Probleme fürs Herrchen: Ohne Leine auf Abwegen

Von: Karl Stüber
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Sie sind erkennbar ein Herz un
Sie sind erkennbar ein Herz und eine Seele: Bernhard Haß und „Maxi” werden sicherlich weiter auch im Naturschutzgebiet unterwegs sein - aber mit der Leine verbunden. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Bernhard Haß ist gerne mit seinem Hund „Maxi” unterwegs. Den kleinen Racker hat er aus Spanien mitgebracht, wo das Tier in einer Auffangstation ansonsten einem (ganz) gewissen Schicksal ausgeliefert gewesen wäre.

Aus Dankbarkeit, so Herrchen Haß, folgt der Vierbeiner ihm überall hin - und das möglichst sehr eng, selbst ohne angeleint zu sein. So auch am Vormittag des 15. August, einem Mittwoch. Da ist der Alsdorfer, der vor drei Jahren aus dem Sauerland zugezogen ist, mit seinem ständigen Begleiter im Naturschutzgebiet Broichbachtal südlich Noppenberg unterwegs. Um Brombeeren zu sammeln, verlässt der Rentner samt Hund den Weg und folgt dem Beispiel einer Frau, die sich mit ihrer vierbeinigen Begleitung schon auf einer Weise befindet.

Das bleibt nicht unbeobachtet. Zu den beiden Hundehaltern gesellt sich ein Mann, der sich als Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen zu erkennen gibt. Frauchen und Herrchen werden darüber belehrt, dass sie mit den Hunden, zumal nicht angeleint, dort nichts zu suchen hätten. Sie werden der Wiese verwiesen.

Von Schreiben überrascht

Haß räumt ein, einen Fehler begangen zu haben. Darauf hingewiesen, erkennt er, dass die Beschilderung Naturschutzgebiet ergänzt ist mit dem Hinweis, dass Hunde angeleint zu führen sind. Als ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bahn, hier war er im Fahrdienst eingesetzt, weiß er, dass man sich an Regeln halten muss.

Allerdings - und das ist auch der Grund, dass er den Kontakt zur Tageszeitung gesucht hat - wundert, ja ärgert er sich, dass er ein paar Tage später per Schreiben der Städteregion eine „Verwarnung mit Verwarnungsgeld” erhalten hat. Er hatte den Mitarbeiter der Städteregion so verstanden, dass er belehrt und nur mündlich verwarnt worden und die Sache damit erledigt sei. Und selbst in dem Schreiben steht zu lesen, „dass dies mit einem Verwarn- oder Bußgeld geahndet werden kann”. Die Betonung liegt auf „kann”. Es scheint also um einen Ermessensspielraum zu gehen.

Haß sagt, er habe sich gegenüber dem Kontrolleur ja auch einsichtig verhalten. Ungeachtet dessen will er die 35 Euro bezahlen.

Thomas Pilgrim, Leiter des Umweltamtes der Städteregion, leistet auf Nachfrage unserer Zeitung Aufklärungsarbeit. Grundsätzlich gibt es demnach drei Stufen des Vorgehens bei Verstößen gegen die Anleinpflicht im Naturschutzgebiet. Zum einen kann der „Technische Mitarbeiter” der Behörde vor Ort eine mündliche Verwarnung aussprechen - und die Sache ist damit erledigt, was bei geringfügigen Verstößen und bei entsprechender Einsicht möglich ist. Die nächste Stufe ist das Aussprechen einer Verwarnung, die einen schriftlichen Bescheid der Aufsichtsbehörde nebst Verwarnungsgeld nach sich zieht, wie im Falle von Bernard Haß und Maxi. Stufe 3 stellt die Feststellung einer Ordnungswidrigkeit nebst Bußgeld dar.

Den schriftlichen Anmerkungen des Außendienstkollegen ist zwar zu entnehmen, dass sich Haß einsichtig gezeigt, den Hund angeleint hat und dann gegangen ist. Aber es wird auch klar, dass ein Zaun überstiegen worden sein muss, um auf die Wiese und an die Brombeeren zu gelangen.

Die Recherche hat laut Pilgrim zudem ergeben, dass der betroffene Landwirt dies nicht gestattet hat.

Im regelmäßig stattfindenden Jahresgespräch zwischen Umweltamt und Bauern wird immer wieder deutlich, wie problematisch gerade Hunde für die Landwirtschaft sind. Zum einen sagen Landwirte laut Pilgrim, dass die Vierbeiner auf Weiden den Kühen praktisch auf die Nahrungsmittel „scheißen”.

Zudem müssen Landwirte ihre Wiesen vor dem Mähen erst einmal nach Stöcken absuchen, die von Hund und Herrchen nach dem Apportieren liegen gelassen worden sind.

Um beim Dialog zwischen Kontrolleur und Hundehalter Klarheit über das weitere Verfahren bei Verstößen zu sorgen, soll der Kontrollierte im Zweifelsfall lieber nachfragen, was das nun zu bedeuten habe, bittet Pilgrim. Zum anderen will er als Amtsleiter den aktuellen Vorgang zum Anlass nehmen, den eigenen Mitarbeiter anzuhalten, sich möglichst verständlich auszudrücken.
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