Herzogenrath - Neubau Hallenbad Kohlscheid: GroKo bleibt bei Standortfrage eisern

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Neubau Hallenbad Kohlscheid: GroKo bleibt bei Standortfrage eisern

Von: Markus Bienwald
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Badestandort Herzogenrath-Kohlscheid: Noch viele Fragen sind offen. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Es ist ein Kampf gegen die Windmühlen der großen Koalition, die von der Opposition in Sachen Neubau des Kohlscheider Hallenbads nun auch im zweiten Anlauf verloren wurde. So gingen die Vertreter von SPD und CDU als Former der GroKo ihren im Bau- und Verkehrsausschuss eingeschlagenen Weg im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur schnurstracks weiter.

Und das heißt zum einen, dass es einen Neubau auf dem städtischen Grundstück an der Zellerstraße geben soll und dass das Bad mit fünf Schwimmbahnen plus Kinder- und Lehrschwimmbecken, aber ohne Sauna und Gastronomie kommt.

Zum anderen heißt das aber auch, dass die Argumente der Opposition weder angehört wurden, noch ein Wort zu den bei aktuell vorgesehenen Kosten von 5,13 Millionen Euro ja nicht unwesentlichen Fragen nach der Finanzierung verloren wurde. „Wir sollten so bald wie möglich eine Finanzierung ermöglichen“, meinte CDU-Sprecher Reimund Billmann, ohne Ross und Reiter eines solchen Finanzplans zu nennen.

„Das Pferd wird von hinten aufgezäumt“, kommentierte der Linke Toni Ameis, „denn ich muss ja erstmal wissen, ob ich überhaupt die Mittel dazu habe, bevor ich etwas baue.“ FDP-Sprecher Christoph Pontzen befand die Vorgehensweise der Mehrheit als verantwortungslos, „denn ich muss doch erst mal die Finanzierung klären und dann planen“.

Die Großkoalitionäre schienen aber nicht willens zu sein, ihre Meinung zu überdenken und wollten die Planung festgeschrieben wissen. „Wenn man etwas finanzieren möchte, sollte man im Vorfeld wissen, was man finanzieren will, damit man etwas über die Kosten weiß“, erklärte Mathematiker Dr. Manfred Fleckenstein, SPD.

Heftiges Kopfschütteln aus der Opposition gab es auch zur Frage des Standortes. Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel führte ins Feld, dass die Gutachten rund um das aktuelle und geschlossene Bad in Kohlscheid nicht nur eineinhalb Jahre und eine sechsstellige Summe gekostet hätten. Er legte auch das Lineal an, maß eine Gesamt-Papierhöhe von zehn Zentimetern für alle Gutachten, die die Stadt in ihrer Entscheidungsfindung allerdings noch keinen Schritt weitergebracht hätten. „Wir wissen nun, dass das Kohlscheider Bad ein wirtschaftlicher Totalschaden ist“, sagte Fasel, „aber der Lösung des Problems sind wir damit noch keinen Zentimeter nähergekommen.“ Er fragte nicht nur, woher das Geld für den Neubau kommen solle, wo doch die ursprünglich angedachte Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Aachen nicht kommen werde? Er warf zudem erneut die Frage auf, ob es tatsächlich der Standort Zellerstraße sein müsse? Gerade vor dem Hintergrund, dass voraussichtlich in zehn Jahren das Bad in Mitte an der Bergerstraße auch geschlossen werden müsste, wünschte sich Fasel eine Diskussion über einen möglichst zentralen Standort in der dreiteiligen Kommune Herzogenrath: „Die Zellerstraße ist dann am wenigsten geeignet“, betonte er, vielmehr seien die beiden anderen möglichen Standorte am Kohlscheider Bahnhof und in Straß nochmals näher zu betrachten.

Und Parteikollege Mark Malecki-Mingers fragte offen, was überhaupt noch an Bädern in der Stadt benötigt werde, wenn das aus dem gleichen Baujahr wie der Badbau in Kohlscheid stammende Hallenbad Bergerstraße dereinst wegfalle.

Die Restnutzungsdauer dieses Bades war für die GroKo-Vertreter allerdings kein Grund zum öffentlichen Nachdenken. „Das steht nicht zur Diskussion“, erklärte Dr. Fleckenstein. „Heute geht es nur um das Hallenbad in Kohlscheid“, ließ auch Reimund Billmann wissen. Genau das war aber ein Punkt, den die Opposition geklärt haben wollte. „Ich weiß nicht, was dagegen spricht, die Restnutzungsdauer zu berechnen“, forderte Christoph Pontzen (FDP). Er warf der Ratsmehrheit „ein Stückweit Angst vor der Realität“ vor, die er so zeichnete, dass das Bad Bergerstraße wahrscheinlich nur noch ein paar Jahre betrieben werden könne, dann wegen baulicher Mängel geschlossen werden müsse und die Stadt damit um ein Bad ärmer sei. Dass für einen hypothetischen Neubau des reinen Sportbades an der Bergerstraße nochmals fünf Millionen Euro in die Hand genommen werden könnten, hielt auch Bernd Fasel für abwegig. „Auch, weil wir in Kohlscheid das einzige echte Familienbad zur Verfügung haben, müssen wir ganz Herzogenrath in die Betrachtung mit einbeziehen“, appellierte er.

Regelmäßig untersuchen

Und während sich Piraten-Vertreter Jörg Stremmel wie andere auch einen Sprungturm wünschte, der ja zum Erwerb beispielsweise des Silbernen Schwimmabzeichens unabdingbar sei, sah sich Dr. Fasel mit einem unangenehmen Wiedersehen konfrontiert: „Die Worte, die ich hier zur Bergerstraße gehört habe, habe ich fast im Wortlaut schon vor fünf Jahren in Sachen Hallenbad Kohlscheid gehört“, bilanzierte er. Er weigerte sich, zu glauben, dass es einen rationalen Grund gebe, keine Restnutzungsdauer für das Bad in Mitte zu berechnen. „Wie soll man die schätzen?“, entgegnete ihm Dr. Fleckenstein, „außerdem ist das Bad an der Bergerstraße in einem guten Zustand, es macht keinen Sinn, im Kaffeesatz zu rühren.“ Schließlich sei das Bad Bergerstraße in den Jahren 2001 und 2002 komplett saniert worden, „und wir können natürlich erwarten, dass es regelmäßig auf Mängel untersucht wird“, fand Fleckenstein.

Und so entschied auch der Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur wie schon der Bau- und Verkehrsausschuss für den Neubau eines Bades am alten Standort in Kohlscheid. Zwar wird es dann nicht direkt auf den bisherigen Grundmauern, sondern auf dem jetzigen Parkplatz errichtet, doch wann, das bleibt die spannende Frage dieses vorerst noch für die Schublade vorbereiteten Beschlusses. Denn zum einen ist eine Finanzierung nicht geklärt und zum anderen hat eine Kommune im Nothaushalt keine Mittel, um ein neues Bad zu bauen.

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