Alsdorf - Neue Liquidität: Bei Cinram keimt Hoffnung

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Neue Liquidität: Bei Cinram keimt Hoffnung

Von: Beatrix Oprée
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Verschiedene Richtungen: Der neue Besitzer könnte einen Strategiewechsel bringen. Foto: Thomas Vogel

Alsdorf. „Unsere Reorganisation” lautet der Betreff des Schreibens, das allen europäischen Mitarbeitern von Cinram International am Montag ins Haus geflattert ist.

„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir eine Reise beendet haben”, sendet Steve Brown, Vorsitzender der Geschäftsleitung im fernen Kanada, freundliche Grüße über den Teich: Am gestrigen Tag habe Cinram Einigkeit erzielt, „alles wesentliche kanadische und US-amerikanische Betriebsvermögen” an den Finanzinvestor Najafi Companies mit Sitz in Phoenix/Arizona zu veräußern. Najafi habe außerdem ein bindendes Angebot für den Kauf aller wesentlichen europäischen Operationen von Cinram (Deutschland, Großbritannien und Frankreich) abgegeben. Brown: „Cinram beabsichtigt, dieses Angebot zu akzeptieren und den Verkauf abzuschließen, sobald die gesetzlich notwendigen Beratungen mit bestimmten europäischen Betriebsräten abgeschlossen sind.” Letzteres bezieht sich auf den Standort Frankreich und die Konsultationspflicht den dortigen Betriebsräten gegenüber, als Formsache zu werten.

In Alsdorf macht sich angesichts der Verkaufsnachricht Optimismus breit: „Wir erreichen durch die Übernahme endlich wieder finanzielle Stabilität”, sagt Geschäftsführer Klaus Schramm auf Anfrage dieser Zeitung. Die relativ hohe Konzernverschuldung hatte zu permanenter Bankenabhängigkeit in den vergangenen zwei Jahren geführt. Und die ständig präsente Frage „Wie geht es weiter?” habe durchaus Auswirkungen auf Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter gehabt. Schramm: „Nun haben wir wieder eine Basis, auf die wir aufbauen können.”

Rund 1000 Mitarbeiter zählt der Alsdorfer Standort im Saison-Tief, zurzeit sind es 1200, denn die Auftragslage beginnt allmählich wieder anzuziehen, Großkunden bestellen bereits so genannte Box-Sets vor, Sondereditionen fürs Weihnachtsgeschäft.

Sparen bleibt weiter Thema

Weg vom alleinigen Großkundengeschäft auch zum Versandhandel (Business to Consumer) könnte ein Weg sein, den der neue Chef aus Arizona mit Cinram beschreiten möchte. Zumindest habe Firmeneigner Jahm Najafi bei seinem Besuch vor zwei Wochen im Alsdorfer Werk diesen Eindruck vermittelt, sagt Schramm. Najafi Companies, 2006 gegründet und zunächst auf Hotels und Immobilien konzentriert, habe in den vergangenen Jahren begonnen, auch operative Firmen zu kaufen. Ein jüngeres Beispiel ist die Transaktion der Direct Group Frankreich, einer Bertelsmann-Tochter, im Mai 2011, nachdem in 2008 bereits die Direct-Group-Clubgeschäfte in Nordamerika aufgekauft worden waren. Im Business-to-Consumer-Segment sieht Klaus Schramm durchaus Überlappungen mit Cinram-Tätigkeitsfeldern.

„Es würde für Najafi keinen Sinn machen, eine Firma wie Cinram zu übernehmen und dann zu zerschlagen. Ich hatte bei seinem Besuch in Alsdorf schon den Eindruck, dass sein Interesse darin besteht, Cinram wieder hochzuziehen.”

Und was könnte die neue Liquidität für die unterbrochenen Tarifverhandlungen und die avisierten Einsparungen von 7,5 Millionen Euro bedeuten? Hier spricht der Geschäftsführer klare Worte: „Die Verhandlungen werden von meiner Seite wieder aufgenommen. Die Übernahme ändert nichts an der Tatsache, dass wir diese Maßnahmen durchführen müssen. Ein neuer Investor wird keinen Standort übernehmen, der sich nicht selbst trägt!” Zwar gebe es zurzeit auch Gespräche über weitergehende Optimierungen, um die Summe eventuell zu verkürzen. Aber, so betont Schramm, er habe den Mitarbeitern auch zu verstehen gegeben, dass ein halber Schritt keinen Sinn mache. Zu kurz zu springen würde nur bedeuten, sich in zwei Jahren unter Umständen in einer viel kritischeren Situation wiederzufinden. Bis Mitte Dezember, so schätzt Schramm mit Blick auf ein anhängiges Insolvenzverfahren der Cinram Optical Discs und die Betriebsrats-Reaktionsfrist in Frankreich, könne der Vollzug des Verkaufs noch in Anspruch nahmen.

Etwas verhalten äußert sich indes noch IGBCE-Bezirksleiter Manfred Maresch: „Ich weiß noch nicht, was der Investor erwartet.”
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