Würselen - Pferdediebe sorgen auf Ponyhof für Trauer

Pferdediebe sorgen auf Ponyhof für Trauer

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Will künftig wachsamer sein: Ponyhofbetreiber Wilhelm Zintzen möchte den Verleih seiner Pferde sicherer gestalten. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Gitte Czubayko hat sich nichts weiter dabei gedacht. Weshalb auch? „Das war eine nette junge Frau, sehr gepflegt. Die kannte sich gut mit Pferden aus. Sie hat mir noch erzählt, dass sie Westernreiterin ist.” Dieser Dame hat sie Achill gern anvertraut.

Für neun Euro pro Stunde. So ist es üblich auf dem Ponyhof Zintzen bei Gut Kaisersruh. Täglich werden dort Ponys und Pferde entliehen, geritten und zurückgebracht. Doch der 16-jährige Wallach ist an diesem Nikolaustag nicht zurückgekommen.

Als er nach drei Stunden nicht in Sicht war, ist Gitte Czubayko den üblichen Reitweg in Richtung Teuterhof abgelaufen. Keine Spur, nirgends. Nicht von Achill, nicht von der Frau mit den kurzen blonden Haaren und ihrem jungen Begleiter. Bis zum späten Abend hat sie gesucht, viele Helfer des Hofes waren auf den Beinen. Vergebens.

Seitdem hat sie ständig diese Frage im Kopf: Warum? „Wieso klaut jemand ein Pferd? Wer das Geld hat, um ein Pferd vernünftig unterzubringen, zu verpflegen und den Tierarzt zu bezahlen, kann sich auch eins kaufen.” Auf gut 300 Euro pro Monat beziffert sie die Unterhaltskosten für solch ein Tier. Daher fürchtet sie, dass der braun-weiße Araber-Pinto-Mix nicht in die Hände von Tierfreunden geraten ist. „Ich mag nicht daran denken, dass ihm jemand etwas antun könnte, ich kann nicht. Ich werde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn wiederzubekommen.”

Flugblätter verteilt

Eine Anzeige hat sie erstattet. Zahlreiche Flugblätter mit Fotos und Beschreibungen von Achill hat sie zudem drucken lassen und in Geschäften und Tierarztpraxen verteilt. Auch Fernfahrern gibt die Angestellte einer Speditionsfirma die Zettel mit auf den Weg, damit sie sie an Raststätten aushängen. „Das Pferd muss wiederkommen!” Ein sehr beliebtes Tier sei der Achill gewesen, „auf dem Hof sind seinetwegen schon viele Tränen geflossen, wir sind alle fix und fertig”.

Rund 40 Tiere gibt es auf der Anlage, auf der seit 16 Jahren Pferde verliehen werden. Wollte man es böse formulieren, könnte man sagen, dass es Dieben schon immer leicht gemacht worden ist. Wer in spanischen Küstenorten einen Motorroller leihen möchte, muss in der Regel seinen Personalausweis vorlegen. Doch wer in Würselen ein Pferd haben will, muss keinerlei Sicherheit hinterlassen. „Wir schauen uns die Leute bloß gründlich an”, sagt Hofbetreiber Wilhelm Zintzen, „wir hatten bislang einfach ein großes Gottvertrauen.” Das ist nun gründlich erschüttert. „Wir müssen uns rasch etwas einfallen lassen, um den Entleihvorgang künftig sicherer zu machen.”

Ein Teil der Familie

Hoffentlich auch für Achill. Noch ist Gitte Chzubayko zuversichtlich, dass sich jemand meldet, der den Wallach irgendwo entdeckt hat. „Wenn mir jemand mein Auto klaut, wäre das halb so wild. Aber ein so liebes Lebewesen wie Achill? Das ist, als ob ein Teil der Familie fehlt!”
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