Radarfallen Blitzen Freisteller

Pflicht zum Test „nicht sinnvoll”

Von: Sarah Siemons
Letzte Aktualisierung:
senior_bu
Auch mit 70 Jahren noch sicher hinterm Lenkrad: Wolf Peterhänsel, der auch als ADAC-Moderator über alterstypische Verkehrsrisiken aufklärt. Foto: Sarah Siemons

Nordkreis. Es ist eine Diskussion, die kein Ende zu nehmen scheint: Sollten ältere Autofahrer sich regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit prüfen lassen? Und wenn ja, ab welchem Alter und mit welcher Konsequenz?

Nach dem jüngsten Unglück im sauerländischen Menden, bei dem ein 79-jähriger Fahrer in einen Schützenumzug gerast war, ist die Debatte um Senioren im Straßenverkehr neu entfacht.

„Das ist typisch für unserer Gesellschaft, kaum passiert ein Unfall mit einem älteren Menschen, rufen sie nach einem Senioren-Test. Dabei liegt das eigentliche Problem bei den jungen Fahrern”, sagt Wolf Peterhänsel.

Der 70-Jährige aus Broichweiden hält als ADAC-Moderator regelmäßig Vorträge zum Thema: „Älter werden - sicher fahren” und hält nichts von einem so genannten „Senioren-TÜV”. „Gerade die älteren Fahrer sind oft sicherer unterwegs, weil sie über viel Erfahrung verfügen und meist vorausschauend fahren”, erklärt Peterhänsel.

„Zudem bereiten sie sich oft gut auf eine Strecke vor, sind selten spontan unterwegs.” Und noch etwas hätten die Senioren den Fahranfängern voraus: „Sie sind sich ihrer Schwachstellen bewusst und verhalten sich entsprechend.” Wer bei Dunkelheit unsicher werde, fahre überwiegend tagsüber, wer die Geschwindigkeit fürchtet, meide die Autobahn.

Alle fünf Jahre

In Wolf Peterhänsels Augen ist ein verpflichtender Tauglichkeitstest für betagte Fahrer nicht sinnvoll. Das sieht auch Alfred Mundt, Vorsitzender des Seniorenbeirates in Würselen so: „Die Menschen sollen selbst entscheiden, wann sie an ihre Grenze kommen und nicht mehr sicher im Straßenverkehr unterwegs sind. So vernünftig, das zu erkennen, sollte jeder sein.”

Der 75-jährige Mundt ist selbst noch viel mit dem Pkw unterwegs: „Wenn ich das einmal nicht mehr kann, lasse ich es auch sein.”

In den Niederlanden gibt es dazu bereits ein entsprechendes Gesetz: Führerscheinbesitzer über 70 müssen sich alle fünf Jahre ärztlich untersuchen lassen. Gibt es dann Zweifel an der Fahrtüchtigkeit, wird ein praktischer Fahrtest gemacht. „Das funktioniert bei uns wunderbar. Es gehört zur Normalität”, sagt Leo Senster vom Seniorenraad Kerkrade. „Ich finde, es muss eine definierte Grenze geben, man kann diese Einschätzung nicht den Senioren selbst überlassen.”

„Das Bild stimmt nicht”

Auch Josef Jordans, Seniorenbeauftragter der Stadt Alsdorf, würde so eine gesetzliche Vorgabe begrüßen: „Sicher gibt es auch 40-Jährige, die wegen einer Krankheit nicht ganz so fit hinterm Lenkrad sind. Aber ab einer gewissen Altersklasse nehmen diese gesundheitlichen Probleme erfahrungsmäßig einfach zu.” Er selbst bezeichnet sich als „weltbester Beifahrer”. Der 59-Jährige besitzt zwar einen Führerschein, hat sich jedoch seit etlichen Jahren nicht mehr hinters Steuer gesetzt.

Oft ist es das Bild des gebrechlichen Seniors, das die Unsicherheit im turbulenten Straßenverkehr vermuten lässt. „Doch das Bild stimmt nicht”, sagt Wolf Peterhänsel. „Ältere Leute können meist besser Autofahren als Gehen. Wer also denkt, ein Mensch mit Gehhilfe ist automatisch ein schlechter Verkehrsteilnehmer, der irrt.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert