Nach Feuer: Familie sucht weiter nach neuer Wohnung

Von: Thomas Vogel
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Stehen in den Ruinen ihrer Woh
Stehen in den Ruinen ihrer Wohnung: Familie Gül ist immer noch fassungslos beim Anblick der verkohlten Reste von Dachbalken und Einrichtung. Froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein, suchen die Eltern nun dringend eine neue Wohnung für sich und ihre drei Kinder. Foto: Thomas Vogel

Alsdorf. Ein Raub der Flammen - Alles! Immer noch entsetzt steht Gülay Gül vor den Trümmern ihrer Wohnung, vor dem, was nicht in Rauch aufging. Fünf Wochen ist es jetzt her, dass ihre Familie und sie noch einmal mit dem Leben davon gekommen sind. Zu verdanken haben sie es zum Teil ihren beiden Hunden.

Die dreifache Mutter wollte gerade aufbrechen, um ihren ältesten Sohn zum Fußballtraining zu fahren. „Ich hatte den Autoschlüssel schon in der Hand, als ich die Hunde bellen hörte”, erzählt sie. Untypisch, scheinbar ohne Anlass. Als sie nach den beiden Kangals schaute, konnte sie riechen, dass es irgendwo brennt. Es war der Dachboden. Der Mann der 41-Jährigen, Yasar Gül, schnappte sich einen Eimer und versuchte noch, das Feuer zu löschen - vergeblich. Die drei konnten sich nach draußen retten, auch die beiden Hunde wurden in Sicherheit gebracht. Der jüngste Sohn und ihre Tochter waren nicht zu Hause.

Der Brand hat viel verändert

Die Flammen griffen auf das Nachbarhaus über. „Das ging rasend schnell”, erinnert sich Gülay. Die Feuerwehr hatte den Brand schließlich unter Kontrolle bekommen. Die Ursache konnte nicht abschließend ermittelt werden. Bei den Löscharbeiten ist zu viel zerstört worden. Vermutet wird ein Kabelbrand. Das Riesenproblem, vor dem die Familie steht und das sie seit fünf Wochen mehr und mehr zermürbt: das Haus, in dem sie seit 14 Jahren zur Miete wohnten, ist nicht länger bewohnbar. Das Ordnungsamt hat gefragt, ob sie eine Übergangsunterkunft braucht. Die konnten sie sich aber selbst organisieren.

Zusammen mit der Tochter wohnen die Eltern im Ein-Zimmer-Appartement von Yasars Mutter, die verreist ist. Die Söhne kommen bei Freunden unter und die beiden Hunde sind in einer Hundepension. Das kann nur eine Lösung auf Zeit sein. Spätestens im November, wenn die Mutter wieder zurückkehrt, muss eine neue Wohnung gefunden sein.

Über 40 Objekte hat sich die Familie bereits angeschaut, hat gesucht über das Internet, Zeitungen - sogar türkische - und auch die Stadt hat mit einigen Adressen versucht zu helfen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Niemand wollte an die Familie vermieten. Egal ob Vier-, Fünf- oder Sechs-Zimmer-Wohnung, immer kamen auf Anfragen Antworten wie: „Das Objekt eignet sich nicht für so viele Personen”. Die Stadt und auch das türkische Konsulat erkundigen sich beinahe jeden Tag nach dem Stand der Dinge, erklärt Yasar Gül.

Von seinen Landsleuten ist er jedoch enttäuscht: „Unterstützung oder Nachfrage, ob wir etwas brauchen, kam nicht von der Moschee und auch nicht von meinen türkischen Freunden. Nur Deutsche helfen uns und bemühen sich”, erzählt er. Damit gemeint sind Arbeitskollegen von Gülay Gül aus dem Altenheim in Mariadorf, die einen Spendenaufruf gestartet haben. Und: „Die Fußballmannschaft meines Sohnes JSV 09 Baesweiler. Trainer, Manager und die komplette Mannschaften haben uns Schuhe und Klamotten besorgt”, sagt sie. „Ich möchte von niemandem Geld”, erzählt Gülay.

„Mein größter Wunsch ist eine neue Wohnung. Ich will einfach wieder mit freiem Kopf arbeiten gehen.” Über eines ist sich die Familie im Klaren: Mit den großen Hunden haben sie keine Chance auf eine neue Wohnung. Die beiden müssen weg. Seit einem Monat in der Hundepension, das ist auch ein Kostenfaktor. Über 700 Euro stehen schon jetzt auf der Rechnung. In Tierheimen der ganzen Region haben sie sich nach einem Platz für die zwei Kangals erkundigt - ohne Erfolg. Auch Tierschutzvereine und das Ordnungsamt konnten nicht helfen.

Stadt Alsdorf bittet Vermieter um Hilfe

Familie Gül sucht eine Wohnung im Stadtgebiet Alsdorf, weil die Kinder hier zur Schule gehen und Gülay Gül in Mariadorf arbeitet. Die Größe ist ihnen egal. Gül: „Wünsche haben wir keine, Hauptsache eine Wohnung”.

Die Stadt Alsdorf ist der Familie bei der Suche einer passenden Wohnung behilflich. „Leider haben wir bisher trotz aller Mühen eine neue Bleibe nicht gefunden”, erklärt Bürgermeister Alfred Sonders und bittet alle Bürger um Hilfe.

Beide Hunde der Rasse Kangals (anatolische Hirtenhunde) sollen in ein neues, liebevolles Zuhause abgegeben werden.

Wer eine Wohnung für eine fünfköpfige Familie anbieten kann, meldet sich bitte bei Nicole Koch von der Wohnungslosenhilfe der Stadt per Email an nicole.koch@alsdorf.de oder unter Telefon 02404/50-272.
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