Professor referiert über „Philosophie im Alltag – als Chance“

Von: ehg
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Begeisterte mit anschaulichen Beispielen: Werner Janssen. Foto: Iman

Würselen. Bereits als Interviewgast hatte der deutsch-niederländische Professor Dr. Werner Janssen, der in Mönchengladbach und Kerkrade/Heerlen aufwuchs, sein Publikum in der Reihe „Schwarz auf Weiß“ in St. Marien in seinen Bann gezogen.

 Nicht minder war das der Fall, als der Philosoph, Germanist, Politologe und Pädagoge jetzt in der Kirche über „Philosophie im Alltag – als Chance“ referierte. Es war für die über 60 Besucher der Sonderveranstaltung ein Abend auf höchstem Niveau. Dass Janssen ihnen etwas für ihr eigenes Leben mit auf den Weg gegeben hatte, war daran zu messen, dass sie nach dem einstündigen fesselnden Vortrag noch geraume Zeit miteinander im Gespräch blieben.

Hans Peter Pütz, Mitglied des Gemeindeausschusses, begrüßte den Gründer und Intendanten des 1981 ins Leben gerufenen Kultur- und Wissenschaftsfestivals „Euriade“ gerne ein zweites Mal in St. Marien und freute sich mit ihm, dass die Veranstaltung wiederum eine große Resonanz fand. „Ha, welche Wonne fließt in diesem Blick auf einmal mir durch alle meine Sinne“ – mit diesem Zitat aus Faust I des Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe stimmte der Philosoph seine gespannten Zuhörer in seinen interessanten Vortrag ein. Wie Faust bei Goethe erkenne, „haben nicht nur die Wissenschaftler beziehungsweise die Wissenschaften einen Zugang zu Glücksgefühlen bei der richtigen Betrachtung der Natur – sondern jeder Mensch“. Janssens Appell frei nach Faust: „Auf, bade, Schüler unverdrossen, die irdsche Brust im Morgenrot!“

Als praktisches Beispiel forderte der anschaulich Vortragende seine Zuhörer auf, sich auf die Bilder der Künstlerin Vera Hilger einzulassen, die noch bis 26. Mai in der Marienkirche bewundert werden können. Ein stimmungsvolles Gotteshaus, ein hoch konzentriertes Publikum und die herausfordernden Bilder der „Intervalle“-Ausstellung bildeten den fruchtbaren Rahmen für eine außergewöhnliche Veranstaltung. Janssen konfrontierte unterdessen mit vergleichenden Meinungen bekannter und weniger bekannter auch zeitgenössischer Philosophen.

Von einer Kirsche zu Goethe

Immer wieder kehrte er zu Goethe zurück. In der Tragödie zweiter Teil erkenne der erblindete Faust, dass es im Leben nicht um Glanz, Ehre, Geld, Besitz, Güter und Auszeichnungen gehe, sondern um ‚Gemeindrang‘. Es gehe darum, „in Demut das Glück als höchstes Gut zu schauen und festzuhalten“.

Als alltägliches Beispiel führte der Philosoph den Genuss an, den man empfinden könne, wenn man in eine Kirsche beißt. Dann stelle sich ein Augenblick ein, wie Faust ihn sich wünscht, dass er verweilen möge, weil er so schön ist.

Den Augenblick mit Werner Janssen mehr als einmal an diesem Abend genossen zu haben, darin waren sich die Besucher einig. Dafür bedankte sich Hans Peter Pütz bei dem Kosmopoliten herzlich. Die Einnahmen sind für das Euriade-Projekt „Jugend im Dialog“ bestimmt. Es führt im Kloster Rolduc jährlich Jugendliche aus aller Herren Länder zu einer internationalen Begegnung zusammen.

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