalte über den Erwerb des Abiturs hinausgehend (fürs Leben) relevant sind, und: der Umgang mit Wiederholern. „Wenn man davon ausgeht, dass die Schüler nicht gerade dumm hier angefangen haben und es auch nicht an den Lehrern liegt, dann muss es andere Ursachen für die Verschlechterung geben“ – und die will Wüller mit seinen Kollegen herausfinden.

Ergebnis beider Punkte: Man muss sich mehr mit dem Schüler beschäftigen, statt nur Inhalte „durchzuprügeln“. Deshalb wird mit Wiederholern nun an vier Tagen die Woche in einer Schulstunde ein individuelles Gespräch geführt. Mit dem Ergebnis, dass die Noten besser ausfallen als bei der alten Verfahrensweise. Warum das nicht auf alle übertragen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist?, fragte sich die Schulleitung.

Und da vor allem während der Pubertät Leistungen tendenziell abnehmen und hier die meisten Sitzenbleiber verzeichnet werden, beschränkt sich die Lernbegleitung zunächst auf die Mittelstufe. Nicole Schneider (15), Schülerin der 8. Klasse, findet die Idee gut. Am Anfang sei das ungewohnt gewesen, erzählt sie, „aber jetzt finde ich persönlich das total gut, dass man mit dem Lehrer über Schwächen und wie man sich verbessern kann, spricht“. Der Lehrer versuche, den Schüler besser kennenzulernen, die Schüler könnten auch mal im Vertrauen Probleme und Sorgen loswerden.

Ein Ansatz, der also bald bundesweit Schule machen könnte...

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