Pfarrer Ferdi Bruckes im Interview: „Wir sollten auch das Warten genießen“

Von: Stefan Schaum
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Freut sich auf die Zeit der Besinnung – im Gottesdienst und auch privat: Pfarrer Ferdi Bruckes wirbt dafür, auch das Warten auf die Weihnacht ganz bewusst zu genießen. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Weihnachten ist auch eine Zeit der Wünsche. Über den Wunsch der Gläubigen nach Herzenswärme und die Aufgabe, in sechs Kirchen Gottesdienste zu feiern, spricht der Baesweiler Pfarrer Ferdi Bruckes im Interview.

In der GdG St. Marien sind Sie als Seelsorger für sechs ehemals eigenständige Gemeinden zuständig. Kann man denen an Heiligabend gleichermaßen gerecht werden?

Bruckes: Es kann heute nicht sechs Christmetten geben, das ist klar. Je eine wird in St. Petrus in Baesweiler und in St. Andreas in Setterich gefeiert. An den Weihnachtstagen gibt es dann aber noch sechs Festmessen. Diese Aufgabe teile ich mir mit dem Pfarrvikar Hans-Peter Jeandrée. Aber in allen Kirchen wird es an Heiligabend Krippenfeiern für die Familien geben. Das ist eine beachtliche Leistung und das funktioniert nur, weil es in den einzelnen Orten Menschen gibt, die sich mit viel Herz dafür engagieren. Die viel Zeit investieren, um mit den Kindern für Krippenspiele zu üben und die die Feiern selbst gestalten.

Gibt es bei den Gläubigen die Erwartungshaltung, dass an Heiligabend der Pfarrer in „ihrer“ jeweiligen Kirche einen Gottesdienst zelebrieren muss?

Bruckes: Es kann sein, dass mancher es schade findet, wenn der Pastor nicht in seiner Kirche ist. Aber es gibt ja zur Weihnacht keine Gottesdienste erster oder zweiter Klasse. Es geht schließlich nicht um den Pfarrer, der vorne steht, sondern um das Kind, das in der Krippe liegt.

An den Weihnachtstagen werden die Kirchen vermutlich wieder gut besucht sein – auch von Leuten, die im übrigen Jahr nicht kommen. Sehen Sie das eher mit Freude oder mit Bedauern?

Bruckes: Ganz klar: Ich freue mich, wenn die Kirche voll ist. Heiligabend ist jeder herzlich willkommen. Auch die, die meinen, eben nur an diesem Tag kommen zu müssen. Es ist ja eine gute Gelegenheit dieses Gemeinschaftsgefühl zu spüren – und es dann später vielleicht noch einmal zu wollen.

Warum kommen so viele Menschen denn ausgerechnet zum Weihnachtsfest in die Kirche?

Bruckes: Ich glaube, dass Weihnachten bei den Menschen immer noch große Sehnsüchte wachruft. Den Wunsch danach, so zu sein, wie sie gern sein würden, aber in der heutigen technisierten Zeit oft nicht sein dürfen. Beim Blick in die Krippe wird sicher mancher daran denken, wie schön es wäre, manchmal wieder ein Kind sein zu können.

Hören Sie das auch von den Besuchern?

Bruckes: Ja. Im vergangenen Jahr hat einer vor der Christmette zu mir gemeint: ‚Sie müssen in der Predigt etwas sagen, das das Herz wärmt.‘ Genau das suchen die Leute zur Weihnachtszeit. Auch die alten Weihnachtslieder, die gemeinsam gesungen werden, tragen viel dazu bei.

Kennt die jüngere Generation denn überhaupt noch deren Texte?

Bruckes: Die Jugendlichen nicht mehr. Oder vielleicht noch die erste Strophe von dem ein oder anderen Lied. Deshalb verteilen wir Liedzettel – denn das Mitsingen macht allen nach wie vor große Freude. Die alten Lieder sind den Menschen immer noch vertraut.

Welches ist Ihr liebstes Weihnachtslied?

Bruckes: Der Klassiker: Stille Nacht. Das singt man zwar rauf und runter – aber wenn es zum Abschluss eines Gottesdienstes in einer abgedunkelten Kirche erklingt, ist es jedes Mal aufs Neue ergreifend.

Hat sich das Weihnachtsfest in der modernen Welt verändert?

Bruckes: Ja. Ich habe oft den Eindruck, dass mancher Weihnachten schon gefeiert hat, bevor es überhaupt beginnt. Die Weihnachtsmusik, die früh im Radio gespielt wird, die vielen Weihnachtsmärkte – wir haben das Fest immer weiter nach vorne geholt. Und wenn es dann tatsächlich stattfindet, sind viele geradezu übersättigt.

Was wäre Ihr Wunsch?

Bruckes: Dass man das Warten genießt und die Vorfreude auf das Fest. Um dann, wenn es so weit ist, das Fest selbst genießen zu können. Es als ein Geschenk zu sehen.

Apropos Geschenk: Wie stehen Sie zu dem Konsum, der das Fest begleitet?

Bruckes: Ich verdamme das nicht. Geschenke gehören zum Fest – natürlich in Maßen. Aber dazu gehört eben auch die Feier des größten Geschenkes, das Gott uns gemacht hat: Dass er durch Jesus einer von uns geworden ist.

Wie verbringen Sie das Fest? Bleibt genug Zeit für Privates?

Bruckes: Ja. Den Heiligabend verbringe ich in aller Ruhe. Am Nachmittag des ersten Weihnachtstages feiere ich mit meinen beiden Brüdern und deren Familien. Auch bei einem Pfarrer bleibt Weihnachten Luft, die Beine auch mal unter einen Tisch zu legen.

Also nicht zu viel Stress durch die Feiertage?

Bruckes: Nein. Es ist insgesamt mehr zu tun, das ist schon klar. Zumal ja auch Dinge liegen bleiben. Beerdigungen gibt es erst nach dem Fest wieder. Das geht stramm durch bis zum neuen Jahr. Und besondere Gottesdienste wie zur Weihnacht bedürfen auch einer besonderen Vorbereitung. Aber es ist eine Aufgabe, die mir viel Spaß macht. Ich freue mich darauf.

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