Ofdener bewerten Masterplan kritisch

Von: Holger Bubel
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Wenn „Vereinsmensch“ Bert Ludwig (l.) sprach, waren das deutliche Worte: Dann hörten auch Moderator Peter Steingass (v.r.) „Dorv“-Projektmanager Jürgen Spelthann, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Markus Conrads, Matthias Otte (Bauleitplanung Alsdorf), Pfarrer Ulrich Eichenberg und Gastwirt Helmut Wernerus genau hin. Foto: Holger Bubel
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Das Interesse war groß: Auch nach der über zweieinhalbstündigen Veranstaltung diskutierten und kritisierten noch viele Besucher den Masterplan. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Auch wenn es die elfte Auflage war und zudem noch am 11. des Monats stattfand: Das jüngste Stadtgespräch, organisiert und veranstaltet von der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing Alsdorf und unserer Zeitung, war keineswegs närrisch. Und auch wenn es in die Adventszeit fiel, besinnlich war es auch nicht.

Im Gegenteil: Der Titel „Mein Ofden“ war gut gewählt. Denn dass die Ofdener ihren Stadtteil auch als ihren betrachten, das wurde spätestens bei den ersten Fragen, Anmerkungen und auch kritischen Worten an Politik und Verwaltung im offenen Teil des über zweieinhalbstündigen Gesprächs deutlich. Schon bei den Beiträgen der Protagonisten auf der Bühne der Festhalle Ofden entfuhr dem einen oder anderen im Auditorium ein Seufzer der Ablehnung, des Unglaubens und der Verzweiflung ob der Dinge, die da gesagt wurden – von den Podiumsteilnehmer ganz vorne blieben diese aber zumeist unerhört.

Über 200 Interessierte

Bevor Matthias Otte von der Bauleitplanung der Alsdorfer Verwaltung den über 200 interessierten Einwohnern den „Masterplan Ofden“ vorstellte, leitete Bürgermeister Alfred Sonders die vom Stadtmarketing-Vorsitzenden Peter Steingass und Karl Stüber, Redakteur unserer Zeitung, moderierte Veranstaltung persönlich ein: „Der Masterplan ist noch nicht fertig. Auf den Grundlagen Ihrer Vorstellungen und Interessen wollen wir ihn weiter ausbauen und die Weichen für die nächsten Jahren stellen. Diese Veranstaltung dient dazu, ein Meinungsbild zu erhalten.“ Dem Stadtmarketingverein und unserer Zeitung als Veranstalter attestierte Sonders dabei den Status einer „kritischen und neutralen Instanz“.

Auch Matthias Otte betonte, dass es sich bei dem Masterplan Ofden um einen „vorläufigen Entwurfsplan handle“, der als noch nicht ausgereifte Antwort auf die Probleme und Herausforderungen des Stadtteils – die da vornehmlich wären: demografischer Wandel und Strukturwandel – verstanden werden müsse. Der Masterplan, der „keine direkte Rechtswirkung“ habe, solle unter Beteiligung von Bürgern und Politik Antworten finden: „Gefragt sind jetzt Ideen“, sagte Otte.

Drei Entwicklungsschwerpunkte stünden dabei auf der Agenda. Bauen und Wohnen: „Hier muss Ofden für alle Generationen entsprechenden Wohnraum anbieten, im Bestand, durch Neubauten und durch altersgerechte Wohnalternativen.“ Hierbei, so stellte sich im Verlauf des Vortrags heraus, soll der Schwerpunkt auf eine Randbebauung der Festwiese, der Flächen des derzeitigen VabW und des Gymnasiums und der Realschule gelegt sowie Altbestand durch verschiedene Maßnahmen aufgewertet werden.

Gemeinwesen: Hier soll vornehmlich auf der „Einkaufsmeile“ Theodor-Seipp-Straße Bestehendes gestärkt und Leerstehendes attraktiviert werden, ein „Dorv“-Laden könnte entstehen, um die Nahversorgung sicher zu stellen und eine Anlaufstelle zum gemeinschaftlichen Miteinander zu schaffen. Ein Generationenbüro solle Bürger unterschiedlichen Alters vereinen.

Großes „Aber“ folgt

Freiraum und Landschaftsraum: Räume und Flächen sollten bewahrt, aufgewertet und weiterentwickelt werden, skizzierte Otte diesen von der Verwaltung ausgearbeiteten Punkt. Streuobstwiesen, Barierefreiheit, Ortsrandbegrünung, Anbindung an das Broichbachtal... Matthias Otte betonte am Ende seines Vortrags, dass die insgesamt 23 angeregten Projektvorschläge nicht fix seien. „Diese müssen im einzelnen überprüft werden“, schloss er.

