Neuer Glanz unter goldenen Sternen

Von: ath
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Die beiden Rentabeln über den Seitentüren bekommen neue Unterbauten: Vertreter von Pfarre, Bistum, Landschaftsverband und Stadt mit Pfarrer Intrau (Mitte) sowie den Architekten Bernd Matthiesen (Sanierung/5.v.r.) und Elmar Paul Sommer (Raumgestaltung/4.v.r.) vor dem bisherigen Hochaltar. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Risse in Mauern und Gewölben, abblätternde Farbe an den Wänden: Dringend sanierungsbedürftig ist Merksteins barocke Pfarrkirche St. Willibrord. Auch Elektrik und Beleuchtung sollen erneuert werden. Die Renovierung ist Anlass, auch den Altarraum umzugestalten.

Nach dem letzten Gottesdienst am Sonntag, wird das Mobiliar ausgeräumt, Orgel und Hochaltar eingerüstet. Bänke und Zelebrationsaltar werden in St. Thekla gelagert, Bilder und Figuren im Kinderheim. „Zuerst werden dann die Risse inspiziert. Wir können aber ziemlich sicher sagen, dass es hier keine statischen Probleme gibt”, erläutert Architekt Bernd Matthiesen.

Die Schäden seien „bauwerksbedingt”, die Kirche gehe wegen ihrer Konstruktion mit den Jahren in die Breite. Deswegen seien bereits bei früheren Sanierungen Anker eingezogen worden, die für Stabilität sorgen. Nach Sanierung der Risse wird gestrichen: „Die Grundfarbe ist weiß, alle plastisch hervortretenden Elemente werden hellgrau, die Sterne an der Decke golden.”

Damit bildet die Farbgebung den stimmigen Rahmen für die räumliche Umgestaltung. Zurück zu den Wurzeln heißt die Devise. „Die ursprüngliche spätbarocke räumliche Tiefenstaffelung soll wieder hergestellt werden. So hat der Raum am besten funktioniert”, erläutert Clemens Bayer vom Bauausschuss der Pfarre.

Die Kirche, seit Januar Hauptkirche der neuen Großpfarrei St. Willibrord, entstand zwischen 1746 bis 1788. Ihr Altarraum war geprägt vom Hochaltar, der von den Figuren der Muttergottes und des heiligen Willibrord über den Sakristeitüren eingerahmt wurde. Etwas nach vorne versetzt standen links der Marien- und rechts der Willibrord-Altar.

Um mehr Raum zu schaffen, waren die Retabeln (Aufbauten) der beiden Seitenaltäre 1949 über die Türen zur Sakristei versetzt worden. Die beiden Figuren (Spätwerke des Barockbildhauers Gabriel Grupello, der u.a. Hofbildhauer König Karl II. von Spanien und Kaiser Karl VI. war und dessen Tochter den damaligen Merksteiner Schultheißen geheiratet hatte) kamen an die linke Seitenwand.

Aus Kirchenbänken aus dem 17. Jahrhundert entstanden Chorbänke, die so im Altarraum eigentlich nicht vorgesehen waren, und die Kanzel wurde in den Altarraum versetzt. Das soll nun wieder rückgängig gemacht werden. „Seit zwei Jahren planen wir, anfangs noch mit dem alten Kirchenvorstand, mit den Architekten und Vertretern des Bistums und der Denkmalpflege, wie sich dies im erträglichen Kostenrahmen umsetzen lässt”, sagt Pfarrer Heinz Intrau.

Die belaufen sich auf insgesamt 267.000 Euro. Etwas weniger als die Hälfte davon sind durch einen Zuschuss des Bistums, angesparte Mittel aus Kollekten und Spenden sowie Rücklagen der Alt-Pfarrei St. Willibrord gedeckt. Der Rest soll über die Beleihung eines Fonds´ der Alt-Pfarrei und über weitere Spenden finanziert werden.

Das Konzept, auf das sich alle beteiligten Stellen - Fachbereich Kirchbau und Denkmalpflege des Bistums, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und die untere Denkmalbehörde der Stadt Herzogenrath - und die Vertreter der Pfarrgemeinde verständigt haben, sieht wie folgt aus: Die Retabeln der Seitenaltäre werden auf neue Unterbauten gesetzt und wieder an ihren ursprünglichen Standorten aufgestellt.

„Bei den Unterbauten haben wir uns nach vielen Überlegungen für eine moderne Variante entschieden, die sich jedoch harmonisch an die Retabeln anpasst. Außerdem erhalten beide eine neue Funktion, der Marienaltar wird Evangelienthron, der Willibrord-Altar dient als Kredenz”, führt Elmar Paul Sommer aus, verantwortlicher Architekt für die Umgestaltung.

„Nichts Altes vortäuschen”

Eine Lösung, die auch Noemi Welter von der Denkmalpflege des Bistums begrüßt: „Klar, modern, aber stimmig - wir wollen schließlich nichts Altes vortäuschen.” Die beiden Plastiken von Grupello kommen wieder über die Sakristeitüren, die Kanzel zurück in den Kirchenraum. Sie soll bei besonderen Anlässen als Ambo (Wortaltar) genutzt werden. Die Chorbänke werden rechts und links im Joch vor dem Altarraum untergebracht, der Kreuzweg etwas anders verteilt.

Lediglich fünf Sitzplätze fallen durch die Neuordnung weg. Als letzter Schritt wird das Taufbecken wieder in die Taufkapelle versetzt. „Damit kommt die kostbare Ausstattung in rechter Weise zur Geltung und ist besser in die Feier der Liturgie einbezogen”, freut sich der Pfarrer.

Die Kirche wird symbolisch verschlossen

Die vorerst letzte Messe in St. Willibrord wird am Sonntag, 5. September, 11.30 Uhr, gefeiert. Das Allerheiligste wird im Anschluss in einer Prozession nach St. Johannes geleitet, wohin für die Renovierungszeit die Gottesdienste verlegt werden. St. Willibrord wird von Pfarrer Intrau in einer kleinen Zeremonie symbolisch verschlossen.

Die Vorabendmesse am Samstag wird wie gewohnt um 17.30 Uhr, die Sonntagsmesse um 11.30 Uhr in St. Johannes gefeiert. Dorthin wird auch das Rosenkranzgebet am Mittwoch, 18.15 Uhr mit der anschließenden Messe um 19 Uhr verlegt.

Sondergottesdienste (Taufen, Trauungen, Goldhochzeiten und Beerdigungen) finden ebenfalls bis zum Ende der Arbeiten in St. Johannes statt.

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