Alsdorf - Neue Kapelle: Die lange Reise der Barbara ist beendet

Neue Kapelle: Die lange Reise der Barbara ist beendet

Von: Stefan Schaum
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Viele Gäste, viele Fotografen: Die letze Reise der Barbara-Skultpur haben bei der Eröffnung der Kapelle zahlreiche Besucher festgehalten. Foto: Stefan Schaum
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Ein besonderes Dankeschön machte Bergbaumuseumsvereins-Vorsitzender Dr. Georg Kehren (l.) seinem Vorgänger Josef Kohnen, dem Initator des Kapellenbaus. Foto: Stefan Schaum
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Die Montage der Figur war ein Balance- und Kraftakt für die Ehrenamtler und kurz darauf gab es vor dem Eingang bereits den ersten Stau. Foto: Stefan Schaum
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Kurz darauf gab es vor dem Eingang bereits den ersten Stau. Foto: Stefan Schaum
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Zahlreiche ehemalige Kumpel wohnten dem Festakt in voller Montur bei. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die lange Reise der Barbara-Skulptur ist beendet. Und auf den letzten Metern war es ein schönes, ein bewegendes Finale. Endlich ist die Figur dort angekommen, wo viele Hände ihr über lange Monate hinweg unermüdlich eine neue Heimstatt errichtet hatten. Die Eröffnung der Barbara-kapelle war am Samstag ein emotionales Ereignis für mehr als 400 Zuschauer.

Auf diesen Tag hatten nicht nur die ehrenamtlichen Macher gewartet, die seit Oktober 2011 den Bau vorangetrieben hatten. Dass darüber hinaus viele Alsdorfer bis heute eine tiefe Verbundenheit zu der Bergbauvergangenheit der Stadt spüren, wurde bei dem Festakt deutlich. Nicht bloß, weil einige Gäste sogar in Bergmannskluft erschienen waren – auch aus den Niederlanden kam mancher in voller Montur.

Die Verbundenheit wurde vor allem deutlich in der Inbrunst, mit der die vom Knappenchor St. Barbara und dem bergmännischen Bläserensemble präsentierten Lieder von vielen mitgesungen wurden oder in den wissenden Blicken, die die Schilderungen des ehemaligen Alsdorfer Stadtbildes begleiteten.

Erinnerungen an die Asche

„Der Dampf, der Qualm, die Asche – das war ja unser Leben“, erinnerte der ehemalige Bergbaumuseumsvereins-Vorsitzende Josef Kohnen in seiner Begrüßung der Gäste an das, was einst aus den Schornsteinen drang. Das Aneinanderstoßen der beladenen Förderwagen, die Sirene zum Schichtwechsel – diese Geräusche hatten viele der Anwesenden noch im Ohr. Und die Barbaraskulptur hatten einige einst unter Tage im Blick.

Auf der 610-Meter-Sohle und später auf der 860-Meter-Sohle der Zeche Anna grüßte die Figur die ein- und ausfahrenden Kumpel. Nach der Stilllegung kam sie zunächst ins Foyer des EBV-Verwaltungssitzes in Kohlscheid. „Doch für uns war immer klar, dass wir für sie in Alsdorf eine Heimat schaffen müssen“, sagte Kohnen, der die zentrale Triebfeder in diesem Bemühen war. Er dankte in seiner Rede Hans Berger – der nicht an der Feier teilnehmen konnte – denn der gebürtige Alsdorfer hatte sich als früherer Bundesvorsitzender der Bergarbeiter-Gewerkschaft ebenfalls für den Ortswechsel der Barbara stark gemacht.

Noch ein weiterer bedeutender Name fiel bei der Eröffnung, und zwar wiederholt: der von Professor Ludwig Schaffrath.

Lange Standortsuche

Der Künstler von Weltruf und Ehrenbürger der Stadt hatte die Baupläne für die Kapelle erarbeitet und konnte wenige Tage vor seinem Tod am 6. Februar 2011 den endgültigen Standort des Baus begrüßen. „Ich weiß noch genau, wie er auf und ab gelaufen ist und dann meinte: ‚Genau hier muss die Kapelle hin!‘“, sagte Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders. Damit war eine längere Standortsuche beendet – und die Bauzeit begann. „Dass Menschen hier bei Wind und Wetter ohne Murren mit angepackt haben und in ihrer Anstrengung nicht nachgelassen haben, ist allergrößten Respekt wert“, sagte Sonders – unter lautem Beifall der Gäste, der der gesamten Mannschaft galt.

„Das hier ist Ihre Kapelle, die gehört Ihnen allen“, sagte anschließend Dr. Norbert Kühn, Fachbereichsleiter Kultur beim Landschaftsverband Rheinland, der das Vorhaben der Alsdorfer maßgeblich unterstützt hatte (siehe Infobox). Er sprach von einer „geradezu freundschaftlichen Zusammenarbeit“ mit den Machern der Kapelle. „Man spürte, dass die Errichtung der Kapelle für alle eine Herzensangelegenheit war. Und das ist ja auch mehr als eine Folklore – Menschen brauchen Orte wie diese Kapelle als Station des Sich-Vergewisserns.“

Dann wurde es besonders bewegend: die letzten Meter warteten auf die Barbara-Skulptur. Mit einem Gefährt wurde sie von dem Bautrupp der Kapelle – zunächst noch mit einem Tuch verhüllt – zum Eingang der Kapelle gerollt. Dort bot sich vielen Fotografen Gelegenheit, die Figur abzulichten, die von den Pfarrern Ulrich Eichenberg und Michael Krosch eingesegnet wurde. Was folgte, war ein Balanceakt. Mit einer Seilwinde hievten die Ehrenamtler im Inneren der Kapelle die Figur an die Wand und befestigten sie dort.

Wurzeln schlagen

Erneut umziehen soll sie nun nicht mehr. Zwar muss das Grün auf dem von Erdreich umhüllten Kuppelbau erst noch sprießen – doch die Barbara hat Wurzeln geschlagen. Davon überzeugten sich die Besucher, die durch das Tor der Kapelle drängten. Dass es dabei zu einem längeren Stau kam, war vor allem eines: diesem besonderen Anlass angemessen.

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