Baesweiler - Politik ist in der Moschee unerwünscht

Politik ist in der Moschee unerwünscht

Von: Lars Odenkirchen
Letzte Aktualisierung:
moscheebu
Interessierte Gäste: Imam Fahri Tonoglu (r.) und Ercüment Erkan (2.v.r.) erklären den Besuchern die Baesweiler Moschee. Foto: Lars Odenkirchen

Baesweiler. Fasziniert schaut die Gruppe hinüber zum Imam. Mit angenehmer Stimme trägt dieser gerade ein Gebet vor, in einem Sprechgesang, der mit seinem fremden Klang Interesse weckt. Seine Zuhörer sind jedoch keine Muslime - stattdessen sind es knapp 40 interessierte Besucher, die im Rahmen einer Führung die Moschee im Herzogenrather Weg kennen lernen wollen.

Organisiert hat die Führung das katholische Helene-Weber-Haus.

Viele Fragen mitgebracht

Offiziell ist es eine Besichtigung im Rahmen des Jahresprogramms, doch wer möchte, darf den Besuch wohl auch als kleinen Dialog verstehen.

Neben seiner Gebetsdarbietung wird Imam Fahri Tonoglu vor allem eines tun: Den interessierten Besuchern erklären, was in der Moschee wozu dient, wie die Gebete ablaufen und wie sich ein gläubiger Moslem verhält.

Unterstützt wird er dabei von Ercüment Erkan und Erhan Akduman, Mitgliedern der muslimischen Gemeinde, die für den Geistlichen übersetzen.

Deutsch spricht dieser nämlich kaum - derzeit kommen die Imame noch aus der Türkei, studieren dort, werden auch vom türkischen Staat bezahlt und halten sich immer nur für maximal vier Jahre in Deutschland auf. „Vielleicht ist es aber demnächst möglich, Imame auch hier auszubilden”, meint Erkan.

Viele Fragen haben die Besucher mitgebracht, die Tonoglu, Erkan und Akduman bereitwillig beantworten. 300 Mitglieder habe die Moschee zur Zeit, erklärt Erkan, vor zwei Jahren sei sie endgültig fertig geworden, und viel am Bau sei in freiwilliger Arbeit geleistet wurden.

Rein optisch hat sich diese Mühe aber in jedem Fall gelohnt: Wirkt das Gebäude von außen her auch eher trist, erschlagen den Besucher beim Eintritt in die Moschee die Eindrücke förmlich.

Bunte, kunstvolle Fliesendekore, schöne Gebetsteppiche und riesige Kronleuchter ziehen den Blick des Betrachters auf sich. Nur Bilder fehlen im Gegensatz zu christlichen Kirchen völlig. „Allah hat schließlich noch niemand gesehen”, erklärt Akduman.

Verschiedene Schulen

Zwischenzeitlich wird die Fragerunde brisant: Einer der Besucher möchte wissen, wie denn die politische Einstellung der Imame durch die verschiedenen Schulen geprägt würde.

Doch davon wollen die anderen Besucher nichts wissen - angedacht ist schließlich eine Besichtigung, keine politische Diskussion über den Islam. Erkan versucht dennoch zu erklären: „Politik”, erklärt er, „hat in der Moschee nichts zu suchen. Es ist nicht erwünscht, dass unsere Mitglieder hier über politische Themen reden, sie sollen zum Beten hierher kommen.”

Im Anschluss wird noch die große Empore besichtigt, die der Geschlechtertrennung dient: Hier oben beten die Frauen, gebetet wird im Islam schließlich getrennt. Auch die Waschräume, in denen der Imam die rituelle Waschung vor dem Gebet zeigt, werden besichtigt.

Gisela Mielke, die die Führung für das Helene-Weber-Haus begleitete, hofft, dass mit dem Besuch der Moschee ein weiterer Schritt zu beiderseitigem Verständnis getan ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert