Patient und Arzt profitieren vom „Sureshot”

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Blick in den OP: Dr. med. Markus Graf, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Medizinischen Zentrum Städteregion Aachen, operiert als erster im Rheinland mit dem neuen magnetfeldgeführten „Sureshot”.

Würselen. Die Zeiten der reinen Gipsversorgung sind lange vorbei: Ein Knochenbruch muss in der Regel unfallchirurgisch versorgt, die Knochenfragmente müssen dabei aufwändig refixiert werden.

In der Schlussphase der „Marknagelosteosynthese” musste der Operateur den Knochen bislang freihand „verriegeln”, das heißt im Knochen fixieren. Er und der Patient wurden dabei der Strahlenbelastung des „Bildwandlers” ausgesetzt.

Ein innovatives Instrumentarium, das seit August in der Wiederherstellungschirurgie des Medizinischen Zentrums (MZ) Städteregion Aachen in Würselen zum Einsatz kommt, sorgt für präzise Ergebnisse bei gleichzeitiger Senkung der Strahlenbelastung und der OP-Dauer.

Das MZ ist das einzige Krankenhaus im Rheinland, in dem mit einem „Sureshot” gearbeitet wird. Dr. med. Markus Graf, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am MZ, wird das neue OP-Verfahren auf der Vital-Aktivmesse vorstellen, die am Wochenende im Aachener Eurogress stattfindet.

„Es ist egal, ob der Knochen bei einer einfachen Fraktur glatt in zwei Teile bricht oder zum Beispiel bei einer Trümmerfraktur in mehrere, teilweise kleine Fragmente splittert: Ein erfahrener Unfallchirurg muss die Einzelteile präzise refixieren, damit der Knochen wieder stabilisiert und korrekt zusammen wachsen kann. Sonst kann es zu einer Fehlstellung des Knochens kommen”, erläutert Dr. Graf.

Weniger Strahlenbelastung

Die moderne Unfallchirurgie nutzt für solche komplexen Fälle der großen Röhrenknochen (Oberschenkel, Schienbein, Oberarm) das Verfahren der so genannten Marknagelosteosynthese: Ein Nagel wird während eines operativen Eingriffs in den Markraum des Röhrenknochens eingeführt, die Knochenfragmente werden regelrecht „aufgefädelt”.

Mit Hilfe von speziellen Schrauben werden die einzelnen Knochenfragmente zurück an die Bruchstelle gezogen („Kompression”), damit sie an ihrem Ursprungsort wieder anwachsen. Die Operation endet mit der „Verriegelung” des Marknagels: Er wird am unteren Ende mit einer Schraube am Knochen fixiert, um das Konstrukt ruhig zu stellen und gegen Rotation zu schützen.

„Für die Marknagelosteosynthese und vor allem für die abschließende Verriegelung des Nagels hilft einem nur die eigene Erfahrung. Wir können ja während des Eingriffs nicht in den Körper des Patienten hineinsehen. Dafür verwenden wir den „Bildwandler” als Unterstützung”, erklärt Dr. Graf das bisherige Vorgehen.

Der Bildwandler macht während der OP Röntgenaufnahmen in Echtzeit und zeigt sie auf einem Bildschirm, damit sich der Operateur im Raum orientieren und die Instrumente im Körper des Patienten führen kann. Dieses als „Freihandtechnik” bezeichnete Vorgehen bei der Verriegelung birgt einige Herausforderungen: „Arzt und Patient sind durch die Verwendung des Bildwandlers einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt, allein für die Verriegelung am Ende des Eingriffs zwischen 15 Sekunden und 2,7 Minuten”, sagt der Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie.

Daneben spielt die Dauer der Operation eine wichtige Rolle: Der Bildwandler muss mehrfach positioniert und umgeschwenkt werden. Das kostet Zeit, verlängert den Eingriff deutlich und steigert das Infektionsrisiko für den Patienten. Abschließend ist es - bei aller Erfahrung des Arztes - eine Freihandtechnik. Positionsfehler bei komplexen Brüchen sind nicht auszuschließen.

Mit dem neuen magnetfeldgeführten „Sureshot” Instrumentarium, das Dr. Graf und sein Team nun bei der Verriegelung von Brüchen unterstützt, kann das nun anders werden.

„Im Marknagel verläuft eine Empfängersonde. Am Gegenstück, der Bohrhülse für die Verriegelungsschraube, befindet sich ein Sender, der ein elektromagnetisches Feld erzeugt. So kann er uns anzeigen, wohin die Schraube im Raum geführt werden muss”, erklärt Dr. Graf die neue Technik.

Das System berechnet Position und Achsausrichtung des Bohrers zum Schraubenloch des Marknagels. Eine Schnittstelle mit Monitor verbindet Sender und Empfänger miteinander und zeigt in 3-D die Ausrichtung des Bohrers in Echtzeit.

Für den Arzt und den Patienten bedeutet das eine deutliche Entlastung: Die Schraube kann nicht nur präzise und sicher fixiert werden. Die Verwendung des Bildwandlers bei der Verriegelung wird überflüssig, so dass sich die Strahlenbelastung während des Gesamt-Eingriffs deutlich reduziert. Die OP-Dauer sinkt und die damit einhergehenden Belastungen und Risiken für den Patienten.
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