Norbert Blüm zu Gast bei „Kultur nach Acht”

Von: mas
Letzte Aktualisierung:
blümbild
Legte seine Version Deutschlands im Jahre 2010 dar: Ex-Minister Norbert Blüm (rechts). Jürgen Beckers moderierte gekonnt und dezent. Foto: (ssc)

Baesweiler. Diesmal verzichtete Norbert Blüm auf sein geliebtes Altbier. „Ich bin ja mit dem Auto hier, und die A4 ist gefährlich”, sagte der Bundesminister a.D. „Löwenherz”-Gastronom Willi Köhnen in der Pause.

Blüm hatte vielleicht noch seinen Besuch 1994 in Floverichs Gaststätte Schaaf vor Augen. Als er zu Beginn einer CDU-Wahlveranstaltung kurzerhand seinem Leibwächter entwischte, hinter die Theke stürmte und vor den Augen des verdutzten Gastwirtes „Schoofe Jupp” sein eigenes Alt zapfte.

Was schon damals dafür sprach, dass sich der ehemalige Arbeits- und Sozialminister in Baesweiler sehr wohl fühlt.

Am Donnerstagabend kam er zum vierten Mal nach Baesweiler. Bei „Kultur nach Acht” tauschte sich der gebürtige Rüsselsheimer mit Jürgen Beckers in der Alten Scheune der Burg zwei Stunden lang aus.

Dass der 74-Jährige dabei ein Heimspiel hatte, wurde schon nach dem dritten Blümschen Satz klar. Was mit Opel passiert, „wird im 57. Stock irgendwo in Detroit von Autisten entschieden”, holte sich Blüm mit seinem Pfeil aufs General-Motors-Management den ersten starken Beifall ab. Garniert mit der nächsten Bemerkung: „GM? Das sind maskierte Planwirtschaftler.”

Trotz des Einstiegs mit einem ernsten Thema gestaltete sich ein von Heiterkeit durchzogener Abend. Jürgen Beckers erwies sich dabei als professioneller Moderator, der seinem Gast so gut wie gar nicht ins Wort fiel und punktuell seinen Fragenkomplex an den Mann brachte. Den Menschen Blüm wirken lassen, das verstand und gelang Jürgen Beckers auf sehr angenehme Weise.

Spitze Bemerkungen

Wie geht der Bundesminister außer Dienst mit seinem „neuen” Leben um? Blüms Antwort: „Was ich heute mache, bestimme ich selbst. Heute bin ich freier, nach 16 Jahren Maloche”, reflektierte der Doktor der Philosophie im Rückblick auf seinen letzten Job im Bundeskabinett.

„Der Bundestag hatte früher mehr Typen”, sagte Norbert Blüm, der unzufrieden auf die neue Politikergeneration blickte: „Vom Unisitz direkt auf den Parlamentssitz - das ist eine Abkürzung, die der Demokratie schadet.”

Probleme mit einem möglichen Machtverlust habe er nicht. „Macht, was ist das? Meine Macht hat doch darin bestanden, auf Marktplätzen mit faulen Eiern beworfen zu werden.” Bei der Betrachtung seiner Weggefährten im Bundestag machte Blüm spitze Bemerkungen, die das Publikum immer wieder mit großem Applaus begleitete.

„Helmut Schmidt war der beste Ableser, den ich je gekannt habe”, meinte er etwa. Blüm nahm sich aber auch selbst auf die Schippe und zeigte, auch herzhaft über sich selbst lachen zu können.

„Wenn Sie mich dagegen gehört hätten, wären Sie der Meinung gewesen, ich bin Legastheniker.” Wirtschaft, Politikverdrossenheit, Sozial- und Rentenpolitik - Norbert Blüm ist in jedem Thema noch mittendrin.

Manchmal argumentiert er derart temperamentvoll, als würde er jeden Moment aus dem Lehnsessel herausspringen. So auch, als Jürgen Beckers den Blüm-Satz schlechthin ansprach: „Die Rente ist sicher”.

Wie hoch die Familienverbundenheit des auch mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst” ausgezeichneten Preisträgers ist, durften die Besucher zum Ende des gemeinsamen Abends in tiefer Emotionalität erfahren.

Der Autor las aus seinem Buch „Aus heiterem Himmel”. Die Liebe zur Familie, zu den Kindern, zur Oma Babette: der von Statur kleine Mann legte ein paar Augenblicke seines Lebens dar. Ein Leben, das Größe in jeder Hinsicht hat.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert