Herzogenrath - Neue Schwimmhalle in Herzogenrath mit Kunstrasenplatz als Nebeneffekt?

Neue Schwimmhalle in Herzogenrath mit Kunstrasenplatz als Nebeneffekt?

Von: Beatrix Oprée
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Forensberger Straße
Eine mögliche Standortvariante auf dem Sportplatzgelände Forensberger Straße. Grafik: ZVA/Thomas, Karte: mapz.com

Herzogenrath. Dass Planung und Bau rund fünf Jahre in Anspruch nehmen würden, das hatten die Vereine ja schon befürchtet: „Eine Inbetriebnahme des Hallenbades 2023 ist realistisch“, lautet denn auch die Prognose der Verwaltung in der Beratungsvorlage für den Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur, der am Dienstag ab 18 Uhr im Rathaus tagt.

Die Kenntnisnahme des Bäderkonzepts der wassersporttreibenden Vereine steht da an, bei ausdrücklicher Begrüßung der „konsensualen Zusammenarbeit“ aller Beteiligten. Überdies endlich offiziell beschlossen werden soll der „Neubau eines Hallenbads“ – mit einem sechs Bahnen umfassenden Sportbecken (Gesamtwasserfläche 375 Quadratmeter, Tiefe 1,80 bis 3,40 Meter), einem Kurs- und Lehrschwimmbecken mit Treppe und abfallendem Boden (Wasserfläche 180 Quadratmeter – wie es sich die Vereine gewünscht hatten) sowie Massagedüsen, Sprudelliegen, Wasserspeier, Farb-LED und Wärmebänken.

Zudem soll es ein 40 Quadratmeter großes Kleinkinderbecken geben (Wassertiefe abfallend bis 40 Zentimeter). Und die Textilsauna, die das Beratungsbüro GMF aus Neuwied neben den Wasserattraktionen im Sinne der Akzeptanz des Bads ins Gespräch gebracht hatte. Ausgelegt für rund zehn Personen und eine „Niedertemperatur“ von rund 40 Grad.

Automatengastronomie

Neben den üblichen Einrichtungen – von Umkleiden bis Technikräumen – wird eine Automatengastronomie vorgeschlagen. Auch hier folgt die Verwaltung dem Rat von GMF – entgegen einer Anregung der Vereine, die eine externe Gastronomie, etwa durch Anbindung eines „Mini-Supermarkts“, im Blick hatten. GMF halte dies aufgrund ihrer eigenen Erfahrung als Bäderbetreiberin „nicht für sinnvoll und zielführend“.

Dem Vereinsanliegen nicht gefolgt ist die Verwaltung auch in Sachen Beckenbreite: Sie votiert für 15 Meter, die Vereine hatten 16,60 Meter im Sinn. Nicht nur, um Jugendtraining und öffentlichen Badebetrieb parallel stattfinden zu lassen, wie es im Konzept hieß, sondern auch, um die Außenbahnen bei Wettkämpfen „wandfern“ ableinen zu können, wie Axel Amelung, Vorsitzender des Herzogenrather Schwimmvereins, im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzend erläuterte. Und um für Kinder aus Schulen und Vereinen alternativ statt der üblichen 2,50 Meter nur zwei Meter breite Bahnen abtrennen zu können, was die Beckenkapazität auf acht Bahnen erhöhen würde.

Des weiteren in der neuen Halle vorgesehen ist ein Mehrzweck-/Gymnastikraum (100 Quadratmeter, einschließlich Materialraum).

Voraussichtliche Kosten für Grunderwerb, Bau und Ausstattung: nach Vorsteuerabzug rund 15 Millionen Euro, im Wesentlichen durch Darlehen finanziert.

Der jährliche Zuschussbedarf des neuen Bads wird auf 1,3 Millionen Euro beziffert. Die Hallenbäder Mitte und Kohlscheid hätten bis 2014 im Vergleich einen Zuschussbedarf von je 1,1 bis 1,4 Millionen Euro gehabt, so die Verwaltung.

Eine Gegenüberstellung, die Amelung aufstößt, wie er unserer Zeitung ebenfalls darlegte: So seien die 1,3 Millionen Euro zwar buchhalterisch richtig, würden aber eben auch Zinsaufwendungen und Abschreibungen beinhalten. Die reinen Betriebskosten der neuen Halle betrügen vielmehr „nur“ 420.000 Euro jährlich – und das sei „exorbitant weniger“ als der Betrieb der Hallen Mitte oder Kohlscheid jeweils betragen (hätte).

Bleibt die Standortfrage: Zuletzt favorisiert worden war ein Acker an der Roermonder Straße, Höhe Forensberg. Mit den Grundstückseignern, so die Verwaltung, sei man sich bereits handelseinig – vorbehaltlich des Beschlusses im Haupt- und Finanzausschuss.

Doch die FDP hat eine weitere Variante ins Spiel gebracht: das Sportplatzgelände Forensberger Straße. „Um generell zu prüfen, was möglich ist“, sagt Björn Bock auf Anfrage. Schließlich handele es sich hier um städtische Liegenschaften und müsse der dortige Aschenplatz aufgrund von Abflussproblemen irgendwann ohnehin angepackt werden.

Erschließung schon vorhanden

Ob auf dem Aschenplatz oder an anderer Stelle des Geländes das Bad errichtet werden könne, hänge vom Ausmaß des einstigen oberflächennahen Bergbaus ab – vielleicht auch vom Nutzungsbedarf der dortigen Tennisplätze. Auch eine Hausmeisterwohnung, wie sie fürs neue Bad geprüft werden solle, stünde hier schon zur Verfügung, so Bock.

Die Verwaltung regt an, das Sportplatzgelände ebenfalls zu prüfen, um schließlich einen Vorschlag für einen endgültigen Standort vorzulegen: Bergbauliche Einschränkungen seien laut Positivkarte nur im Bereich der (zu sanierenden) rund 100 Parkplätze zu erwarten. Die Erschließung des Bads könnte über die Sportplatzzufahrt erfolgen. Allerdings sei aufgrund des Sportstättenbedarfs eine Umwandlung des benachbarten Rasenplatzes in Kunstrasen nötig (Kosten rund 660.000 Euro).

„Dafür spart man aber neben dem Grundstückskauf den Bau einer kostenträchtigen Erschließung ein, wie sie an der Roermonder Straße nötig wäre“, sagt Bock. Und die laut erster Einschätzung von Straßen.NRW als Eingriff in den fließenden Verkehr durchaus problematisch wäre. Bock bringt auch den Aspekt der Zersiedlung ins Spiel: „Wenn ich einen Acker schonen kann, dann tue ich das.“

 

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