Aachen - Polizei rüstet auf: Raser erleben ihr blaues Wunder

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Polizei rüstet auf: Raser erleben ihr blaues Wunder

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Modellwechsel: Polizeihauptkom
Modellwechsel: Polizeihauptkommissar Martin Braun mit seiner neuen BMW R 1200 RT. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von null auf hundert in 3,7 Sekunden. Wer Polizeihauptkommissar Martin Braun abhängen will, erlebt sein blaues Wunder. Buchstäblich. Der Polizist pilotiert nämlich eines der sechs brandneuen Motorräder vom Typ BMW R 1200 RT, die das Aachener Präsidium jetzt in Dienst gestellt hat.

Damit besteht der zweirädrige Fuhrpark der Ordnungshüter aus sechs Maschinen in Silber-Blau mit allerlei technischen Neuheiten, einem zivilen Video-Motorrad und zwei älteren BMWs in grün-weißer Lackierung.

Den Auslaufmodellen trauert keiner nach. Sie waren eine Mogelpackung. Um Geld zu sparen, hatte das Land NRW jahrelang beim bayrischen Produzenten kleinere Motoren in die schweren Polizeikrafträder einbauen lassen. „Da haben wir uns früher in der Eifel fast kaputt geschaltet”, erinnert sich Braun.

Der neue Zweizylinderboxermotor leistet hingegen 110 PS. Und die beschleunigen Brauns Dienstfahrzeug auf bis zu 223 Stundenkilometer. „40 PS mehr als früher bei deutlich weniger Fahrzeuggewicht machen sich da ziemlich bemerkbar”, lobt der Polizeibeamte. Dabei sind die 280 Kilogramm schweren Polizeimotorräder noch umfangreicher ausgestattet. Das alte Blaulicht blinkt jetzt mit greller LED-Technik. „Wer das übersieht, muss blind sein”, sagt Braun. Der sogenannte Anhaltesignalgeber am Heck der Maschine zeigt auf Knopfdruck neben „Bitte folgen” auch „Stopp Polizei” an.

Erstmals Außenlautsprecher

Ebenso neu ist der Außenlautsprecher. Im Helm des Motorradpolizisten stellt ein Mikrofon über die Digitalfunktechnik im Höcker hinter der Sitzbank nicht nur den Kontakt zur Leitstelle sicher. Das Mikro kann Braun auch für Durchsagen an die Adresse anderer Verkehrsteilnehmer nutzen. „Das ist wirklich eine große Erleichterung”, sagt er. Erleichtert wurde auch der Landeshaushalt: 16.400 Euro kostet die R1200 RT laut BMW-Preisliste - ohne die polizeispezifischen Extras.

60 bis 80 Kilometer legt der 48-jährige Polizeihauptkommissar pro Tag zurück. Federung und Dämpfung des Fahrwerks sind individuell auf die Fahrer abgestimmt. In der Regel teilen sich zwei Polizisten eine Maschine. Einsatzschwerpunkt ist - neben Großereignissen wie Karlspreis, Alemannia-Heimspielen, Demonstrationen und Karnevalszügen - die Verkehrssicherung. „Handy- und Rotlicht-Verstöße, die Ladungssicherheit bei Lkw, abgelaufene TÜV-Stempel - die Bandbreite ist groß”, erklärt Braun. In den Seitenkoffern führt er deswegen neben Mängelkarten, Unfallbögen, Leuchtweste und Erste-Hilfe-Kasten auch ein EC-Kartenlesegerät mit. „Bargeldloser Zahlungsverkehr ist mittlerweile die Regel.”

Die Zukunft hat ihren Preis. Das gilt übrigens auch für Jugendliche, die der erfahrene Polizist auf illegal getunten Mofas, Mopeds und Rollern erwischt. „Früher war die Jugend handwerklich versierter und hat eigenhändig an Ritzeln und Auspuffen herumgeschraubt”, stellt er fest. „Heute haben die meisten keine Ahnung mehr von der Technik. Getunt wird mit elektronischen Chips aus dem Internet, die wir an den Fahrzeugen leicht ausfindig machen.”

Abhängen lässt sich der Motorradpolizist nicht - weder vom technischen Fortschritt noch von rasenden Verkehrssündern. Und seine grüne Lederkombi, so hat ihm die Eschweiler Dienststelle versichert, würde demnächst durch eine blaue ersetzt. Auch die soll flotter aussehen.
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