Herzogenrath - Pfarrer Rodheudt: „Jedes Vertrauen in den Bischof verloren”

Pfarrer Rodheudt: „Jedes Vertrauen in den Bischof verloren”

Von: Christoph Hahn
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Fürchtet um Leitungsfunktion des Priesters in künftigen „Seelsorgekolchosen”: Pfarrer Dr. Guido Rodheudt nimmt kein Blatt vor den Mund. Foto: Hahn

Herzogenrath. Mit der Herzogenrather Pfarre St. Gertrud verhält es sich fast so wie mit dem kleinen gallischen Dorf aus den „Asterix”-Comics.

Mögen alle anderen sich längst ergeben haben - Seelsorger Dr. Guido Rodheudt und seine Mitstreiter aus den Gremien üben unverdrossen Widerstand gegen die Pläne von Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum zur Bildung von großflächigen Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) und Kirchengemeindeverbänden (KGV).

In einem Interview mit der Aachener Zeitung gab Dr. Rodheudt Auskunft über Motive und Hintergründe.

Nun ist St. Gertrud 2005 aus der freiwilligen Fusion der Pfarren von Herzogenrath-Mitte, Afden und Niederbardenberg entstanden. Verwundert es Sie da nicht, dass man Ihnen nun eine noch weitergehende Zwangsfusion androht?

Rodheudt: In der Tat. Andererseits: Wir bestreiten nicht die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden. Im Gegenteil. Das beweist unsere freiwillige Fusion. Aber es muss durchdachte Zusammenschlüsse geben, bei denen das Urteil der Priester vor Ort gehört wird. Das war in Herzogenrath und Merkstein nicht der Fall.

Im Kreuzfeuer Ihrer Kritik steht vor allem Bischof Mussinghoff - aber nicht nur.

Rodheudt: Der Bischof favorisiert die Abschaffung der territorialen Seelsorge zugunsten von großflächigen Seelsorgebezirken im Stil des Verbandswesens. Der Architekt des Abschieds von der Pfarrei, Pfarrer Rolf-Peter Cremer, war jahrelang Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Von daher wundert es nicht, wenn er das Bistum im Stil des BDKJ umbauen will. Und der Bischof schließt sich an.

Aber was stört Sie denn eigentlich noch am Bischof und seiner Vorgehensweise?

Rodheudt: Der Befehlston des Bischofs ist im Bistum Aachen bisher unbekannt. Während auf dem Gebiet der Verkündigung und der Liturgie jeder machen kann, was er will, wird auf dem Gebiet des Organisatorischen nun plötzlich per Dekret regiert. Im Zusammenhang der Strukturreform wirkt diese Gleichschaltung totalitär. Statt behutsam zu führen, prügelt der Hirte die Herde auf einen Weg, von dem alles andere als klar ist, ob man auf ihm überhaupt neue Weideplätze erreichen wird. Hinzu kommt, dass der Bischof über Jahre in manchen Pfarreien große Abweichungen von der Norm kirchlichen Lebens zugelassen hat, die sich unmöglich in den angeordneten Zwangsehen harmonisieren lassen werden.

Wo aber sehen Sie in der täglichen Praxis die Schwachpunkte dessen, was der Bischof und der Generalvikar umgesetzt haben wollen?

Rodheudt: Beispielsweise arbeiten die Verwaltungszentren noch nicht annähernd ordentlich, sondern produzieren erhöhte Kosten, Chaos und ein Absterben des Ehrenamtes.

Das hat nach Ihren Beobachtungen auch schon für Folgen gesorgt...

Rodheudt: Ja. Kirchenaustritte und Amtsniederlegungen von Pfarrern sind bereits zu verzeichnen.

Und in Ihrer Pfarre?

Rodheudt: Wir haben in unserer Fusionspfarrei St. Gertrud bereits vor Jahren alte Zöpfe abgeschnitten und gezeigt, wie man eine Pfarrei zukunftsfähig vergrößern und sparsam organisieren kann. Wichtig ist dabei die Sicherung des sakramentalen Lebens. Die Frucht ist ein stetiger Anstieg an Meßbesuchern, Gönnern und ehrenamtlichen Helfern. Die neue unübersichtliche Struktur wird genau dies zum Erliegen bringen.

Welche Rolle spielt dabei die nördliche Nachbarpfarre?

Rodheudt: Pfarrer Intrau und seine Mannschaft in Merkstein haben sich gut und zukunftsfähig organisiert. Die neuen Strukturzwänge werden den Merksteinern und uns ein hohes Maß an unnötigen Belastungen bescheren.

Und welche Probleme befürchten Sie auf Bistumsebene?

Rodheudt: Zu befürchten ist, dass das „neue” Bistum Aachen eine Funktionärskirche werden wird. Mit brachialer Gewalt wird unter dem Motto „den Wandel aktiv gestalten” das Prinzip der territorialen Seelsorge einfach abgewürgt. Wir empfinden diesen Jargon als zynisch.

Aber Ihre Kritik zielt doch auch auf inhaltliche Aspekte?

Rodheudt: Es gibt massive Fragwürdigkeiten im kirchenrechtlichen und theologischen Bereich. Zum Beispiel wird der Priester in den neuen „Seelsorgekolchosen” ein wichtiges Wesensmerkmal des Weihepriestertums - die Leitungsvollmacht - nicht mehr leben können. Sie wird ihm faktisch durch die Demokratisierung der Seelsorge genommen. Dieses Profildefizit wird meines Erachtens zu noch größerem Priestermangel führen.

Was wollen Sie jetzt noch unternehmen?

Rodheudt: Wir laden alle Bedenkenträger ein, sich zu einem öffentlichen Widerstand zu formieren und sich dem Aktionsbündnis „Kirche vor Ort” anzuschließen.

Sehen Sie noch eine gemeinsame Basis für Gespräche mit dem Bistum?

Rodheudt: Gespräche dienten bisher seitens des Bistums dazu, kritische Gemeinden ruhigzustellen - entweder durch Einschüchterung oder durch falsche Versprechungen. Aus dieser Erfahrung haben wir jedes Vertrauen in den Bischof und die Bistumsleitung verloren. Er allein kann das nur noch ändern.
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