Herzogenrath - Postboten unter Strom: Ausliefern mit dem Pedelec

Postboten unter Strom: Ausliefern mit dem Pedelec

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
6112513.jpg
Setzt auf ein E-Bike älteren Models: Postzusteller Manfred Gerullils. „Die alten“, sagt er, „sind stabiler als die neueren Elektrofahrräder.“ Foto: Holger Bubel

Herzogenrath. Sich bei den zeitweise hohen Temperaturen in diesem Sommer draußen zu bewegen, war wahrlich kein Vergnügen. Andererseits: Geschimpft wird immer – zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken. Jetzt naht der Herbst. Wahre Allrounder im Anpassen an die Wetterbegebenheiten sind die Postzusteller, die bei Hitze oder Schnee und Eis sechs Tage in der Woche ihrer Aufgabe nachkommen. Hilfreich ist da das strombetriebene Pedelec.

Einer dieser wackeren Wettertrotzer ist Manfred Gerullils. Der 48-Jährige ist seit 15 Jahren als Zusteller in Herzogenrath unterwegs, damit die Menschen ihre Post bekommen, ob Urlaubsgruß oder Rechnung. Wenn der Postmann zweimal klingelt, dann ist das aber nicht in Anlehnung an den Filmklassiker mit Jack Nicholson gemeint, vielmehr bittet Manfred Gerullils dann um freie Fahrt. Die Post bringt der Zusteller nämlich mit dem Elektrofahrrad. Damit bewegt er sich täglich bis zu sieben Stunden auf den Radwegen, Bordsteinen und Straßen in Herzogenrath-Mitte.

Das in den jüngeren Jahren immer populärer werdende Fortbewegungsmittel – und zwar nicht nur bei der reiferen Generation, die es mit dem Treten nicht mehr so hat – ist bei der Post schon seit Jahren nicht nur ein beliebtes, sondern vor allen Dingen sehr sinnvolles Werkzeug geworden. Über 6000 Pedelecs sind derzeit bundesweit im Auftrag der Post unterwegs.

„Seit acht Jahren nutze ich das Pedelec. Davor war es sehr mühsam mit einem herkömmlichen Fahrrad“, erinnert sich Manfred Gerullils. Klar, denn bis zu 50 Kilo an Briefen, Postkarten und Broschüren müssen täglich schon mal bewegt werden. Auch die steilen Straßen hinauf, wie etwa die Geilenkirchener Straße oder die Aachener Straße in Verlängerung Alte Straße. Ohne E-Bike ginge das mächtig in die Beine. Wenn eine Fahrt aufwärts überhaupt möglich ist. In der Regel hieß es in der Vor-E-Bike-Zeit wohl eher „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“.

Manfred Gerullils hat sich das älteste der insgesamt 13 Räder starken Pedelec-Flotte Herzogenraths ausgesucht, sechs sind in der Stadt im Einsatz, weitere drei in Merkstein und vier in Kohlscheid: „Die alten sind stabiler als die neueren Modelle“, sagt er über die inklusive Batterie 58 Kilogramm schweren Zweiräder. Mit dieser rund fünf Kilogramm wiegenden Kraftquelle schafft der Postbote es im Maximum auf 24 Stundenkilometer, ohne Antrieb gerade einmal 6 km/h. Da könnte man also auch gut zu Fuß gehen.

„Wenn die Batterie ausfällt, wird das normale Fahren verdammt anstrengend.“ Ein Ausfall des elektrischen Antriebs dürfte aber zumindest in diesem Jahr kaum noch geschehen. Was die kleinen Energiespeicher nämlich überhaupt nicht mögen, das ist schlagartig auftretende Hitze. Dann gehen sie einfach kaputt.

Der Winter hingegen, wenn so mancher Autofahrer Probleme mit der Batterie bekommt, macht den Stromspeichern der Posträder so gut wie nichts aus. Einen kleinen, wenn auch weniger folgenreichen Nachteil als man hinlänglich denkt, haben die leise surrenden Pedelecs aber doch, wie Manfred Gerullils festgestellt hat: „Die Hunde hören einen schon von weitem und bringen sich in Position.“

Bloß nicht umkippen

Und noch eins sollte ein Postzusteller mit vollbepacktem Dienstrad tunlichst vermeiden: dass das Fahrrad umkippt. „Dann bekommt man das Ding kaum wieder aufgestellt.“

Diese Gefahr besteht bei den neuerdings eingesetzten E-Trikes kaum. Ist auch besser so, denn mit bis zu 80 Kilogramm Postladung wäre ein Aufstellen noch schwieriger. Die Trikes sind der neueste Schrei in der Zustellbranche. Sie sollen den nicht mehr ganz fitten Postmitarbeitern das Verteilen ihrer Ladung erleichtern, wie Dieter Pietruck, Sprecher der Deutschen Post, sagt. Diese Dreiräder schaffen es bis zu 6 km/h ohne „Nachhilfe“ durch den Fahrer.

Auch wenn Manfred Gerullils noch fit ist und sechs Tage in der Woche auf dem Sattel sitzt, den Spaß am Radfahren hat er noch nicht verloren: „Im Urlaub geht‘s immer aufs Rad.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert