Nach Sturz: Ist die Session für die Prinzessin schon gelaufen?

Von: Stefan Schaum
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Alaaf im Krankenbett: Prinz Horst I. und seine Gerti haben trotz des offensichtlichen Handicaps die gute Laune nicht verloren. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf/Würselen. Dieses lange Warten macht sie fertig. Schon fünf Tage liegt sie da, die arme Prinzessin im Krankenbett. Den Arm geschient, das linke Schultergelenk zersplittert und die bange Frage im Kopf: Was ist jetzt mit dem närrischen Endspurt? Kann ich zum Höhepunkt des Karnevals noch mal rein in die Säle und am Rosenmontag raus auf die Straße?

Gerti Jacobs weiß es nicht, ihr Kleid hängt derzeit daheim im Schrank und sie hütet das Bett im Krankenhaus auf der Würselener Marienhöhe. „Das ist richtig bitter“, sagt die 54-Jährige. Vergangenen Freitag hat es sie förmlich aus der Session geschleudert, als sie beim Einmarsch in einen Saal stolperte, hinfiel und vor lauter Schmerzen nicht mehr hoch kam. Dass die Ärzte im Krankenhaus ihr kostbares Prinzessinnenkleid aufschneiden, hat sie dennoch verhindert. „Ich hab‘ mich da mit letzter Kraft rausgeschält“, sagt sie.

Seitdem sind die Ärzte unsicher, ob sie der Patientin das erneute Bad in der Menge zumuten können. Eine Operation wird wohl anstehen, doch hofft Gerti Jacobs, dass die bis Aschermittwoch warten kann. „Ich würde es mir zutrauen, mit geschientem Arm los zu ziehen“, sagt sie. Auf die Hilfe schmerzstillender Medikamente würde sie vertrauen.

„Den Höhepunkt lässt man sich schließlich nicht einfach entgehen.“ Soll ihr Prinz am Fettdonnerstag etwa das Alsdorfer Rathaus allein erstürmen? Undenkbar, sagt sie. Der muss derzeit schon allein auf die Bühnen und das gemeinsame Lied singen. „Es ist hart, sie im Playback zu hören und zu wissen, dass sie nicht an meiner Seite steht“, sagt Horst Jacobs. Natürlich hat er sich das alles so nicht vorgestellt.

„Prinz zu sein ist schon lange mein Traum, ich mach‘ seit 40 Jahren Karneval“, sagt der Präsident der KG Blaue Funken. Jetzt endlich hatte alles gepasst: Eine kurze Session, die der Fachingenieur mit seinem Job in Einklang bringen konnte. „Die Chance hast Du nur einmal im Leben.“ Und dann das! „Ich muss jetzt in die Säle rein und immer freundlich gucken – dabei ist mir innerlich eher zum Heulen zumute.“

Den Karneval hat Gerti derweil komplett aus dem Krankenzimmer verbannt. „Ich mach‘ den Fernseher lieber nicht mehr an. Wenn ich da abends die Sitzungen sehe, setzt mir das wirklich zu.“ Selbst wenn sie das Krankenhaus verlassen darf – auf den Prinzenwagen wird sie am Rosenmontag nicht kommen. Dort führt eine Leiter empor, die sie mit einem Arm nie und nimmer erklimmen kann.

Zugleiter Harald Gilleßen hätte aber einen Ersatz zur Hand: ein Cabrio. „Da drin könnte ich Platz nehmen und würde dann dem Prinzenwagen vorausgefahren“, sagt Prinzessin Gerti. Den rechten Arm könne sie immerhin noch ganz gut heben. „Für ein kräftiges Alaaf reicht es also allemal“, sagt sie und lacht. Ihre gute Laune hat sie noch nicht ganz verloren. „Die Alsdorfer Jecken können mit mir rechnen.“ Sie werde das schon schaukeln. Irgendwie.

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