Pointenreicher Schnellredner Wilfried Schmickler auf Burg Wilhelmstein

Von: mas
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Das glaubt ihm doch keiner: „ich weiß es doch auch nicht“, behauptete Wilfried Schmickler in Würselen. Dafür wurde er aber in knapp zwei Stunden viel Wissenswertes los. Foto: Sigi Malinowski

Würselen. Was hat er gesagt? Ein Abwasch, oder ein Abklatsch? Egal, Wilfried Schmickler hat sein neues Buch mitgebracht. „Deutschland, Dein Abwasch/klatsch“. „Das wird Montagmorgen ausverkauft sein“, prahlt der Spitzenkabarettist. Auf Burg Wilhelmstein machte der Mann, der sich in seinem „absoluten Lieblingswürselen“ zu Hause angekommen fühlt, mit seinem neuen Programm „Ich weiß es doch auch nicht“ Halt.

Von wegen: Schmickler spielt den charmanten Lügner. Fast 1000 Zuschauer drängten sich vor die hübsche Freilichtbühne, in die Schmickler sein Buch hochhielt. Ganz tricky dabei: Das Werk enthält neben dem bunten Titel ausschließlich leere Seiten. „Da kann jeder reinschreiben, was er lesen will.“, animiert Schmickler und hat auch gleich einen Rat parat: „Vorurteile, maßlose Anfeindungen, Neid auf Besserverdienende oder auch Trauer um vergangene, bessere Zeiten.“.

Und jeder wird anschließend nach Lektüre sagen, „endlich mal einer, der sagt, wie es ist“. Schmicklers Publikum macht in diesem Moment das, was es einen ganzen Abend zelebriert. Es überschüttet den Künstler mit Beifallswellen.

Denn der Schnellredner und -denker aus der Bundesliga des Kabaretts packt sie alle. Sowohl den Uni-Professoren (Neuroradiologe Armin Thron), als auch die Paukerin (Gisela Klein), den Politiker (Rolf Beckers) oder den Priester (Ferdi Bruckes). Denn das Themenfeld Schmicklers, der sich auch gerne und zu Recht den Scharfrichter des deutschen Kabaretts nennt, ist so groß wie eine Amsterdamer Tulpenzucht. Und ebenso bunt.

Er weiß es zwar nicht, aber er verspricht eingangs auch, „ich kümmere mich drum“. Wie man’s gewohnt ist. Der Mann im typisch leger sitzenden grauen Anzug kümmert sich zuerst um die vielen Fotografen. Leiert sich Grimassen aus dem Gesicht, hebt die Arme zum Fluge über die Bühne, prustet und albert. Als dann jeder seinen „Schuss“ hat, legt er richtig los.

„Mutti“ Merkel hat er zwischen: „Wie kann ich eine Kanzlerin nur ‚Mutti‘ nennen, dann doch lieber so wie früher, als es noch einen Nazi-Kiesinger oder Weinbrand-Willy gab“.

Es geht auf die Rock- und Pop-Schiene, auf der „zwischen Mitsummern und Reizhustlern Bands wie „Silberblick, „Ich und Mich“, “Ihr mich Auch“ deutschen Pop in aller Peinlichkeit zelebrieren“. Den Kabarettisten graut es: „Das Schlimme ist ja, die versteht man auch noch“.

Schmicklers Will kennt keine thematischen Tabus und erzählt: „Letztens war der Papst mit dem Schiff auf dem Tiber unterwegs. Die Steuerung des Bootes setzte aus und am Ufer schrien alle, der Papst treibt ab, der Papst treibt ab!“ Das lässt ihn die Frage an sein Publikum stellen, „woll‘n Sie das wirklich hören?“ Da verbiegt sich Würselen vor Lachen.

Geständnisse wie, „ich leide an einem Overburn-Syndrom“ oder auch seine Manie, angesichts der Finanzkrise jeden Tag „zur Bank zu gehen und mir mein Geld zeigen zu lassen und es handschriftlich zu signieren“, reichert Schmickler mit einer stürmisch gefeierten Geschichte an, die sich um das Südoldenburgische Handelsblatt für Makroökonomie“ – und seinen geringfügig beschäftigten Chefredakteur – entzündet. Es bricht eine Schlacht an Pointen und Lachsalven aus. Die FDP ist dran. Schmickler reiht ihre Umfragewerte zwischen denen von FIFA-Boss Blatter und dem EHEC-Erreger auf.

Ganz breiten Raum nehmen Finanzkrise („Das kapitalistische Finanzsystem ist völlig außer Kontrolle geraten“), Umweltzerstörung, Rentensystem oder der „deutsche Minister für Teppichhandel“, Dirk Niebel, ein. Angereichert mit Salafisten-Witzen: Wie die beiden, die sich im Frankfurter Bankenviertel unterhalten. „Ist das nicht ein schöner Wolkenkratzer“, fragt der eine. Da antwortet der andere: „Okay, ich geh hoch!“!

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