Herzogenrath - Neues Projekt ergänzt die AZ/AN-Hilfsaktion „Kindermahlzeit”

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Neues Projekt ergänzt die AZ/AN-Hilfsaktion „Kindermahlzeit”

Von: Beatrix Oprée
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Kinder liegen der DJK Elmar Kohlscheid am Herzen: Deswegen stiftete sie die Einnahmen durch Anzeigen in der Festschrift zum 100-Jährigen der „Kindermahlzeit”. Einen Scheck über 1000 Euro überreichten Vorsitzender Dieter Tinnemann (hinten 2.v.r.) und Leichtathletik-Abteilungsleiter Karl-Heinz Tinnemann (r.) an Schirmherrin und Vize-Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk (3.v.l.) und Redakteurin Beatrix Oprée. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Kinder in Hartz-IV-Familien sind zunehmend die Leidtragenden. Sobald das zweite oder dritte Kind in den Kindergarten kommt, können sich viele Eltern das Mittagessen dort nicht mehr leisten. Damit Kinder dann nicht einfach abgemeldet werden, springt in Herzogenrath die AZ/AN-Hilfsaktion „Kindermahlzeit” ein. Die Servicestelle „moliri” bietet jetzt ergänzend dazu ein Haushaltsorganisationstraining an.

Mit einer Teilfinanzierung, erläutert Monika Jentzen-Stellmach, die zusammen mit ihrer Kollegin Birgit Beck Teran im Rahmen des Caritas-Projekts „moliri”, der Servicestelle für Familiengesundheit, im Auftrag der Stadt dort ansetzt, wo es am meisten brennt. Und die Probleme wachsen.

„Wir verzeichnen vermehrt Wiederholungsanträge”, sagt Jentzen-Stellmach. Denn die Notsituation manifestiert sich, ein finanzieller Engpass kann eine ganze Kettenreaktion auslösen. „So besteht zum Beispiel kein Anspruch auf einen Trockner. Geht ein Gerät kaputt, wird es nicht ersetzt. Faktisch geht es in einer Familie mit mehreren Kindern aber nicht ohne”, erläutert die Diplom-Sozialarbeiterin die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben können, dass nach der neuen Regelung alle Ausgaben über den Regelsatz abgedeckt sein sollen.

Das gilt auch, wenn die Waschmaschine den Geist aufgibt. „Eine unserer Mütter ist auch schon aufgefordert worden, sich doch eine Kochplatte anzuschaffen, als das Geld für einen neuen Herd nicht mehr reichte. Wie soll man so für eine ganze Familie sorgen?” Zwar könnten die Sachbearbeiter nach Ermessen einen Vorschuss auf die Leistungen auszahlen, „doch dann haben die Familien Schulden bei der Arge. Und Schulden aus einer vorübergehenden Notlage schleppt man mit sich, ohne Chance, sie zurückzahlen zu können.”

Ein weiteres Problem sind Fahrtkosten, etwa zum Arzt oder Krankenhaus. „Ein kranker Partner hat noch Verständnis, wenn er nicht besucht wird. Aber ein Kind?” Jentzen-Stellmach schildert die Situation einer jungen Mutter, die dreimal wöchentlich einen Fortbildungslehrgang besucht. Ihre Kinder bringt sie in den Kindergarten in Merkstein, marschiert dann mehrere Kilometer zur Bushaltestelle, denn erst ab der Tarifzonengrenze wird ihr Ticket ersetzt. An zwei anderen Tagen läuft sie zur Tafel in Herzogenrath-Mitte, um preiswert Lebensmittel einzukaufen. Findet sie dort das Passende, gönnt sie sich mit den schweren Taschen eine Rückfahrt.

Sozialer Stress

„Der Anteil an Alleinerziehenden, die Hilfen in Anspruch nehmen müssen, ist riesig”, berichtet Jentzen-Stellmach. Meist sind es Frauen, die häufig nur 400-Euro-Jobs annehmen, um sich um die Kinder kümmern zu können. Wenn dann der Unterhalt des Ex-Mannes ausbleibt, wächst die Not - „ein Vorschuss wird nur noch für Kinder bis zwölf Jahre gewährt”. Trotz aller Frusterlebnisse, so stellt die Sozialarbeiterin fest, sei bei den Frauen die Motivation sehr hoch, zu jobben: „Das Klischee eben stimmt nicht. In der Regel ruht sich niemand in Hartz IV aus. Wer legt schon gerne einem Sachbearbeiter seine Notsituation dar?”

Sozialer Stress schafft in den Familien ein Klima, unter dem die Kinder am meisten leiden. Statistiken belegen die negativen Folgen von Kinderarmut bereits über Jahre hinweg. Jugendbanden etwa seien auf dem Vormarsch. „Deshalb sind wir froh, an den Caritasverband angeschlossen zu sein”, hofft Jentzen-Stellmach so auch auf den Anstoß einer politischen Diskussion. „Denn auf dem sozialen Sektor sehe ich in der letzten Zeit politisch wenig positive Änderungen”, stellt sie vorsichtig fest. Umso wertvoller seien deswegen die kleinen positiven Schritte, die eine Familie unterstützen. „Aber im Grunde helfen wir nur, die Armut zu managen.”

Ein neues Projekt, das HOT - Haushaltsorganisationstraining - soll die Alltagskompetenzen junger Mütter fördern, vom Umgang mit den Finanzen über die Haushaltsorganisation bis hin zur Ernährung. Entsprechende Broschüren sind an alle Antragsteller auf Unterstützung durch die „Kindermahlzeit” verteilt worden, der Bedarf war per Fragebögen ermittelt worden. Das neue Projekt, das vormittags in Kindergärten angeboten werden soll, ist als Ergänzung der Kindermahlzeit gedacht - damit Familien nicht nur Hilfeempfänger sind, sondern auch fit für den Alltag gemacht werden.
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