Viel Lob erhielt der Verwaltungsmann für seine Ausführungen – sogar aus den Reihen des Auditoriums. Doch dann das „Aber“, das sich immer deutlicher herauskristallisierte: Jürgen Spelthann, seines Zeichens „Dorv“-Projektmanager konnte in Ofden nur wenig Überzeugungsarbeit leisten.„Wir brauchen keinen solchen Laden“, machte Markus Conrads, stellvertretender Vorsitzender der Siedlergemeinschaft ohne Wenn und Aber ganz schnell klar: „Wir haben hier alles, was wir benötigen.“ In Frage käme hingegen ein Dienstleistungsbüro, wo es unmittelbare Hilfe gäbe, ohne dafür in die Innenstadt fahren zu müssen.

Unterstützung erfuhr Conrads dabei von Bernd Schmidt aus der örtlichen Kaufmannschaft. Damit war das Thema abgefrühstückt. Schmidt kritisierte aber auch: „Die Ofdener schimpfen über vieles, nehmen aber bestehende Angebote nicht an. Gerade einmal 30 Kunden habe ich am Tag: Wo sind die übrigen 2470 Einwohner?“, fragte er. In die Kritik – wenn auch verhalten – ging Gastwirt Helmut Wernerus mit dem vorgestellten Masterplan um: „Die Leute wollen das nicht. Wenn VabW und Schulen verschwinden, bekommt der Einzelhandel Probleme“, mutmaßte er.

Deutlichere Worte fand der als „Vereinsmensch, pensionierter Lokomotivführer und Immobilienmakler“ vorgestellte Bert Ludwig: „Man merkt, dass den Masterplan kein Ofdener gemacht haben kann“, führte er seine Standpunkte ein: „Der VabW ist ein Denkmal der Ofdener Historie. Er gehört zu den Punkten in Ofden, die man einfach nicht missen will.“ Wie auch die Schulen: „Ich glaube nicht, dass je dort gebaut wird, die Wohnlage dort ist unattraktiv“, mahnte er auch, „nicht in die bestehende Struktur einzugreifen“. Eine in Aussicht gestellte Senioren- und Betreuungseinrichtung auch für jüngere Hilfebedürftige auf dem Gelände des jetzigen Realschulgebäudes stellte Friedel Wirtz aus dem Auditorium arg in Frage: „Wie sollen Rollstuhlfahrer oder Ältere mit Rollator Steigungen und abschüssige Wege händeln?“, spielte er auf die Hanglage der frei werdenden Fläche an. Die Kritik ließ nicht nach, besonders am (bereits feststehenden) Abriss des VabW: „In dem bereits engen Kernbereich Ofdens gibt es schon jetzt keinen Parkraum. Mit neuen Häusern kommen auch mehr Autos nach Ofden“, monierte Werner Reichstein. „Mit dem Abriss und den Neubauten geht Wohnqualität in Ofden verloren“, befürchtete Annemarie Beckers. „Eine jetzt gewünschte Bürgerbeteiligung wurde bei der Diskussion über das VabW-Gebäude noch von Verwaltung und Politik abgeblockt. ich bin skeptisch, wie ernst der jetzige Aufruf nach Beteiligung ist“, sagte ein erboster Frank Beitz. „Die geplante Bebauung mit so viel Häusern wie möglich“, fuhr er fort, „ist nur der Geldbeschaffung für die Stadt geschuldet.“ Applaus, Applaus... Beitz fuhr fort: „Was passiert mit den alten Häuser, die durch Todefälle leer werden? Die will dann doch keiner mehr haben!“

Bürgermeister Alfred Sonders räumte ein: „Der Nachfragedruck an Wohnraum ist in Alsdorf ungebrochen hoch, egal, ob es dabei um leer stehende Häuser oder Baugebiet geht.“ Und: „Wir können es uns nicht erlauben, ein Gebäude wie das des VabW ohne Nutzen weiter zu bewirtschaften. Das sind Kosten, die alle Alsdorfer tragen müssen – und nicht nur die Ofdener.“ Weitere Kritik und Fragen aus den Reihen des Auditoriums: schlechte Straßen und Wege, wenig Aufenthaltsqualität für Jugendliche, ein „heruntergekommenes Freizeitgelände“, schlechte Internet-Infrastruktur...

Und dann auch noch keine evangelische Kirche mehr, nach der Endwidmung des Gotteshauses an der Theodor-Seipp-Straße. Darauf ging Pfarrer Ulrich Eichenberg ein: Finanziell können wir uns drei Kirchenhäuser in Alsdorf nicht leisten.“ Weil den Ofdenern das Gebäude jedoch emotional nahe ist, habe man es stehen zu lassen.

Was halten Sie, liebe Leser, vom „Masterplan Ofden“? Haben Sie auch Ideen dazu? Schreiben Sie uns Ihre Meinung und Anregungen unter www.leser-meinung.de.

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