Alsdorf - Nepomuck streicht in Alsdorf enttäuscht die Segel

Nepomuck streicht in Alsdorf enttäuscht die Segel

Von: Karl Stüber
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Schluss nach 26 Jahren: Helmut
Schluss nach 26 Jahren: Helmut und Gisela Nepomuck geben ihren Markt an den dahinterstehenden Konzern ab. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. „Wir werden uns hier zurückziehen, weil wir kein Weiterkommen in der Stadt sehen”, sagt Helmut Nepomuck. Ehefrau Gisela nickt bekräftigend. Mit „hier” ist der Rewe-Markt an der Ecke Jülicher/Jahnstraße in Mariadorf gemeint, den Nepomuck seit 26 Jahren betreibt und den er 2003 sogar gekauft hat.

Noch im letzten Jahr hat das Ehepaar kräftig in den Standort investiert und die Verkaufsfläche auf 2500 Quadratmeter erweitert. Mit „kein Weiterkommen” meint Nepomuck die jetzt vom Alsdorfer Stadtrat beschlossene zusätzliche Konkurrenz, die mit der Realisierung des „Einzelhandelszentrum Am Dreieck” im Bereich Viehau direkt am dortigen Busbahnhof sicher kommen wird.

Dort werden ein Edeka-Mark, ein dm-Markt und eine Apotheke angesiedelt. Zudem kehrt Aldi - derzeit am Ortsausgang Richtung Broichweiden angesiedelt - in den Ortskern zurück und lässt sich gegenüber Lidl nieder. Im freiwerdenden Ladenlokal soll ein großer Getränkemarkt einziehen.

Die Experten der Hamburger Firma Dr. Lademann & Partner, Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH”, haben darauf basierend dem bestehenden Einzelhandel einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von 36 Prozent prophezeit. „Das ist uns ein viel zu großes Risiko. Wir wollen nicht unsere Märkte in Aachen-Walheim und Würselen-Broichweiden mit gefährden”, begründet Nepomuck seinen Schritt, jetzt dem Konzern Rewe den Standort Alsdorf direkt zu überantworten.

„Ich sehe hier als Mittelständler in Alsdorf keine Zukunft mehr.” Bislang wurden alle drei Standorte in der Rewe Nepomuck GmbH & Co. KG betrieben. Nun werden es nur noch zwei sein. Allerdings behält das Ehepaar seine Büros an der Jahnstraße. Die beiden anderen Standorte bieten nicht die notwendige Infrastruktur für die Führung des nun geschrumpften Unternehmens. „Die Immobilie bleibt in unserem Besitz”, stellt Nepomuck klar, der mit seiner Frau in Düren wohnt.

Die gute Nachricht für die rund 70 Mitarbeiter: Der Konzern will alle übernehmen. „Das ist uns auch sehr wichtig”, betont Gisela Nepomuck. So ein Konzern hat halt zum Glück für die Mitarbeiter mehr Möglichkeiten, im harten Verdrängungswettbewerb zu bestehen.

Hart ins Gericht gehen die beiden mit der Stadt Alsdorf. Vor dem Kauf im Jahre 2003 hat sich Nepomuck intensiv bei der Stadtverwaltung über weitere Pläne informiert. Dort, so seine Aussage, sei versichert worden, dass kein Unterzentrum mehr zugelassen werde, weil die Stadt das Alsdorfer Zentrum stärken wolle. Leider liegt diese Aussage nicht schriftlich vor, bedauert der Geschäftsmann.

Alfred Sonders, aktueller Bürgermeister, habe darauf angesprochen entgegnet, diese Aussage sei nicht nachvollziehbar. Es gelte die freie Marktwirtschaft. Zudem müsse die Stadt im Interesse der Bürger handeln. Und da sei eben angemessene Nahversorgung angesagt.

Wind von dem geplanten neuen Zentrum hatten die Nepomucks 2008 bekommen. Seitdem versuchen sie, dagegen zu argumentieren und die Mehrheit der Entscheidungsträger in Rat und Ausschüssen für ihre Sichtweise zu gewinnen. Vergeblich. Zuletzt gab es noch eine ausgiebige Debatte im Stadtentwicklungsausschuss über den Bebauungsplan Viehau.

Die Mehrheit schloss sich jedoch der Einschätzung der von der Stadt bemühten BBE Handelsberatung GmbH Köln an. Der Stadtrat folgte entsprechend. Dabei hatte Nepomuck schon vor einem halben Jahr angekündigt, dass er dann sein Geschäft abgeben würde. Sicherlich gibt es Kaufkraftabflüsse in Richtung anderer Kommunen.

Aber bezüglich der Versorgung mit Lebensmitteln sind Mariadorf und das Umfeld mehr als gut aufgestellt, verweist Nepomuck auf bereits erfolgte Marktansiedlungen wie zum Beispiel in Blumenrath und Hoengen. Sein Resümee: Bürgermeister Alfred Sonders rolle Fremden den roten Teppich aus, ortsansässige Geschäftsleute stoße er dagegen vor den Kopf.

Das klingt enttäuscht, ja schon ein wenig verbittert...
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