„Night Wash”: Rasant, witzig und böse

Von: Lars Odenkirchen
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Würselen. Lachen im Schleudergang: Was Klaus-Jürgen Deuser und der Rest vom „Night Wash”-Team beim „Summer-Club” auf Burg Wilhelmstein auf die Bühne zauberten, verdient eine ganze Menge von Adjektiven. Turbulent war es, witzig, unterhaltsam und vor allem gekonnt.

Geradezu im Sturm eroberten die Künstler dabei die Zuschauer: Vom ersten Moment an, als die Pink Poms, nach eigener Aussage Europas erste schwule Cheerleadergruppe, die Bühne betraten, gab es für die rund 1000 Zuschauer kein Halten mehr.

Weit über die Mauern der ausverkauften Burg hinaus war das Publikum dann wohl schon zu hören, als Moderator Klaus-Jürgen Deuser die Bühne betrat. Der führte mit soviel Witz durch das Programm, dass man ihm alleine wohl schon zwei Stunden hätte zuhören können. Nur zum Freund möchte man ihn nach so manch bösem Spruch vielleicht nicht haben. „Sei nicht traurig” habe er zuletzt zu einem Freund gesagt, „deine Freundin ist ja nicht ganz aus deinem Leben verschwunden, sie ist ja jetzt mit mir zusammen.”

Schon bald räumte Deuser aber zum ersten Mal die Bühne und machte Platz für den ersten Künstler, Schauspieler und Comedian Thomas Nicolai. Der setzte sich zunächst mit amateurhaften Lokalwerbung im Kino auseinander, schoss danach als gebürtiger Leipziger ein paar politisch unkorrekte Witze über die neuen Bundesländer nach („Was sagt in Meck-Pomm der Vater wenn er ins Kinderzimmer geht? Ich schau mal nach dem Rechten.”) und glänzte danach mit einer Persiflage auf Klaus Kinski und Dieter Hallervorden.

Ebenso gut kam aber auch der nächste Künstler an: Markus Barth wechselte zwar die Themen, blieb aber erfrischend frech, immer ein bisschen böse und war dabei ein ganzes Stück tiefsinniger als sein berühmter Namensvetter Mario aus Berlin.

Barth philosophierte nicht nur über twitternde Selbstmordattentäter und die kleinen Gemeinheiten unserer Nachbarn aus der Schweiz („Machen wir mal was böses, erfinden wir a Schoki die dreieckig ist, so dass man sich den Gaumen aufreißt”), sondern nahm auch Berlusconi und Sarkozy („eine Mischung aus James Bond und dem verliebten Stinktier aus Bugs Bunny”) aufs Korn.

Musikalisch wurde es dann mit Michael Krebs: Der spielte vor und direkt nach der Pause an Stromgitarre und Keyboard groß auf, wobei die Texte weder jugendfrei noch zahm blieben. Wie einen Rockstar feierten ihn dann auch die begeisterten Zuschauer, so dass er Moderator Deuser nur zurief: „Das wars wert, selbst wenn du mich jetzt rauswirfst, nach Würselen kann eh nix besseres mehr kommen!”

Als vierter Künstler kam schließlich noch Johannes Flöck auf die Bühne. Bei ihm ging es zunächst um die Probleme eines Koblenzers in Köln, ehe er über die Gebrechen des Alters herzog („40 ist der Zeitpunkt, ab dem das „Happy” und das „Birthday” getrennte Wege gehen.”)

Den Schlusspunkt setzten dann noch einmal die „Pink Poms”, bevor Deuser, Musiker Alex Flucht und die vier anderen Künstler zur kurzen Zugabe auf die Bühne kamen. Warum das Format es im Fernsehen und auf der Bühne zu Kultstatus gebracht hat, war am Ende des Abends wohl jedem klar: Night Wash ist rasant, ein bisschen böse, politisch nie zu korrekt, durchaus tiefgängig aber dabei nicht verkopft.

Gekonnt schafften es an diesem Abend jeder der Künstler, die Bälle aus dem Publikum nicht nur aufzunehmen, sondern auch zurückzuspielen. Künstler und Publikum brachten gemeinsam die vertraute Atmosphäre des sonst eigentlich eher auf der kleinen Bühne beheimateten „Night Wash” auch auf die großen Open-Air Bühne. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass das der zweite „Night Wash Summer Club” auf Burg Wilhelmstein nicht der letzte war.
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