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Patent gefunden: Haben Mariadorfer Vorläufer der Stechuhr erfunden?

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Toni André ist ein wahrer Experte für die Alsdorfer Geschichte. Foto: Schaum

Alsdorf. Es gibt Dinge, die selbst ein Toni André nicht im Archiv hat. Und dabei sollte man eigentlich denken, dass dieser Heimatdichter schon so ziemlich jedes historische Foto, jedes Buch und jede Urkunde entdeckt hat, die man über Alsdorf finden kann.

Aber jetzt hat der Mariadorfer im Internet etwas Kurioses ersteigert: Eine Patentschrift zweier Mariadorfer, die vor mehr als 100 Jahren offenbar einen Vorgänger der Stechuhr erfunden haben.

Ausgestellt hat diese Urkunde mit der Nr. 102058 das Kaiserliche Patentamt, und zwar am 21. April 1898. Lange her, entsprechend vergilbt ist das Schriftstück, für das der 84-jährige Heimatforscher 25 Euro hingeblättert hat. „Der Verkäufer wollte zunächst 35 Euro haben“, sagt André – doch da sich kein weiterer Interessent für das Dokument fand, gab er sich mit weniger zufrieden. Ist ja auch ein recht spezielles Angebot, diese Urkunde. Wie der Mann an die Patentschrift kam, weiß Toni André nicht. „Der Kontakt im Internet war nur sehr kurz“, sagt der Mariadorfer – denn die virtuelle Welt ist auch nicht so wirklich seine.

Da sind ihm handfeste Dinge lieber – und diese Urkunde sei so ein Ding. Und was für eins! Auf zwei Seiten finden sich Erklärungen zu einem „Elektrischen Arbeiter-Kontroll-Apparat“. Mit ihren Metallmarken sollten Fabrikarbeiter oder die Kumpel in den Bergwerken bei Beginn der Schicht einen Zylinder füttern. Mit Hilfe von Elektromagneten, einer Uhr und Kolben wurden die Marken so in dem Zylinder weitergeschoben, dass am Ende des Tages die Zeit ablesbar war, die der Arbeiter verbracht hatte.

Das dient dem Schutz

Ob das dazu dienen sollte, die Arbeitszeit zu überwachen, steht nicht in der Urkunde. „Das kann auch mit Sicherheit zu tun gehabt haben“, ahnt André. „Man konnte am Ende der Schicht ja sehen, wer seine Marke abgeholt hatte. So wusste man auf der Zeche, ob noch ein Kumpel unten war.“ Theoretisch jedenfalls – denn ob der Kontroll-Apparat tatsächlich eingesetzt wurde, bleibt offen. Seine Erfinder seien jedenfalls nicht ganz unbekannt, sagt der neue Besitzer der Patentschrift.

Johannes Hirtz war einst Betriebsführer auf dem Förderschacht Maria Reserve in Mariadorf, Servatius Peisen war Leiter des Grubenrettungswesens auf Maria Hauptschacht. Das weiß Toni André, weil er Unterlagen über beide in seinem großen Archiv hat. Aber dass diese Herren auch Erfinder waren – das hat selbst ihn noch überrascht.

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